
Die komplette Geschichte der Minicomic Jahr für Jahr...
He-Man and the Masters of the Universe und (k)eine Geschichte?
Da war er nun: He-Man! Für die einen die auf die Spitze getriebene Ausformung der Fitnesswelle der 80er Jahre, für die anderen schlichtweg der stärkste Mann des Universums. Auf seinen zugegebenermaßen breiten Schultern lastete von Beginn an eine immense Bürde: Einerseits sollte er seinen ärgsten und teuflischsten Widersacher Skeletor in dessen Schranken verweisen, andererseits dem amerikanischen Spielzeuggiganten Mattel enorme Gewinne verschaffen. Zweifelsohne kein leichter Stand...
Um das Sortiment optimal zu vermarkten, ließ Mattel indes nichts unversucht: Eine farbenprächtige Illustration auf der Kartenrückseite vermittelte einen ersten Eindruck der Figur nebst ihren spezifischen Fähigkeiten. Abbildungen weiterer Charaktere verbunden mit der unmissverständlichen Aufforderung Collect them all! sollten das Interesse weiter schüren. Darüber hinaus lag jeder Figur ein kleines Comicheft bei, um in die sagenhafte Welt der neuen Spielzeugreihe einzuführen.
Nur, was mit Masters of the Universe eigentlich genau gemeint war, das wusste man selbst bei Mattel zu Anfang wohl nicht so genau. Als man Donald Glut beauftragte, vier Kurzgeschichten zu verfassen, lagen ihm nach eigenen Angaben nichts außer ein paar Prototypenfotos und mehr oder minder diffusen Ideen aus der Spielzeugschmiede vor. So machte Glut aus einer Not eine Tugend und erschuf einen sagenhaften Planeten fern von Raum und Zeit, genannt Eternia...
Standen am Anfang nur vier Heftchen, so konnte die Reihe an ihrem Ende auf insgesamt 49 Comics zurückblicken. Nicht alle erschienen in Europa, so die gesamte zweite Staffel. Längst gelten sie als Kanon und bieten einen einmaligen Einblick in das Wachsen der Toyline, deren Hintergrundgeschichte immer wieder abgeändert wurde.
Wie alles begann: Zwei Schwerthälften, die Burg der Zeitlosen und eine Menge Fragen
Die Sonderrolle der ersten vier Heftchen besteht darin, dass ein fortlaufender Text von je einem großformatigen Bild pro Seite illustriert wird. Erzählt jeder Comic eine in sich geschlossene Geschichte, so bieten alle vier zusammengenommen dennoch eine fortlaufende Handlung. Die atemberaubenden Zeichnungen gestaltete der inzwischen verstorbene Alfredo Alcala. Reglementierungen in formaler Hinsicht zwangen Glut, eine bestimmte Textlänge einzuhalten, des Weiteren war die Anzahl der Zeilen pro Seite genau festgelegt. Natürlich hatte Glut möglichst viele Charaktere in die Geschichten einzubauen.
Eine Zeit verheerender Kriege katapultierte den einst hoch technisierten Planeten Eternia in eine barbarische Vorzeit und riss in seinem Verlauf ein interdimensionales Tor auf: Diesem entstieg niemand geringerer als Skeletor, die Inkarnation des Bösen schlechthin! Ruhelos trachtet der skelettgesichtige Dämon danach, beide Hälften des mystischen Zauberschwertes zusammenzufügen, um erneut das Tor zu seiner Welt aufzustoßen, sein Volk so nach Eternia zu holen und den Planeten seiner maßlosen Machtgier zu unterwerfen. Angesichts dieser Bedrohung verlässt der Barbarenkrieger He-Man seinen Stamm, um die Burg der Zeitlosen, das geheimnisumwitterte Castle Grayskull, zu beschützen. Dabei trifft er auf eine mysteriöse Zauberin, die ihn mit besonderen Waffen aus der Zeit des einstmals technisierten Eternia ausrüstet, um im Kampf gegen die Mächte der Finsternis bestehen zu können. Zusammen mit dem wortkargen Raumfahrer Man-At-Arms, Stratos, dem Vogelmenschen, und der wagemutigen Kriegerin Teela verteidigt er hinfort Castle Grayskull vor dem Zugriff Skeletors und seiner skrupellosen Handlanger Beast Man und Mer-Man.
Besondere Aufmerksamkeit erregte, wenn auch erst im Nachhinein, das Auftreten von Tee-La - so die dortige Schreibweise - und einer grünen, namenlosen Sorceress in He-Man and the Power Sword, die mit Tee-La identisch zu sein schien. Was im Übrigen kein Zufall war:
Glaubt man Donald Glut, so zeichnet er als geistiger Vater von Tee-La, die er ausgerechnet nach einem Elefanten aus einer 50er-Jahre-Show benannt haben will, verantwortlich. Mattel ließ sich ihm zufolge schließlich und endlich dazu überreden, auch einen weiblichen Charakter in die Figurenreihe einzubauen.
Um Kosten für Mattel zu sparen und dem Prinzip des Figurenrecyclings Rechnung zu tragen, fertigte Mark Taylor als Produktdesigner allerdings gleich zwei Konzeptzeichnungen auf der Basis einer gemeinsamen weiblichen Gussform an: eine Sorceress und eine Female Warrior. Wie Alcala sich bei seinem Artwork teils an Prototypenkonzeptionen orientierte (Man denke etwa an Man-at-Arms oder Mer-Man.), so übernahm er nun in gleicher Weise die beiden weiblichen Figurentwürfe in seinen Illustrationen. Mattel jedoch produzierte nur eine einzige Figur, gleichsam ein Konglomerat der beiden ursprünglichen Konzeptionen Taylors, und nannte sie Teela. Die Modeln fanden dann ihre Wiederverwendung für Evil-Lyn, während man die Sorceress erst Jahre später nach dem Vorbild von Filmation gestaltete.
Neben den Zeichnungen Taylors und Alcalas haben sich weitere Spuren dieses Prozesses bewahrt: Alte Prototypenfotos Teelas zeigen sie mit dem bekannten Schlangenharnisch. Die goldene Lanze (Die durch den Kobrastab ausgetauscht wurde.) und den Rundschild jedoch hatte Taylor eigentlich der Female Warrior zugedacht. Darüber hinaus weist der Titel Warrior Goddess, der Teelas Blisterverpackung bis zum Ende der Toyline zierte, womöglich den Einfluss der beiden ursprünglich separat gedachten Figurenkonzepte auf.
Vieles von dem, was Donald Glut sich erdachte, erfuhr im Fortlauf der Minicomics keine Fortführung mehr. So etwa, dass He-Mans Brustharnisch seine Körperkräfte ins Immense steigert und ein Energiefeld erzeugen kann, der mächtige Barbarenkrieger allem Anschein nach zum wahren König Grayskulls bestimmt ist und Skeletor einer anderen Dimension entstammt. Ebenso verschwanden der Hüter von Castle Grayskull, eine Art Geisterwolke mit Totenschädelkonterfei, sowie die Idee, dass Skeletor sich den Zutritt zum Schloss mit wenigstens einer Schwerthälfte (oder des gesamten Zauberschwertes) auch gegen den Willen des Geistes erzwingen kann.
In besonderem Maße auffällig dürfte freilich sein, welche Umdeutung das Zauberschwert selbst mit der Zeit erfuhr: Der Ursprungsidee nach handelt es sich dabei um ein Artefakt, geschaffen von Wissenschaftlern und Magiern, dessen eine Hälfte in Castle Grayskull ruht, die Skeletor mit seiner eigenen zusammenzuführen will. Gleichwohl: Die Schwerter beider Aktionsfiguren konnten auch noch in späteren Jahren der Toyline ineinander gesteckt werden, um die Maulbrücke Castle Grayskulls zu öffnen...
Ein interessante Randnotiz bietet auch die Namensgebung Castle Grayskulls: Da die Burg der Zeitlosen als Prototyp noch grau eingefärbt war, gab ihr Glut prompt den den Mädchennamen seiner Ehefrau: Gray. Auch Mer-Man will er benannt haben sowie den sagenhaften Planeten Eternia.
Ein Königreich entsteht: Helden und Schurken im Fokus...und Teelas Geschichte
Mit Gary Cohn als Autor und Mark Texeira als Illustrator begann eine neue Phase der Masters of the Universe: Die sieben inhaltlich lose aufeinander bezogenen, nummerierten Comics weisen nunmehr tatsächlich mehrere Panels pro Seite auf. Üblicherweise steht ein einzelner Charakter im Mittelpunkt der Handlung. Nicht nur der bestechende und dynamische Zeichenstil Texeiras überzeugt dabei. Denn überraschende Ernsthaftigkeit und ein Schuss Tragik lassen die durchweg gelungenen Geschichten zu wahren Kleinoden werden:
Nun herrscht ein kinderloses Königspaar über ein friedliches Reich. Noch kämpft He-Man ohne seine Doppelidentität als Barbar gegen Skeletor und seine Häscher. Imponierend ist auch die Charakterisierung Skeletors: Nur selten wird er in späteren Comics so diabolisch sein wie in Cohns Erzählungen. Rücksichtslos instrumentalisiert er Ram-Man und Man-E-Faces für seine Zwecke, ehe der einfältige Landbesitzer und der geniale Schauspieler zu He-Mans Mitstreitern werden. Zu Skeletors Monsterkämpfern zählen fortan der skrupellose Söldner Tri-Klops sowie Trap Jaw, ein interstellarer Schwerverbrecher. Allesamt werden sie unbeteiligt von Skeletor in den Kampf um Eternia hineingerissen. Deutlich aufgewertet werden Man-At-Arms, der nun Waffenmeister am Königshofe ist, und Beast Man, der fortan unter Skeletors Helfershelfern eine exponierte Stellung einnimmt.
Zu besonderen Zielen seiner Begehrlichkeiten werden Skeletor Point Dread und der Talon Fighter, die hoch auf den Zinnen Castle Grayskulls thronen. Einst hatte die Zauberin von Grayskull ihn dort vor dem Herrn der Finsternis in Sicherheit gebracht. Die Geschichte um die Zauberin selbst gerät dabei zur stärksten der gesamten Reihe:
Ob Cohn nun den oben nachgezeichneten Werdeprozess Teelas als Aktionsfigur kannte oder nicht, jedenfalls schien es ihm bedeutsam, das quasi identische Aussehen Teelas und der Sorceress Alcalas und Taylors aufarbeiten zu müssen. Und so entstand The Tale of Teela! - ein Geniestreich, der bis in den Filmation-Cartoon hinein wirkte:
Durch die Macht von Point Dread und des Talon Fighters entzog Skeletor einst der Zauberin Energie und schuf daraus einen Klon, der im Erwachsenenalter seine Braut werden und ihm dem Zutritt zu Castle Grayskull ermöglichen sollte. In letzter Minute erretteten Man-At-Arms und die Zauberin das Kind aus den Klauen des Herrn der Finsternis. Fortan erzog es der Waffenmeister als seine Stieftochter. Der eigentliche Vater, wenn auch im übertragenen Sinne, bleibt dieser Interpretation nach Skeletor...
Noch immer besitzen übrigens Skeletor und He-Man je eine Hälfte des mystischen Zauberschwertes, das sie gar in The Menace of Trap Jaw! notgedrungen zusammenfügen müssen. Nur so gelingt es ihnen, den durch Zufall mit den Mächten von Castle Grayskull Erstarkten niederzuringen. Eine Antwort auf Skeletors offensichtliches Desinteresse an He-Mans Schwerthälfte in allen anderen Comics bleiben die Geschichten Cohns allerdings schuldig.
Feinarbeiten: Ein Prinz, eine Zauberin, ein Drache und die Masken der Macht...
Ab 1983 verfasste Michael Halperin zehn Hefte, die von Larry Houston respektive Alfredo Alcala in Szene gesetzt wurden. Als verantwortlicher Editor zeichnete Lee Nordling verantwortlich, der den Minicomics bis zum Schluss treu bleiben sollte. Die Comics stellen jetzt eigenständige, in sich geschlossene Abenteuer dar. Der Kampf um Castle Grayskull direkt spielt eine eher untergeordnete Rolle. Stattdessen wird die Handlung auf Nebenschauplätze verlegt.
Wenn auch falsch eingefärbt wurden nun die Sorceress im Falkenkostüm (und in Verbindung mit dem Gestaltenwechsel zu Zoar) und Prince Adam eingeführt. Letzterem hätte die anfangs verpasste schicke blaue Weste jedoch eher zum Vorteil gereicht als die rosafarbene. Damit war der logischen Verbindung zum Cartoon von Filmation Rechnung getragen, wenn auch das Erscheinen der Sorceress in menschlicher Gestalt außerhalb der Mauern Grayskulls in den Comicheften teils inkonsequent gehandhabt wurde.
Unter ihnen stechen besonders Masks of Power und Dragon's Gift mit dem nachhaltigen Portrait des weisen Drachen Granamyr heraus: Beide Geschichten existieren in leicht abgewandelter Form auch als Zeichentrickepisoden (Immerhin war Halperin der Verfasser der Masters-of-the-Universe-Series-Bible.). Als Comicversionen bestechen sie durch das fantastisch-düstere Artwork Alcalas, dem es insgesamt besser als Houston gelang, die atmosphärische Dichte und den speziellen Flair Eternias einzufangen. Wie ungern Alcala He-Man und das Zauberschwert in Verbindung brachte, zeigt sich allein daran, dass es allenfalls als Staffage in den Verwandlungsszenen zu sehen ist, während He-Man zumeist mit bloßen Fäusten kämpft.
Zu besonderer Verwirrung gibt das so genannte Sword of the Ancients in Masks of Power Anlass: Als Adam und Fisto bei Ausgrabungen auf zwei mystische Masken stoßen, lässt Skeletor diese von zwei garstigen Orcs stehlen. Allerdings verrechnet er sich gehörig bei seinem Zutrauen auf den bedingten Gehorsam der kleinen Helfer. Eigenmächtig stülpen sie sich die Fratzen über, wodurch die Dämonen der Masken zu neuem Leben erwachen und sich besagten Schwertes bemächtigen wollen, das Skeletor einst stahl und in den Katakomben Snake Mountains verbarg.
Die frappierende Ähnlichkeit des Sword of the Ancients mit der Ursprungsidee zweier Zauberschwerthälften in Verbindung zu bringen, läuft allerdings ins Leere: Eine Reminiszenz scheint schon deshalb recht abwegig, da zur Entstehungszeit von Masks of Power nur noch Adam über das Zauberschwert verfügte, um sich in He-Man zu verwandeln. Wie auch immer, He-Man lässt schlussendlich das geheimnisvolle Schwert in den Mystic Mountains zurück.
Neben Skeletor kommen nun auch andere Gegner zum Zuge: Mit Geldor und Garn (Man darf annehmen, auch Lodar, der Hauptgegner aus Slave City! sei unter seiner Rüstung farbig.) aus der Zeichenfeder Houstons treten He-Man gleich zwei Mal dunkelhäutige Widersacher entgegen.
In He-Man and the Insect People darf sogar Beast Man einmal als Hauptgegner der Giganten des Universums nach der Macht greifen.
Rückkehr eines Betrogenen: Hordak und die Wilde Horde
1984 wurde das Jahr der Wilden Horde. Ist das Bemühen, allen Figuren der Wilden Horde mit einer eigenen Geschichte gerecht zu werden, zunächst in lobenswerter Weise hervorzuheben, so sind die meisten der Geschichten durch ein deutliches Abfallen in qualitativer Hinsicht bezüglich ihres Inhaltes und zum Teil auch des Zeichenstiles gekennzeichnet. Dies wird umso schmerzlicher deutlich, wenn man sich die vorhergehenden Jahre in Erinnerung ruft.
Einigermaßen gelungen ist Hordak - The Ruthless Leader's Revenge!: Hordak, einst von Skeletor in Etheria festgesetzt, gelingt es, ein Portal nach Eternia zu öffnen und verbündet sich, freilich nur zum Schein, mit seinem abtrünnigen Partner. Doch die gemeinsame Eroberung Castle Grayskulls scheitert, wie erwartet, an Lug und Trug beider Kontrahenten.
Als besonderes Juwel sticht jedoch zweifellos Grizzlor The Legend Comes Alive! heraus, für das Bruce W. Timm (bekannt durch Batman The Animated Series) im wahrsten Sinne des Wortes verantwortlich zeichnete: Macht Buzz-Off sich zunächst einen Scherz daraus, Gruselgeschichten über ein Fabelwesen namens Grizzlor zu erzählen, wird der Spaß schnell zum Ernst. Die grauenerregende Bestie entführt Teela und die Helden müssen sie aus den finsteren Verliesen der Fright Zone retten. Hier wird die in anderen Geschichten so schmerzlich vermisste Atmosphäre greifbar, der Plot ist durchdacht und stimmungsvoll aufbereitet.
Absolute Tiefpunkte stellen die Mantenna und Leech beigelegten Heftchen dar. Neben den einfallslosen und bisweilen ganz und gar bizarren Handlungsfortgängen beider Geschichten fällt das Artwork beider Comics in ungeahnte Tiefen ab.
Mit dem Auftauchen Orkos in einigen der Heftchen war wenigstens das Filmation-Trio nun komplett.
Eine folgenreiche Befreiung und ein Herz aus Stein: Die Schlangenmenschen und die Felslinge
Mattels Jahr der Schlange fiel, betrachtet man die Anzahl der produzierten Minicomics, eher mau aus. Nur zwei Heftchen wurden King Hiss und seinen Schlangenkriegern gewidmet, wohl auch deshalb, da es anfangs nur drei Aktionsfiguren gab. Aber was sie an Quantität nicht schafften, das erreichten die Comics an Qualität. Nicht nur an dieser Stelle tat das erfrischende Artwork neuer Zeichner, wie Chris Charlson, Jim Mitchell und Bruce Timm, sein Übriges, um über das eher farblose Vorgängerjahr hinwegzutrösten:
In den tiefsten Tiefen Snake Mountains befreit Skeletor King Hiss, den finsteren Kriegsherrn der Schlangenmenschen. Einst wurde er vom Council of Elders verbannt, als er sich in grauer Vorzeit anschickte, das ganze Universum zu unterjochen. Hervorhebenswert ist in King of the Snake Men der Versuch, die Schlangenmenschen in der Historie Eternias zu verorten: So weiß nicht nur Skeletor um King Hiss, sondern der auch wiederum vom Zauberschwert, als er es kurzzeitig in Händen hält. Fast schon zwingend ist das reine Zweckbündnis zwischen Skeletor und King Hiss, dessen Bestand von der Möglichkeit, den jeweils anderen zu übertrumpfen, limitiert wird.
Neben den Schlangenmenschen wurden etliche Geschichten um die Wilde Horde verfasst, allesamt gelungen, wie man neidlos zugeben muss: Da wäre etwa Between a Rock and a Hard Place, die sich Hordaks Hurricane-Kräften widmet und Evil-Lyn als herrlich intrigant gegen Skeletor und Hordak zugleich handeln lässt, wohingegen in The Warrior Machine Extendar beeindruckt von Dragstors übermenschlichen Fähigkeiten eine folgenschwere Entscheidung trifft. In The Treachery of Modulok! läuft Modulok zunächst von Skeletor zu Hordak über, um dann in The Menace of Multi-Bot! auch seinen neuen Meister zu hintergehen.
Besonderes Augenmerk legte man seitens Mattel auf Rokkon und Stonedar. Wie wäre es sonst zu erklären, dass sie nicht nur in Rock People to the Rescue! (einer zugegeben schwachen Einstandsepisode) auftreten, sondern insgesamt dreimal gegen Hordak in den Kampf ziehen müssen? Da Stonedars Volk Gewalt verabscheut, muss sich He-Man in Escape from the Slime Pit! gar für den friedfertigen Rokkon opfern. Hordak verwandelt mit dem glibberigen Schleim der entsetzlichen Opferstätte Slime Pit den Stärksten der Starken in eine willenlose Marionette, um so seinen Erzrivalen Skeletor zu vernichten. Doch mit der Macht des Sun Rock kann Stonedar He-Man von seinem Bann erlösen, ehe er Skeletor den Garaus macht. Dass die Steinlinge den Sun Rock gleich um die Ecke haben, was soll's? Denn die allermeisten der Minicomics bestechen durch abwechslungsreiche, durchdachte und spannende Storyplots wie durch eine adäquate Umsetzung.
Eye of the Storm scheint da die einzige Ausnahme zu sein, denn auch The Flying Fists of Power! und The Terror Claws Strike! lassen sich sehen, wenngleich das Artwork des zweiten Comics besser gefällt. Dass man der aufwendigen Aktionsfigur Rio Blast einen eigenen Comic gab, versteht sich beinahe von selbst. Die Handlung selbst ist eher nebensächlich, aber der trockene Humor Rio Blasts und sein feurig heißes Chili entschädigen dafür reichlich.
Große Zusammenhänge: Die Suche nach Keldor, die Türme des Schicksals und ein Blick in die Geschichte
1986 hatten die Masters of the Universe sodann ihren Zenit unwiederbringlich überschritten. Noch ein paar Figuren, Fahrzeuge und ein gigantisches Playset, dann fiel der Vorhang - vorerst. Wie zum Trotz erreichten die letzten Minicomics ein Niveau, das wehmütig an die glänzenden Zeiten des Anfangs erinnerte. Die Autoren Steven Grant und Phil White waren in Höchstform und mit dem atemberaubenden Artwork der zeichnenden Künstler konnte eigentlich nichts mehr schief gehen.
Was sich schon im Vorjahr angedeutet hatte, schlug nun vollends durch. Die Autoren widmeten sich größeren Zusammenhängen, rangen altbekannten Charakteren neue Seiten ab und schrieben die faszinierende Geschichte Eternias eindrucksvoll fort. Mittelbar und unmittelbar nahm das Autorenduo die drei Türme der Macht zum Aufhänger seiner Geschichten:
Vor Äonen, als King Hiss Eternia bedrohte, ragten sie majestätisch in den Himmel und versprachen ultimative Macht demjenigen, der sie zu kontrollieren vermochte. Während Grayskull Tower für alles Gute stand, verkörperte Viper Tower die Mächte des Bösen. In der Mitte thronte Central Tower, der die Macht beider Nebentürme in sich vereinigte. Um diese alles entscheidende Machtquelle King Hiss vorzuenthalten, verbannte der Council of Elders die Schlangenmenschen mit all seiner Macht ins interstellare Exil. Die Gefahr schien gebannt... Doch unter Aufbietung all ihrer schwarzen Magie gelingt es Skeletor und dem zurückgekehrten King Hiss die drei Schicksalstürme wieder zum Vorschein zu bringen. Nicht ahnend, welche Folgen ihre maßlose Machtgier nach sich ziehen wird! Den mit dem Wiedererscheinen der einstmals erbittert umkämpften Schicksalstürme kehren auch die Schatten der Vergangenheit zurück...
So wirkte einst Hordak, nunmehr unumstrittener Herrscher über die Fright Zone, an der Errichtung von Central Tower mit. Da nur der rechtmäßige König Eternias diesen betreten kann ohne sein tödliches Verteidigungsarsenal an zahllosen Fallen auszulösen, entführt Hordak Randor. Zwar erzwingt er sich so den Zutritt, doch der mystischen Macht des Turmes scheint selbst Hordak nicht gewachsen: Verwandelt er sich zunächst in einen hoffnungslosen Gutmenschen, mutiert er kurz darauf zu Buzz-Zaw Hordak und wird so zu einer weitaus größeren Bedrohung für Eternia als je zuvor.
In The Search of Keldor nutzt King Randor die Hilfe der Schicksalstürme und der Sorceress, um seinen vor Jahren verschollenen Bruder Keldor wieder zu finden. Dabei bringt er jedoch sich und die Hüterin Castle Grayskulls in tödliche Gefahr, denn Skeletor bietet all seine Kräfte auf, um das Geheimnis um Keldor im Dunkel der Geschichte ruhen zu lassen. Zwar gelingt es dem Herrscher von Snake Mountain, die Suche nach Keldor zu vereiteln, doch die Schicksalstürme bedeuten fortan für Skeletor nicht nur die Möglichkeit zu unbegrenzter Macht über Eternia, sondern auch die Gefahr hinter sein Geheimnis zu kommen - Keldors Geheimnis. So jedenfalls bestätigten es Phil White und Steven Grant.
Das Alter Ego Skeletors sollte gar im Spin-off The Powers of Grayskull zum Hauptgegner des Helden He-Ro werden. Ein Plan, der nie in die Tat umgesetzt wurde, denn das Ende der Masters of the Universe stand unwiederbringlich fest. So kam der als Dreiteiler geplante Minicomic The Powers of Grayskull: The Legend Begins! nicht über den ersten Teil hinaus:
Zu sehr ist das Gleichgewicht der Mächte auf Eternia ins Wanken gekommen, nachdem die drei Türme des Schicksals und King Hiss auf Eternia erschienen sind. Um mehr über sie zu erfahren, reisen He-Man und die Zauberin von Grayskull in die Vergangenheit. Auch Skeletor gelangt durch das Zeitportal in die Frühzeit Eternias, in der Giganten und Riesenechsen hausen. Dort verbündet er sich mit King Hiss, der in dieser Epoche des Planeten im Auftrag des mysteriösen Nameless One nach der Macht greift. Ehe Skeletors und He-Mans Eingreifen in die Geschichte unabsehbare Folgen nach sich ziehen kann, beendet ein mysteriöser Magier, zweifellos die Silhouette He-Ros, die kurze Episode.
Daneben wurden Rotar und Twistoid in einem Mini-Comic beworben, sowie die Movie-Figuren, die in einem Vergleich mit den anderen Comics allerdings nicht bestehen können.
Das jähe Ende der Masters of the Universe jedoch ließ die Geschichte Eternias unvollendet. Dies ist umso bedauerlicher, als gerade die letzten Comics Anlass zu fulminanten und packenden Geschichten gegeben und das von Donald Glut erschaffene Epos um Eternia würdig fortgesetzt hätten... (LCM)