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  • 19.06.2018, 11:18:25

Autor Thema: Uslor, der heldenhafte Braumeister  (Gelesen 1397 mal)

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Offline Cirenaj

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Uslor, der heldenhafte Braumeister
« am: 26.10.2014, 23:27:46 »
Ausnahmsweise einmal keine MOTU Geschichte, sondern eine leicht Autobiografische Geschichte. Allerdings befindet sie sich noch in der Rohfassung, doch ich würde gerne mal ein Paar meinungen dazu hören.

Hier mal das erste Kapitel.

Viel Spaß beim lesen.

Offline Cirenaj

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Re: Uslor, der heldenhafte Braumeister
« Antwort #1 am: 26.10.2014, 23:28:10 »
Es läge mir fern, mich selbst als Meister zu bezeichnen. Noch ferner, wenn es darum geht, heldenhaft zu sein. Doch irgendwann in meinem Leben, bekam ich diesen Titel mehr oder weniger auf´s Auge gedrückt. Ob ich wirklich würdig bin, so genannt zu werden, dass könnt ihr selbst entscheiden, wenn ihr mir erlaubt, meine Geschichte zu erzählen.
Eine Geschichte von Freundschaft, Verrat, Liebe und Hass. Krieg, Sklaverei, Magie und Hoffnung. Von Drachen, wandelnden Toten, Menschenfressern und fliegenden Katzen, die auf Bäumen leben.
Von den meisten dieser Dinge habe ich damals nur gehört. Aus Geschichten, die mir meine Eltern vor dem schlafen gehen erzählten. Mein Vater war ein Brauherr, wenn man es so nennen möchte. Er konnte zumindest aus allen möglichen Zutaten etwas brauchbares zu trinken herstellen. Dafür war er in unserem Dorf sehr beliebt, denn unser Volk feiert oft und gerne. Ein altes Märchen erzählt sogar, dass ein Dorf einmal ein halbes Jahr durch gefeiert haben soll, was den Ruf meines Volkes beim Rest der Welt wahrscheinlich noch mehr untermalt hat. Die blauen Löwen, ja, nicht nur auf die Farbe unseres Fells trifft es zu. Zumindest aus Sicht der anderen. In unseren Augen, trinken und feiern wir genau zur rechten Zeit und das nicht zu wenig oder zu viel.
Was nun meinen Vater anging, verbrachte er seine Zeit nicht nur damit, neue und bessere Spirituosen zu erfinden, sondern auch einen Heiltrank.
Ernsthaft, mein Vater grübelte seit Jahren, wie er so ein Mittel kreieren könne. Da wundert es mich im Nachhinein nicht, dass er unzählige Tränke erfand, die den Weg in die umliegenden Gasthäuser fanden.
Daran hatte meine Mutter allerdings nicht weniger Schuld. Sie war sehr belesen, was die Kräuterkunde anging und sie kannte sich in den umliegenden Wäldern und Wiesen bestens aus, denn sie war in dieser Gegend aufgewachsen. Mein Vater war hingegen vom Östlichen Clan der blauen Löwen hierher gezogen.
Meine Mutter eine alte Kräuterhexe zu nennen, würde niemals jemand im Dorf wagen. Der einzige, der dieses einmal getan hatte, litt eine Woche danach an Haarausfall. Meine Mutter hatte sich nie zu diesen Vorkommnissen geäußert und brachte dem Betroffenen einmal angeblich einige Kräuter, die dagegen wirken sollten. Dem Herren wächst das Fell heute besser denn je und er grüßt meine Mutter auch immer recht freundlich, wenn sie sich begegnen.
Ich kann mich zumindest noch an den Tag erinnern, als meine Eltern mich um ein ernsthaftes Gespräch baten. Ich wußte in meinem Jugendlichen Leichtsinn natürlich schon, worauf sie hinaus wollten. Ich sollte endlich in die Welt hinaus gehen, um Erwachsen zu werden, so, wie es alle unseres Volkes tun. Und um ehrlich zu sein, sie hatten vollkommen recht. Ich war noch der einzige in meinem Alter, der das Dorf noch nicht verlassen hatte. Selbst mein bester Freund Xell war schon gegangen. Soldat wollte er werden und ging schließlich zur Armee. Ich hätte es ihm nie zugetraut, denn wir wuchsen so zusagen zusammen auf und teilten die gleichen Interessen. Ein leben voller Reisen und Abenteuer war für uns nie wirklich interessant gewesen, zumindest in meinen Augen. So ging also auch mein bester Freund. Er wurde so überraschend eingezogen, dass eigentlich keine Zeit blieb, um sich zu Verabschieden.
Und da saß ich nun. Ein naiver, junger Löwe, der den Ernst der Lage nicht vor Augen sah.
"Uslor.", begann mein Vater und schaute mir tief in die Augen."Ich habe es geschafft."
Meine Eltern lachten verschmitzt und ich wußte im ersten Moment nicht, worum es eigentlich ging, bis meine Mutter eine braune Flasche auf den Tisch stellte.
"Das Elixier. Dein Vater hat es geschafft.", sagte sie.
Ich sah erst die Flasche, dann meine Eltern ungläubig an. "Was kann es ?", fragte ich und zuckte mit den Schultern.
"Es heilt Wunden, Uslor." Meinem Vater stand die Freude ins Gesicht geschrieben. "Schau auf meine Hand."
Er streckte mir seine linke Hand entgegen. Erst vor zwei Jahren verpasste ihm ein Gaul einen Tritt. Hätte er nicht schützend die Hand vor sein Gesicht gehalten, wäre ihm wohl schlimmeres widerfahren. So aber, waren es nur seine Finger, die unter dem Tritt zu leiden hatten. Die Hand zu einer Faust zu ballen oder die Finger ausstrecken konnte mein Vater zumindest nicht mehr. Doch nun sah ich zu, wie er die Hand öffnete und schloß, als sei nie etwas gewesen. Er berührte mit dem Daumen alle anderen Finger und ließ diese in der Luft auf und ab tanzen.
Ich konnte einfach nicht fassen, was ich dort sah. "Wie ist das möglich ?"
Mein Vater holte eine Schriftrolle hervor. "Sieh her, mein Sohn.", sagte er, als er sie auf dem Tisch ausbreitete. "Dies ist das Rezept, für den Heiltrank."
Ich schaute mir alles genau an.Es waren seltene Kräuter aufgelistet und eine sorgfältig beschriebene Weise der Herstellung.

Nehmt es mir nicht übel, wenn ich das Geheimnis für mich behalte, aber einige von euch könnten auf dumme Gedanken kommen, wenn sie erst einmal einen Heiltrank in den Händen halten.

"Was habt ihr nun vor damit ?", wollte ich wissen.
"Wir werden es dir geben, Junge.", sagte meine Mutter und nickte dabei leicht mit dem Kopf.
"Mir ? Was soll ich damit anstellen ?" Ich war im ersten Moment hellauf begeistert. Welcher Jugendliche würde nicht gern einen Trank besitzen, der Heilkräfte inne hat ?
Doch die Erkenntnis, dass meine Eltern ihn mir einfach so anvertrauen wollten, machte mich stutzig. An dieser Sache war etwas faul.
"Nimm diese Flasche und die Rolle und mach dir damit einen Namen.", sagte meine Mutter.
Das war es also. Ich hatte es im Gefühl. Die Welt hatte schon lange nach mir gerufen, nun mußte ich antworten.
"Warum ich ?" Jeder Jugendliche sagt diese zwei Worte mindestens ein mal am Tag.
"Du hast dein Leben noch vor dir, Uslor. In einer Woche öffnen sich die Tore von Freudenthal wieder. Wenn du morgen früh aufbrichst, schaffst du es noch in die Stadt."

Umdrehen. Einfach umdrehen, dachte ich mir, nachdem ich schon die Hälfte der Strecke zu Fuß zurück gelegt hatte. Damals konnte ich die Entscheidung meiner Eltern nicht verstehen. Aus heutiger Sicht ist sie natürlich nach zu vollziehen, was hätte ich sonst zu erzählen, wäre ich damals einfach umgedreht.
Proviant, ein Säckchen mit Goldstücken, den Trank und sein Rezept. Damit war ich nun auf dem Weg nach Freudenthal, welches alle fünf Jahre seine Stadttore öffnete, um neue Bürger zu begrüßen und alte zu verabschieden. Ich selbst war noch nie dort gewesen, denn es war viel zu fern ab unseres Dorfes, eine ganze Woche zu Fuß. Besucher hatte die Stadt eh selten. Wenn man hinein ging, dann, um zu bleiben. Die jenigen, die kamen, waren Leute, die etwas zu bieten hatten. Seltene Künste oder Fähigkeiten, die gebraucht wurden. Gerade der Kaiser war offen für alles, hieß es. Geh nach Freudenthal und mach dein Glück. Ja, das lockte so manchen dort hin, doch nicht wenige verließen die Stadt als Ausgestoßener. Diese gingen dann in die Grenzlande, dort, wo es keine Gesetze gab.Ich hoffte, dass es mir besser ergehen würde.
"Ein Trank, der wunden heilt. So etwas würde dem Kaiser sicherlich gefallen.", waren die Worte meines Vaters gewesen. Deswegen sollte ich auf direktem Wege zum kaiserlichen Alchemisten, um ihm den Trank zu präsentieren. Wenn alles gut laufen würde, wäre mir sicherlich ein Platz als Lehrling sicher.
Wenn alles gut laufen würde. Meine Mutter hatte eine sehr positive Art, die Dinge zu sehen. Sie wäre es ja nicht, die fünf Jahre in einer Stadt eingesperrt wird und auf das Schicksal vertrauen muß. Dieses meinte allerdings, mein Leben in eine andere Richtung zu lenken.