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  • 22.09.2018, 16:06:04

Autor Thema: Masters of the Universe - The eternian Prime  (Gelesen 12551 mal)

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Offline archon

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #15 am: 09.03.2010, 17:29:13 »
Bin gerade beruflich sehr eingespannt, weshalb ich mich mit Daten sehr zurückhalte. Aber ich verspreche, dass es bald soweit ist...

Offline archon

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #16 am: 31.03.2010, 17:00:46 »
Eine akkute Schreibblockade hindert mich an der Beendigung des nächsten Teils. Ich verlege mich erst mal ein paar Tage auf meine Daedalus Beta und hoffe, nächsten Monat einen längeren Abschnitt The Eternian Prime vorzulegen.

Offline bluecat9

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #17 am: 02.04.2010, 14:22:22 »
@archon: Na dann hol dir doch zur Überwindung der Schreibblockade ein paar Tipps
aus dem Thread: "Wo kommen euch die Ideen zu einer FanFic". Da werden ja ein paar sehr anregende Örtlichkeiten erwähnt!  :D

Offline archon

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #18 am: 02.12.2010, 18:09:11 »
So... um das Ganze wieder etwas zu beleben, ich bin guter Dinge, dass es nächste Woche weitergehen wird...

@bluecat9
Danke für den Tip, aber besondere Örtlichkeiten inspirieren mich zu etwas Anderem, als dem Schreiben...

Offline archon

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #19 am: 14.12.2010, 18:52:07 »
Hier fand sich der dritte Teil des ersten Kapitels, das Hier zu finden ist.
« Letzte Änderung: 23.01.2011, 16:52:45 von archon »

Offline Natira

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #20 am: 19.12.2010, 10:53:57 »
Wow!

Es ist lange her, daß ich eine Geschichte in der »Ich-Form« gelesen habe. Irgendwie löst das bei mir immer eine merkwürdige Stimmung aus. *lach* Aber sehr schön umgesetzt, vor allem, weil dein Hauptcharakter sehr realistisch rüberkommt! (Leider ist das nicht bei jedem so; nicht mal bei »Nicht-Ich-Form-Geschichten«.)

Das Thema ist faszinierend! Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht!  :icon_biggrin:

Offline bluecat9

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #21 am: 27.12.2010, 22:05:32 »
Schön und bildreich beschrieben sind die Umgebung und das Tentakel-Monster. An so einem Viech habe ich mich mal in einer anderen Fan-Fic versucht, es allerdings ziemlich rasch wieder eingesperrt, eben, weil ich es mir außerhalb von Wasser nicht vorstellen konnte.  :)
Die Sätze, die den Kampf mit dem Monster beschreiben sind meist recht lang. Kurze Sätze können die Spannung steigern, der Intensität des Kampfes besser verdeutlichen.
Wie gesagt, kann, muss aber nicht.
« Letzte Änderung: 27.12.2010, 22:10:28 von bluecat9 »

Offline archon

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #22 am: 30.12.2010, 13:36:08 »
Thanks for the fish. Mein altes Problem, überlange Schachtelsätze. Ich gelobe Besserung?

Offline archon

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Prolog
« Antwort #23 am: 23.01.2011, 16:36:00 »
Prolog
Im Zentrum des Universums, an der Grenze zwischen hell und dunkel, erstrahlt eine einzelne Sonne in unvergleichlichem Licht. Um sie kreist der Planet Eternia, eine grüne Welt voller Leben und Magie. Aber es ist auch ein Zentrum der Kultur und Technologie.
Doch Eternias eigentlicher Wert lag verborgen in den Katakomben unter dem mysteriösen Schloss Grayskull. Hüterin des Schlosses waren seit jeher die Zauberinnen von Grayskull, welche ihre Weisheit und Macht von Generation zu Generation weitergaben und ihre Herkunft zurückverfolgen konnten bis zu einer längst vergessenen Göttin, deren Name ebenso ein Mysterium ist, wie der Ursprung des Schatzes in den Tiefen des Schlosses Grayskull.

***

Ich habe immer geglaubt, dies sei eine tolle Geschichte, ausgedacht von dem Erfindern eines einfachen Spielzeugs. Und doch kann ich nicht leugnen, dass kein anderes Spielzeug meine Kindheit so tief geprägt hat, wie dieses. Und keines mein Schicksal...

Als man mich ans Sterbebett meines Vaters rief, war ich einundzwanzig Jahre alt. Ich hatte gerade meinen Wehrdienst abgeleistet und eine Weiterverpflichtung abgelehnt. Ich wusste noch nicht genau, was ich tun wollte, aber es sollte bedeutender sein als die Karriere eines Sportsoldaten.
Ich hatte eigentlich nie besonders viel trainiert, Sport machte mir Spaß, aber nicht mehr und nicht weniger als andere Beschäftigungen auch. Und doch hatte ich bei jeder sportlichen Disziplin, die ich je versucht hatte herausragende Erfolge erzielt. Die Dinge schienen mir einfach leichter zu fallen als meinen Sportskameraden.
Und doch hatte ich meinen Dienst quittiert, so bald es eben ging und plante, mit meinen Ersparnissen als Rückfahrkarte meinen Seesack zu packen und die Welt kennen zu lernen, bevor ich mich entscheiden würde, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Da erreichte mich die Nachricht, dass mein Vater schwer erkrankt war und bald sterben würde.

Ich konnte nicht ahnen, wie bald, als meine Tante mir die Tür zu meinem Elternhaus öffnete und mich einließ. Sie hob den Finger an die Lippen, ehe ich sie begrüßen konnte und führte mich vorbei an meiner Mutter, welche mit verweinten Augen auf der Couch im Wohnzimmer eingeschlafen war in die Küche. Ich beobachtete, wie sie die Tür leise ins Schloss führte und den Riegel vorsichtig in die Falle schnappen lies. Erst dann nahm sie mich fest in den Arm, dass heißt, sie legte ihre Arme um mich so gut es ging. Ich bin fast zwei Köpfe größer als meine Tante, ebenso, wie meine Mutter mir gerade einmal bis zur Schulter reichte.
Meine Tante schluchzte kurz an meiner Schulter, dann fing sie sich und berichtete mir, das die Ärzte meinem Vater nur noch wenige Wochen gaben, man aber übereingekommen sei, ihm dies nicht zu mitzuteilen. Für meinen Vater war es schwer genug, zu ertragen, überhaupt krank zu sein, zumal so krank, dass die Schwäche ihn ans Bett fesselte. Von ihm habe ich die Konstitution geerbt, ich konnte mich nicht daran erinnern, dass er überhaupt einmal krank gewesen war. Und diese Institution sollte nun gefällt werden von einer heimtückischen Krankheit, welche man bestenfalls aufhalten konnte, um sein Leben unter Qualen um ein paar Monate, vielleicht ein Jahr zu verlängern...

Ich atmete noch einmal tief durch, nachdem ich mich an meiner Mutter vorbei geschlichen hatte. Sie hatte es seit Tagen zum ersten Mal geschafft, sich in den Schlaf zu weinen. Ich konnte sie gut verstehen, es machte sie fertig, sich meinem Vater gegenüber nichts anmerken zu lassen.
Dann klopfte ich sacht an die Tür zum Krankenzimmer und drückte die Klinke leise nach unten. Mein Vater sah elend aus, wie er da lag und mich erwartend ansah. Aber es waren nicht seine kränklich verfärbte Haut oder die eingefallene Erscheinung des bei unserer letzten Begegnung noch so kräftigen Mannes, die mich erschreckten. Es waren seine Augen, die mich beinahe hungrig ansahen. Gehetzt. Gleichzeitig eine gewisse Erlösung verheißend. Und vor allem wissend.
Er rang sich ein kämpferisches Lächeln ab und begrüßte mich mit heiserer, beinahe gebrochener  Stimme. Ja, begann er ohne Umschweife, ich weiß, dass ich sterben werde. Es war mir klar, als ich erkannte, dass es nicht ich sein würde...
Ich verstand nicht, wollte ihn beschwichtigen im Glauben, er sei vielleicht nicht ganz bei sich.
Red' keinen Unsinn, Junge, ein Mann weiß, wenn seine Zeit gekommen ist. Um so wichtiger ist, dass du mir jetzt zuhörst und mich nicht unterbrichst. Ich weiß nicht, wieviel Zeit mir bleibt.
Wieder versuchte ich ihn zu beruhigen, er würde ganz sicher wieder gesund und noch lange leben...
Traurig schüttelte er den Kopf. Das werde ich sicher nicht. Das Leben weicht aus meinem Körper mit jedem Atemzug, den ich tue... und nun genug davon! Hör mir zu und tu', was ich dir sage!
Nur widerwillig und vollkommen verständnislos trat ich hinüber zum Kleiderschrank, schob ihn ein gutes Stück beiseite und setzte einen Brieföffner, der wie zufällig auf dem Nachtschrank neben dem Bett meines Vaters lag, in die Fuge zwischen zwei Brettern der Vertäfelung, die mein Vater mir wies. Erneut zögerte ich und erst als er mich mit erstaunlich fester Stimme an fuhr, endlich das Brett hoch zu stemmen, um es abheben zu können, leistete ich ihm Folge.
Es löste sich leichter, als ich erwartet hatte. Ich habe es selbst so angebracht, damit du leichteren Zugang zu deinem Erbe haben würdest. Ich starrte, das Brett in der Hand in die Öffnung, als er hinter mir sprach. Meine Augen weiteten sich. Ich kannte, was ich darin vor fand.
Ja, du erkennst es. Ich stammelte verständnislos. Nimm es und hör mir zu!
Ich griff in die Höhlung und drehte mich, meinen Fund in der Hand, zu meinem Vater um.
Das ist das Schwert unseres Ahnen, genauer gesagt des Stammvaters unserer Familie. Es wurde seit Jahrhunderten vom Vater an den Sohn weitergegeben und auch, wenn ich glaubte, dass ich derjenige sein würde, musste ich erkennen, dass es die ganze Zeit über das Deine war.
Seine Augen blickten stolz, doch auch nicht ohne eine gewisse Trauer, einen Verlust.
Mein Sohn, als das Schwert seinerzeit an mich kam, erzählte mir mein Vater die Geschichte, welche ihm sein Vater erzählt hatte und dessen Vater vor ihm. Er erzählte von unserem Ahnen, der von den Sternen auf diese Welt kam und doch einer der Unseren war. Er hatte ein großes Übel bekämpft und dafür jene verlassen, welche er liebte. Und für seinen Sieg über das Übel zahlte er erneut einen hohen Preis, denn erneut brach er alle Brücken hinter sich ab, denn er strandete hier, auf der Erde, unerkannt unter uns Menschen. Mein Vater redete immer schneller, immer lauter. Als würde er sich von mir entfernen und sichergehen wollen, dass ich jedes Wort verstand, bevor ich ihn nicht mehr würde hören können. Doch er war den Menschen nicht fremd, denn er war einer von uns, seine Mutter würde einst von der Erde zu den Sternen aufbrechen um dort seine Mutter zu werden und ihm alles über die Erde beizubringen, was sie wusste.
Er fügte sich ein in diese Welt, lebte unter uns und zeugte Kinder und Kindeskinder, bis schließlich du zur Welt kamst. Doch du warst noch so jung, als ich in einem Spielzeugladen all jene Dinge fand, die dein Großvater mir beschrieben hatte, als er mir das Schwert übergab. Und eines dieser Spielzeuge trug das Schwert, das du gerade in Händen hältst.
Damals holte ich in einer verschwiegenen Nacht das Schwert hervor, das ich auch damals gut verborgen gehalten habe. Ich verabschiedete mich von dir, als du schliefst und sagte deiner Mutter, ich würde noch einmal spazieren gehen. Ich erwartete nicht, zurückzukehren. Und doch tat ich es, denn in jener Nacht begriff ich, dass nicht ich, sondern du der Erbe warst.
Wie hatte ich auch glauben können, dass ich es sein könnte. Ich hatte dich doch spielen sehen mit all diesen Figuren... ich hatte sie erkannt, aber du hast sie... er zögerte, gelebt.
Unser Ahn wusste, dass er hier, auf dem Heimatplaneten seiner Mutter sterben würde. Aber er ahnte, dass dies nicht das Ende sein würde. Er glaubte fest daran, dass eines Tages Zeichen erscheinen würden, die nur seine Erben erkennen würden. Und dass dieser Erbe mit seinem Schwert seinen Weg fortsetzen würde...
Ich schüttelte den Kopf. Konnte das sein? Das war so... unglaublich. Ich hatte meine gesamte Kindheit einem Helden nachgeeifert. Einem Idol. Einer Fantasiefigur. Einem Hirngespinnst... und dieses Spielzeug sollte eine wirkliche und wahrhaftige Persönlichkeit gewesen sein? Noch dazu mein Urahn und der Stammvater meiner Familie?
Mein Vater war kraftlos zurück in die Laken gesunken. Leise, kaum hörbar sprach er weiter.
Ich weiß, wie unglaublich all das klingen muss, mein Sohn. Und doch, erinnere dich. Erinnere dich, was ich dir von unserer Familie erzählt habe. Davon wie unsere Familie Vermögen gemacht und wieder verloren hat. Erinnere dich, was uns immer ausgezeichnet hat. Und frage dich, wenn du mehr Beweise brauchst, als den in deiner Hand, warum unsere Großväter Wissen hatten, dass ihrer Zeit voraus war. Wann immer du zweifelst, frage dich, warum die Menschen Inspiration häufig als göttliche Eingabe, als von Außen kommend beschrieben haben...
 Ja... ich sehe in deinen Augen, dass du begreifst. Du magst es immer noch nicht glauben, aber du hältst es für möglich. Er nickte und griff meine Hand. Du musst nun gehen. Dein Schicksal erwartet dich.
Ich widersprach. Natürlich kannst du gehen! Du musst deinem Vater nicht beim Sterben zusehen! Sei gewiss, dass ich meinen Frieden gefunden habe, und dass ich stolz auf dich bin. Ich weiß nun, warum ich nicht der Erbe war. Und ich habe noch eine Rolle zu spielen, eine entscheidende Rolle.

Ich drückte ein letztes Mal die Hand meines Vaters. Dann erhob ich mich aus meiner neben dem Bett knienden Position und trat zur Tür. Dort drehte ich mich ein letztes Mal zu ihm um.
Habe keine Angst vor dem, was vor dir liegt, mein Sohn. Du wirst dein Schicksal erkennen, wenn es dir begegnet. Fürchte es nicht. Und fürchte nicht um mich und deine Mutter. Wir sind stolz auf dich. Das waren wir immer.
Ich nickte ihm zur Bestätigung zu, wollte nicht, dass er meine Unsicherheit noch einmal bemerken würde. Dass sie das Letzte sein könnte, was er von mir sehen würde.
„Vater, ich liebe dich.“

***

Gerade noch rechtzeitig hatte ich das Schwert in meinem Seesack verschwinden lassen, als meine Mutter hinter mir erschien.
Leise erkundigte sie sich, wie es meinem Vater ging.
„Er schläft,“ gab ich zur Antwort. „und du solltest auch ein Wenig schlafen.“
Sie lächelte warm und musterte ihren Sohn, sie hatte mich ebenfalls lange nicht gesehen. „Ich weiß.“
Ich ließ ihr noch einige Sekunden um mich anzusehen, dann nahm ich sie in den Arm.
„Hallo Mutter.“ Sie reichte mir gerade bis zur Schulter.
Sie wirkte beinahe abwesend. „Manchmal frage ich mich, wie ich es geschafft habe, dich zur Welt zu bringen... du warst ein sehr großes Kind, weißt du.“ Ich zog die Brauen kraus.
„Naja, ihr habt mir erzählt, dass ich bereits Haare...“
„Der Arzt meinte, du wärst bereits so weit entwickelt gewesen, wie andere Kinder drei Monate nach der Geburt.“ Sie strich mir durch mein Haar, das noch immer militärisch kurz war. „Ich wusste schon immer, dass du etwas Besonderes bist.“
Ich löste mich von ihr und führte sie zurück ins Wohnzimmer, wo sie bis eben geschlafen hatte. „Wo ist Terese?“ Meine Tante war nicht da.
„Sie wird noch etwas einkaufen gegangen sein. Dein Vater hat darum gebeten. Er will, dass du etwas Proviant dabei hast.“
Ich schaute erneut irritiert.
„Glaubst du etwa, er hat nichts erzählt? Ich weiß, was er dir erzählt hat. Und ich glaube ihm. Ich liebe ihn zu lange, um anzunehmen, dass er spinnt, auch, wenn das, was er sagt verwunderlich klingen mag. Aber die Dinge passen einfach zusammen...“ Sie zitterte leicht und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Wir werden allen sagen, dass dein Vater dich regelrecht aus dem Haus gejagt hat, damit du deine Reise wie geplant antreten kannst. Wenn dein Vater Recht hat, werden wir schon einen Grund finden, aus dem du verschollen bist...“ Ihre Stimme brach. „Und wenn nicht, lass mich nicht allein, bitte...“

***

Der Abschied von meiner Mutter war irgendwie unwirklich gewesen. Sie vertraute auf das, was mein Vater sagte, doch ihr fehlte seine Überzeugung. Aber sie wollte glauben.

Meine Tante war ein anderer Fall. Ihr zu erklären, warum ich gehen wollte, obwohl mein Vater sterbenskrank war, wäre sehr schwer geworden. Deshalb hatte ich ihre Rückkehr nicht abgewartet sondern war alsbald aufgebrochen. Das Haus meiner Eltern lag am Rande des Dorfes. Einige Kilometer bergan lag im Süden des Dorfes der Staudamm, der den See auf einer Seite begrenzte. Umrahmt in den übrigen Richtungen wurde er von dichtem Mischwald. Tannen, Ahorn, Birke...
Und ein gutes Stück im Wald am Ostufer des Stausees lag mein Ziel. Ich bin nicht sicher, was meine Füße dorthin lenkte. Es mag die seltsame Magie des Ortes sein. Vielleicht war es auch einfach ein Echo einer Erinnerung, dort hatte ich einmal mit einem Freund gespielt. Es war das einzige Mal gewesen, dass wir je Rucksäcke voll mit Spielzeug dort hoch mitgenommen hatten.
Oder es war einfach die Tatsache, dass ich nicht erwartete, dort um diese Zeit noch eine Menschenseele auch nur in Hörweite vorzufinden. Wenn das Schwert, das ich in meinem Seesack versteckt zwischen meinem Reisegepäck mit mir trug nämlich nicht das war, was mein Vater behauptete, wenn all das doch nur ein riesiger Irrtum sein würde...

Der Hexenfelsen ist ein großer Block aus Quarzverbindungen. Quarz ist nicht ungewöhnlich in dieser Gegend, was ungewöhnlich ist, ist die Tatsache, dass der Stein, immerhin drei Meter hoch und breit und weitere neun Meter lang, genau auf dem höchsten der Hügel der Umgebung liegt. Und dieser Hügel eben nicht aus Quarzgestein besteht.
Die lokalen Geschichten dazu reihen sich ein in die Mythen und Legenden der Region. Wo Hexen auf jedem zweiten Gipfel an Walpurgis tanzen, da schleppen sie vermutlich auch Steine von einem Ufer eines Sees zum anderen. Manche behaupten auch, der Stein sei vom Himmel gefallen...
Und einige wenige behaupten sogar, der Teufel sei mit dem Stein vom Himmel gefallen.

Je näher ich dem Felsen kam, desto närrischer kam ich mir vor. Wollte ich tatsächlich tun, was ich vorhatte? Ich schüttelte den Kopf, um den Zweifel zu vertreiben. Man muss nicht alles verstehen. Wie verrückt wäre wohl damals jemand erschienen, der sich einen Taschenrechner ans Ohr gehalten hätte und so getan, als telefoniere er mit jemandem? Heute war das schließlich üblich...
Ich erreichte den Stein und warf ohne zu überlegen den Seesack hinauf, bevor ich mich selbst daran machte, hinauf zu klettern. Täuschte ich mich oder leuchtete der Stein von innen? Oben angekommen schaute ich zum Himmel. Sternklare Nacht und Vollmond. Das erklärte meinen Eindruck, der Stein leuchte... Ich sah mich um, atmete durch den weit geöffneten Mund, um kein Geräusch zu verursachen. Kein Geräusch, weder menschlichen noch tierischen Ursprungs. Es war sogar Windstill...
Ursprünglich hatte ich vorgehabt, mich von meiner Position auf dem Felsen herab zu versichern, dass mich wirklich niemand würde hören können. Aus irgendeinem Grund heraus warf ich meine Bedenken über Bord. Ich öffnete meinen Seesack und holte das Schwert hervor. Die Waffe schimmerte magisch im Mondlicht. Zum ersten Mal betrachtete ich sie wirklich. Sie war genau so geformt, wie ich sie in Erinnerung hatte. Nur eben so groß, dass ich sie mit beiden Händen führen konnte, statt sie einer Spielzeugfigur in die Hand zu legen...
Einen Augenblick folgte ich der Reflexion des Mondlichtes auf den Linien des Schwertes. War das die Waffe, von der ich in meiner Kindheit immer geträumt hatte?
Es gab nur einen Weg, es herauszufinden.
Wollte ich das wirklich? Vermutlich würde ich in wenigen Sekunden über mich selbst lachen, weil ich es tatsächlich in Erwägung gezogen habe...
Mein Vater glaubte daran. Mein Großvater, dessen Großvater und wer weiß, wie viele meiner Vorfahren glaubten daran. Hatten, weit genug zurück sogar Beweise gesehen. Hatten IHN gekannt...
Hatte es IHN überhaupt gegeben? Und wenn, hatte er wirklich einen Sohn gezeugt, dessen Kindeskinder Kindeskinder mich gezeugt hatten? MICH?

Ich streckte das Schwert gen Himmel. Leuchtete der Stein unter mir auf?
„Bei der“
Nein, der Stein leuchtete nicht auf, Quatsch!
„Macht“
Ein Knacken, Scharren, wie von einem Stiefel auf Kies? Mache ich mich gerade Lächerlich?
„von“
Ich hatte das Gefühl, plötzlich gleichzeitig hier zu stehen und mir gegenüber. War da noch jemand? Ja, da war jemand! Ich selbst, aber meiner selbst nicht bewusst. Abgemagert... ein Fremder. „Grayskull.“
Knochig. Kalt. Leblos. Böse. Das war nicht ich, aber er hielt das selbe Schwert in Händen, obwohl er mir gegenüber stand und schallen lachte. Wie konnten wir ein und das selbe Schwert in Händen halten und und gleichzeitig drei Meter entfernt gegenüberstehen? Das Schwert, es... zerriss?
Nein, das durfte nicht sein! Ich musste es verhindern! Ich kämpfte gegen die Trennung an.

Da war doch gar niemand, ich begann wirklich durchzudrehen! Ich stand hier mitten im Wald, hielt ein Schwert in die Luft und machte einen auf Spielzeugheld! Mehr aus Impuls sprach ich die Floskel zu Ende.
Im selben Moment fuhr der Blitz auf mich nieder...

„ICH HABE DIE KRAFT!“

Offline archon

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Kapitel 1 - The Seed
« Antwort #24 am: 23.01.2011, 16:50:54 »
Kapitel 1 - The Seed

Ich erwachte... hatte ich geschlafen? Wo war ich?
Langsam kämpfte ich die Schatten aus meinem Bewußtsein, begriff, dass ich auf beiden Beinen stand. Was war das für ein Gefühl in meiner Hand, so anders als das Gefühl, welches den Rest meines Körpers umgab... Hitze!
Etwas glühte in meiner Hand! Heiß wie Feuer und doch ohne mich zu verbrennen, ohne Schmerz zu verursachen. Erschien es mir nur so heiß, weil alles um mich herum so unglaublich kalt war? Warum frohr ich nicht?

Endlich begann ich, wieder etwas zu sehen. Dunkle Schemen in grauem Licht. Worauf stand ich?
Langsam senkte ich meinen Blick, als würde ich mir hinterher schauen, wie ich mir hinterher schaue...
Meine Füße waren nackt, standen auf heißem Boden, an vielen Stellen, kreisförmig mich umgebend kleine Brände. Mehr noch als die Tatsache, dass ich in einem kleinen, aber nicht zu leugnenden Krater stand, überraschte mich die Tatsache, dass ich ebenso nackt war, wie meine Füße...

Die Schemen zogen sich immer weiter zurück, das graue Licht verwandelte sich in hellen Sonnenschein. Verwirrt blickte ich mich um, während meine Augen immer klarer wurden. Was mich umgab war die Lichtung im Wald! Nur der Felsen war verschwunden. War er explodiert? Es musste so sein! Das würde den Krater erklären. Aber warum hatte ich dann... überlebt? Die Erinnerung kam zurück. Der Blitz!
Hatte er den Felsen gewissermaßen gezündet? Die Brände drängten sich in mein Bewußtsein. Wo waren meine Sachen? Gehetzt sah ich mich um, fand jedoch nichts Brauchbares. Dann bemerkte ich ein Funkeln am Rande des Kraters. Ich eilte draufzu, vielleicht fünf Schritte, dann hatte ich das Ding erreicht. Es handelte sich um das einzige Ding in meinem Besitz, das mich, abgesehen von meinen Papieren würde identifizieren können.

Meine Hundemarke. Ich weiß nicht, warum ich sie nach Beendigung meiner Dienstzeit immernoch bei mir getragen hatte. Was mich aber im Augenblick mehr beschäftigte, war die Tatsache, dass ich hier nackt in Mitten eines frischen Kraters von gut zehn Metern Durchmesser stand, ein immernoch ungewöhnlich heißes, wenn auch nicht mehr glühendes Schwert in der Rechten und meine von großer Hitze geschwärzte Erkennungsmarke in der Linken - meiner Erkennungsmarke, die ganz im Innern meines Seesacks gesteckt hatte, zusammen mit meinen Papieren in einer kleinen Mappe, eingerollt in meinen Schlafsack!
Dann drängte sich mir ein weiterer Gedanke ins Bewußtsein. Ich stand hier nackt auf einer Lichtung, welche bekannt dafür war, dass mitten auf ihr ein gewaltiger Felsen lag, welcher sich aus ungeklärten Gründen in einen von kleinen Feuern durchzogenen Krater verwandelt hatte... und wo Feuer ist, ist auch Rauch!
Ich sah mich noch einmal gründlich um. So gründlich es geht, wenn man von plötzlicher Eile durchzuckt wird. Dann warf ich mich herum und fiel in einen lockeren Sprint. Ich durfte mich nicht verausgaben, musste aber schnell fort. Wer konnte wissen, wann wer auch immer das Feuer bemerken würde... und ich wollte nicht erklären müssen, was ich nackt und mit einem Schwert in der Hand mitten im Zentrum des Feuers zu suchen hatte.

Mit langen Schritten hielt ich auf den See zu. Es mochte sein, dass ich - barfuß oder nicht - Spuren hinterlies. Am Ufer würde sich das Problem lösen, der See besaß einen Strand aus Schiefergestein. Es würde unangenehm werden, darauf zu laufen, aber es würde keine Fußspuren geben. Nach einer Weile stockte ich. Hätte nicht längst der Uferweg kommen müssen, dann die Böschung und schließlich der Strand? Warum stieg das Gelände an, statt abzufallen? War ich am Ende in die falsche Richtung gelaufen? Ich blieb stehen und sah mich um, zum Himmel. Wo war die Sonne, an deren Stand müsste man doch die Himmelsrichtung erkennen können...
Was waren das überhaupt für Bäume? Der Mischwald hatte eine ungefähre Baumhöhe von zwanzig, vielleicht dreißig Metern gehabt, aber diese Bäume... sie waren gigantisch! durch ihr Blätterdach drang zwar Licht, aber erst jetzt wurde mir bewußt, dass dieses abseits der Lichtung nur indirekt war. Wo war ich?

Es mussten Stunden vergangen sein. Und es war offenbar früher Morgen gewesen, als ich vom Krater aufgebrochen war. Ich hatte mich entschieden weiter in die eingeschlagene Richtung zu gehen und im Laufe der Zeit war es erst noch etwas heller geworden. Mittlerweile schien das Licht über den Wipfeln der Bäume langsam zu schwinden. Dafür konnte ich seit einer Weile immer öffter Fragmente des Himmels durch das Blätterdach sehen. Die Bäume schienen kleiner und weniger zu werden.
Ich schritt in ordentlichem Marschtempo drein, so gut es ging mit nackten Füßen auf dem Waldboden. Den Gedanken, das Schwert zu verstecken oder mich mit dem, was der Wald mir bisher geboten hatte, provisorisch zu bedecken hatte ich schnell verworfen. Ich konnte es nicht glauben, aber es wurde mir immer klarer, dass das hier nicht mehr der Wald am See war...
Dafür nagte mittlerweile etwas anderes an mir: Ich hatte mich nicht verändert. So athletisch mein Körper auch gewesen sein mochte, als übermäßig muskulös hatte ich mich nie empfunden. Dass ich vom Stärksten der Starken abstammen sollte - okay - trotzdem hatte ich erwartet, dass ich mich, naja, hätte verwandeln sollen. Ich hatte das Schwert in den Himmel gestreckt und die Worte gesagt, es war ein Blitz niedergefahren... und statt mich zu verwandeln war der Fels unter mir explodiert und meine Kleidung war verschwunden. Zugegeben, offenbar war alles, was ich bei mir getragen hatte, mit Ausnahme der Erkennungsmarke die mittlerweile um meinen Hals hing zusammen mit dem Felsen verschwunden. Das Ausmaß der Verwüstung im Bereich des Kraters und die Tatsache, dass ich noch einige hundert Meter weiter rauchende Fragmente gefunden hatte, legten Nahe, dass mein Zeug schlicht verbrannt war. Was wiederum die Frage aufwarf, wie ich diese Hitze ohne den leichtesten Sonnenbrand überstanden hatte...
Und was war das für eine Erscheinung gewesen, die ich im Augenblick des Blitzeinschlags wahrgenommen hatte?
Ich weiß nicht, ob es Instinkt war, das Training während meines Militärdienstes oder schlichts Glück gepaart mit guten Reflexen. Als jedenfalls der Pfeil genau an der Stelle einschlug, an der ich eben noch gegangen war, hatte ich keine Zeit mehr, mich mit derartigen Gedanken zu beschäftigen...

Die Situation hätte fast lächerlich wirken können wie ich da stand, das Schwert meiner Ahnen in Abwehrhaltung vor meinem nackten Körper, Auge in Auge mit einem Mann, der vor einer Sekunde auf mich geschossen hatte. Seine Füße steckten in Stiefeln aus leichtem, rötlichem Leder und er trug eine Hose aus dem selben Material. Beides war mit bronzenen Plättchen verstärkt, ebenso wie seine Weste aus einem dunkelbraunen Fell. Stechende blaue Augen glühten unter seinem schwarzen, wilden Haarschopf hervor.
Er rief mich in einer fremden Sprache an, die ich nicht verstand, was ich ihm kopfschüttelnd zu verstehen gab.
„Ich verstehe deine Sprache nicht!“ Seine Augen weiteten sich überrascht, er senkte den Bogen, den er erneut gespannt hatte etwas, bevor er mit gebrochener Sprache antwortete.
„Du... sprechen Sprache von Freunde...“ Seine Stimme war kehlig und er dehnte das Wort „Du“.
Ich nickte heftig. „Genau. Ich bin ein Freund... ich will dir nichts Böses. Vorausgesetzt du schießt nicht nochmal auf mich.“
Er lies den Bogen vollends sinken. „Ich... schlecht sprechen Sprache. Komm!“ Er wandte sich halb zum Gehen. Dann zögerte er. Er griff hinter seinen Rücken, wo neben einem Köcher für seine Pfeile ein leichtes Gepäck seine Schultern belastete, zu dem eine Decke aus kurz geschohrenem Fell gehörte. Er warf sie mir zu und grinste. Dankbar wickelte ich sie mir um die Hüften und folgte ihm in eine ungewisse Zukunft.

Wir waren lange unterwegs, mein neuer Freund und ich. Bis weit in die Nacht hinein führte er mich mit traumwandlerischer Sicherheit aus dem Wald. In dieser Zeit sprachen wir kaum ein Wort, ich nutzte jedoch die Gelegenheit, ihn eingehender zu betrachten. Der Mann war einen knappen Kopf kleiner als ich und schmaler. Trotzdem wirkte er weder klein noch schwach. Im Grunde war er sogar zäh und kräftig... Am Waldrand angekommen hielten wir an.
„Du... rasten?“ Ich fühlte nicht das geringste Anzeichen von Erschöpfung, aber ich nickte.
„Wir beide sollten etwas ruhen, mein Freund...?“ Ich dehnte das letzte Wort zu einer Frage. Er verstand und rammte den Daumen gegen die Brust.
„Ich Gulm!“ Dann deutete er auf mich. „Du?“
Beinahe hätte ich ihm meinen Namen gesagt. Dann zögerte ich. Sollte ich meinen Namen nennen? Sollte ich mir einen anderen geben? Hatte ich mich verwandelt? Würde ich es noch tun? Dann kam mir eine Idee.
Ich schüttelte verwirrt den Kopf. „Ich... weiß es nicht... ich... habe vergessen, wer ich bin.“
Gulm nickte verständnisvoll. „Amaa wird helfen...“ Er setzte sich gegen einen Baum.
„Amaa?“ Ich ließ mich ins Moos fallen. Es war nicht sonderlich warm, aber ich hatte noch immer nicht das Gefühl zu frieren. Ebenso wenig, wie mich der glimmende Boden des Kraters hatte verletzen können. Meine Fußsohlen waren mittlerweile wund, aber ich war auch viele Kilometer gelaufen. Nachdem ich inmitten eines schwelenden Kraters gestanden hatte.
„Amaa!“ Er überlegte. „Hexe!“

Wir saßen eine Weile schweigend beisammen. Dann begriff ich, dass mein Begleiter sich keinen Schlaf gönnen wollte, damit ich schlafen konnte. Ich versuchte ihn zu überreden, statt meiner zu schlafen, denn ich war immer noch kein Bisschen erschöpft. Schließlich musste ich aber einsehen, dass er sich darauf nicht einlassen würde. Nicht, weil er mir nicht traute, er schien mich als Gast zu betrachten, den es zu schützen galt.
Aus Höflichkeit schließlich rollte ich mich auf dem Moos zusammen und tat, als würde ich eine Weile schlafen.

Als der Morgen graute reckte ich mich und setzte mich auf. Mein Beschützer saß immer noch wachsam an seinem Baum. Als ich mich aufrichtete, erhob er sich.
„Du wach. Wir gehen.“
Froh, dass es weiterging, stand ich schnell auf und folgte ihm.

„Das Zuhaus!“ Erklärte Gulm. „Ist Ruine von alte Festung. Ist Symbol für Frieden zwischen Clans.“ Meine Augen weiteten sich. Sollte das...? Ich verbarg mein Erschrecken schnell wieder. Ich hatte ja mein Gedächtnis verloren.
Wir standen auf einer Hügelkuppe und blickten auf eine kleine Stadt am Ende des Tals. Einfache Hütten standen im Schatten der Ruine einer alten Festung. Der Bereich in dem sich einmal das Tor befunden haben musste war vollkommen eingestürzt. Und doch, wenn ich mir an Stelle des strahlend blauen Himmels einen Gewittersturm vorstellte... ein Schauder lief meinen Rücken hinab.
„Nennen Fistopolis.“ Erstaunt hob ich eine Augenbraue, froh, dass Gulm sich bereits in Bewegung gesetzt hatte und meine Reaktion nicht sehen konnte.

Als wir Fistopolis betraten eröffnete sich mir eine Siedlung von vielleicht fünfhundert Einwohnern. Die Menschen waren durchgehend von in etwa Gulms Größe und Proportionen. Sie kleideten sich einfach, Felle, einfache, raue Stoffe. Hier und da Metalle. Im Vorbeigehen erkannte ich, dass es in Fistopolis keinen Strom zu geben schien, dafür brannten verschiedene Feuer, je nach dem, zu welchem Zweck ihre Energie benötigt wurde kleiner oder größer.
Konnte das sein? Waren die Bewohner dieses Ortes tatsächlich auf solch primitivem technischen Stand? Oder übten sie sich vielleicht in Verzicht?
Gulm führte mich, vorbei an immer mehr mich neugierig musternden Menschen immer weiter auf die Ruine zu. Man begegnete mir weder unfreundlich, noch misstrauisch. Ich bot einfach eine kleine Sensation, der Große Mann, der barfüßig nur mit einer Decke bekleidet in ihre Stadt kam, ein Schwert in der Hand und ein schwärzliches und doch glänzendes Amulett um den Hals.
Und dann sah ich sie. „Amaa...“ Gulm und ich sprachen wie aus einem Mund.

"Willkommen, Krieger..." Sprach sie mich in meiner eigenen, der "Sprache der Freunde" wie Gulm sie genannt hatte, an. Sie war alt. Älter noch als jede Frau, die ich jemals zuvor gesehen hatte. Ihre früher wohl einmal hochgewachsene Gestalt war in sich zusammengesunken und sie stand, schwer auf einen von einer faustgroßen Kristallkugel gekrönten Stab gestützt, doch Kraft und Würde ausstrahlend vor uns auf der obersten von drei Stufen, welche einmal ins Hauptgebäude der Festung geführt haben mochten, in deren Ruinen Fistopolis gewachsen war. Ihre Haut wies eine schwach gelbliche Färbung auf und ihre Stimme klang warm und rauchig. Das lange Haar viel ihr strähnig und dünn bis hinab zu den Hüften, ihre Kopfhaut schimmerte deutlich sichtbar durch das weissgräuliche Gewirr...
"Ich hatte schon beinahe den Glauben an deine Ankunft verloren." Ihre Augen funkelten hungrig. Und doch irgendwie befreit.
"Ihr habt mich erwartet?" fragte ich gleichermaßen gespielt wie auch wirklich verwirrt.
Sie grinste wissend und fragend zugleich. "So ist es. Die Geister haben von deinem Kommen gesungen. Komm." Sie schaute zu meinem Begleiter. "Warte hier."
Dann drehte sie sich herum und stieg die einzelne Stufe wieder hinauf, die sie mir entgegengekommen war. Ich folgte ihr.

Der Platz, nun, es mochte zu anderer Zeit ein Thronsaal gewesen sein, war gesäumt von verschiedenen Zelten und Hütten. Deutlich war zu erkennen, dass die Mauern der Festung an vielen Stellen zu Gunsten des Baus solider Behausungen gelitten hatten. Ich wagte immer weniger zu glauben, dass dies der Ort gewesen sein mochte.
Die Amaa, die Hexe, führte mich auf ein größeres Zelt aus einem eigenartig lebendig scheinenden braunen Leder zu.
"Du brauchst zunächst etwas Kleidung," stellte sie fest, "danach reden wir."
Ich stellte trotzdem die Fragen, die mir am Dringlichsten auf der Seele brannten. "Meinen Namen habe ich abgelegt, als ich die Amaa des Stammes der Eisenmenschen wurde und die Zeit hat ihn längst vergessen." Ihre Antwort war im Grunde keine. "Was deine anderen Fragen betrifft, bitte ich dich mit ihnen zu warten, bis die Zeit gekommen ist, so wie ich dir keine Fragen stellen werde."
Wir erreichten das Zelt und eine breit gebaute Frau mit auffallend rotbraunem Haar ließ uns hinein, indem sie uns den Zeltvorhang hielt. Die Amaa sprach ein paar Sätze zu ihr in einer eigenartig an tierlaute erinnernden Sprache, während ich die Frau näher betrachtete. Ihr Körperbau erinnerte mich irgendwie an ein Fass auf Beinen, ihr Gesiicht war kantig, erinnerte mich beinahe an einen Affen. Gekleidet war sie in graue Felle und Leder. "Kurhah wird dir etwas geben, das dich mehr bekleiden wird, als Decke."

Schmunzelnd stand ich schließlich wieder vor dem Zelt und folgte der Amaa hinüber zu einer etwas  windschiefen Holzhütte, die den Eindruck erweckte, dass sie nur stand, weil sie gegen die Außenmauer der Festung stieß. Kurah hatte meine Decke nicht nur behalten, sondern sie mir im Grunde vom Leib gezogen, als sie mir im Austausch einen Schurz aus zottigem Fell gab sowie STiefel aus ähnlichem, aber kürzerem Material. Nicht, dass ich mir nackt vorkam, aber wirklich bekleidet fühlte ich mich auch nicht, wenn ich mich so umsah. Aber ich beschwerte mich nicht. Ich war mittellos in diese Welt gekommen, ich konnte also kaum erwarten, wie ein König gekleidet zu werden. In solchen Dingen musste man realistisch sein.
Im Gehen hatte Kurah sich meiner erbarmt und mir noch eine lederne Schärpe übergeben, welche nun um meine Brust gebunden das Schwert auf meinem Rücken hielt.
"Ich bringe dich nun in das Heiligtum, dort..." Der schrille Schrei eines Mädchens unterbrach sie. Mein Kopf ruckte herum und mein Instinkt übernahm. Ich ließ die alte Hexe stehen und folgte dem verzweifelten Schrei, indem ich meinen Körper herum warf und unter Zuhilfenahme eines vor einer Hütte stehenden Tischs und dem Rücken eines Tiers, das einen Karren zog, über die Festungsmauer sprang.

Auf der anderen Seite fanden sich bereits die Leute der Umgebung ein um zu sehen, was los war. Gulm war unter ihnen. Er hörte nur ein, zwei Sätze lang dem schreienden Mädchen zu, dann warf er mir einen auffordernden Blick zu und wir rannten gemeinsam in die von ihm gewiesene Richtung.

***

Wenn man etwas von dem Wesen, das vor uns flüchtete sagen konnte, dann, dass es verflucht geschmeidig war. Es floh auf direktem Weg ins Unterholz des nahen Waldes. Doch wo die Pflanzen des Waldes Gulm und auch mich immer mehr aufhielten, obwohl wir ohne Rücksicht auf die Schrürfungen und Kratzer, die Zweige und Dornen auf unserer Haut hinterließen ebenfalls querfeldein preschten, schlängelte der Verfolgte sich beinahe ungehindert um jedes Hindernis, bis wir ihn schließlich verloren, als Gulm im Gestrüpp hängen blieb. Beinahe wäre ich seiner Aufforderung "Rette Kind!" nachgekommen, aber dann vernahm ich von über uns ein Geräusch.
Eine Mischung aus Knurren und zerplatzenden, zähflüssigen Blasen von sich gebend, senkte sich aus den Bäumen etwas auf den feststeckenden Gulm herab und dies war die unmittelbarere Bedrohung. Der Angreifer war groß, sehr groß. Ich hätte ihn als Anemone beschrieben, wenn er nicht so deutlich über Unmengen von widerhakenbewährten Reißzähnen und Augen an den Tentakeln gehabt hätte. Das Schwert längst in der Hand, um mir meinen Weg durch das Gestrüp zu bahnen, konfrontierte ich den Gegner, der sich umgehend vom verzweifelt an den dornengespickten Zweigen seines lebenden Gefängnisses riss, um loszukommen, mir zuwandte.
Im vollen Sturmlauf schoß mir kurz durch den Kopf, den Ruf auszustoßen, doch ich entschied mich unmittelbar, bevor ich und das Ungeheuer zusammenprallten, dagegen.

Wild brüllend schlug ich mit dem Schwert auf das Monster ein, das seinerseits wütend gurgelnd mir seine Tentakeln entgegenwarf, zwischen denen ich zwar nichts wie ein Maul aber jede Menge Knochen und skeletierte Schädel von mindestens vier verschiedenen Wesen unter einer dünnen, orangenen, zähflüssigen Massee ausmachte, die die gesamte Oberfläche der Bestie zu bedecken schien und auf meiner Haut brannte, wie Feuer, wo sie sie berührte.
Tentakel um Tentakel schlug ich ab und die Reißzähne auf den Tentakeln rissen mir ihrerseits manche Wunde, da ich gewissermaßen mit mehreren Gegnern zugleich kämpfend nicht jede Attacke abwehren konnte. Gulm hatte sich mittlerweile weit genug befreit, um seinen Bogen zum Einsatz bringen zu können. Sein warnender Ruf jedoch kam zu spät, als ich alles auf eine Karte setzte und mich der Wurzel des Übels entgegen warf genau in dem Moment, als er den Pfeil von der Sehne ließ...
Ich hatte alles auf eine Karte gesetzt und mich an den Tentakeln vorbei auf den Körper des Monstrums geworfen, das Schwert zu einem mächtigen Schlag erhoben, welcher beinahe bis zur Hälfte durchdrang, bevor es auf einen Widerstand wie von Knochen traf und stoppte. In diesem Moment schlug der Pfeil in den Rücken der Bestie und explodierte, wobei der das Ziel von innen heraus zerfetzte.

***

Kaum war der Kampf vorbei wurde ich mir der Schmerzen bewußt, die die Verdauungssekrete des Monsters auf meiner Haut und in meinen Wunden verursachten. Ich kämpfte, gestärkt von der Euphorie des Sieges, dagegen an, indem ich einen lauten, unbändigen Siegesschrei ausstieß. Gulm hatte sich derweil vollends befreit und stürmte auf mich zu. Sein Gesicht war von Sorge verzerrt, als er mich erreichte und auf den Boden riss. Sofort begann er, unverständlich auf mich einbrüllend, meinen Körper mit Erde vom Waldboden zu beschmieren. Es dauerte eine Weile, bis die Verwirrung der Erkenntnis wich, dass die beschmutzten Stellen meiner Haut nicht mehr brannten und ich begann, mich ebenfalls mit Erde abzureiben. Der Dreck in meinen Wunden würde sich später sicherlich noch rächen, aber ich musste die Schmerzen los werden.
"Du hätten mich zurücklassen sollen," brummte Gulm schließlich, als das Brennen nachließ und wir schwer atmend im Dreck hockten, "Schlangenmensch nun über alle Flüsse."
Ich nickte betroffen. "Ein Schlangenmensch? Gulm, du warst in unmittelbarer Gefahr, aber vielleicht finden wir ihn ja noch?"
"Er vom Clan des Schlangenfürsten, wir nicht finden, wir wissen, wohin er gegangen mit Kind." Er sah mich besorgt an. "Aber zuerst Amaa versorgen deine Wunden."
Er erhob sich und reichte mir seine Hand, um mich aufzurichten. Ich benötigte seine Hilfe tatsächlich, fühlte mich matt.
Mich auf ihn stützend hinkte ich zurück in die Richtung aus der wir gekommen waren. "Wir werden das Kind zurückholen, Gulm. Das verspreche ich dir!" Sein beherzter Griff verhinderte, dass ich stürzte, als meine Knie einzubrechen drohten. "Was für ein Monster haben wir da überhaupt erledigt?"
"Es Baumfischer. Töten Tiere, Menschen, essen ganz langsam mit giftige Spucke oben im Baum... du gerettet mein Leben." Ich spürte, dass meine Knie immer weicher wurden.
"Sieht so aus, als würdest du gerade das meine retten, mein Freund..."
Was er antwortete, hörte ich nicht mehr, denn mir wurde schwarz vor Augen...
« Letzte Änderung: 23.01.2011, 20:46:48 von archon »

Offline archon

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Zwischenspiel 1
« Antwort #25 am: 23.01.2011, 18:08:58 »
Zwischenspiel

Es wird dir eine Lehre sein. sagte mein Vater.

Blutroter Sand, der sich in alle Richtungen bis zum Horizont ausstreckte, wo er nahtlos in den blutroten Himmel überging. Einer verborgenen Quelle entspringender Schmerz, still anschwellend. Aufbruch in eine willkürliche Richtung. Ein unendlich kurzer, äonenlanger Augenblick, in denen der Damm bricht. Der Schmerz, der explodiert, während der Riss wächst...

Ein winziger schwarzer Fleck am blotroten Horizont. Ein Bezugspunkt. Gleißender Schmerz, der darin liegt. Stetes Wachstum des Verfalls.

Ein unmenschlicher Schrei aus der Kehle der Vernichtung. Die Fledermaus.

Offline ChosenOne1982

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #26 am: 23.01.2011, 18:29:17 »
Bisher großes Lob, sehr spannende Story, aber irgendwie komm ich bissi durcheinander wegen den kommentaren usw...und dann die links zu dem prolog, kapitel usw...bisher gibts doch nur den Prolog und das 1. Kapitel und "Zwischenspiel".......oder?

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #27 am: 23.01.2011, 18:57:55 »
Exakt. Wegen der Unübersichtlichkeit habe ich mich entscjlossen, in den Ersten Post nur Aktuelles und die Links zu den Kapiteln zu schreiben. Kapitel 2 startet heute Abend noch, ich schreibe in diesen Minuten daran...

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Kapitel 2 - The Germination
« Antwort #28 am: 23.01.2011, 22:57:40 »
Ich schreckte hoch! Dunkelheit umgab mich, Dunkelheit und das Gefühl Kühlenden, feuchten Stoffs über Stirn und Augen. Ich hob die Hand, um die Auflage zu entfernen, doch jemand ergriff mein Handgelenk.
"Ruhig." Eine junge Stimme. Weiblich...
Ich stammelte mit schwerer Zunge.
"Schschsch... du bist noch geschwächt. Das Gift des Baumfischers lähmt den Körper aber verleiht dem geist Flügel, sagen die Weisen. Und du hast eine unglaubliche Menge davon abbekommen. Versuche, noch etwas zu schlafen..." Ob es das Gift war, das immernoch in meinen Adern kreiste oder sie einen Zauber gebrauchte, mein Körper gehorchte ihr augenblicklich und ich glitt hinüber in traumlose Tiefen.

Als ich zu mir kam, war das Tuch von meinen Augen verschwunden. Mich umgab ein angenehm warmes Halbdunkel. Ich spürte, dass ich nicht allein war, konnnte jedoch aus den Augenwinkeln niemanden ausmachen. Immernoch angenehm schwer erschien mir die Anstrengung, meinen Kopf zu drehen als so übermenschlich, dass ich es verwarf, mich umzusehen. Stattdessen schloss ich die Augen wieder und fühlte meinen Körper schwer auf dem Lager liegen...
Es handelte dich um eine Unterlage aus Fellen, gleichzeitig hart und doch angenehm. Ein etwas muffiger Geruch stieg mir in die Nase. Wanzen vermutlich. Am Rande nahm ich zur Kenntnis, dass das Fell meinen Körper überall streichelte. Man hatte mich also nackt auf das Lager gelegt... auch der Brustgurt war verschwunden, nur meine Hundemarke...
Das Schwert! Der Gedanke explodierte in meinem Kopf.

Adrenalin durchzuckte meinen Körper und ich richtete mich ruckartig auf. Das Fell, welches über mich gebreitet war rutschte herab und ich erkannte die frischen Narben. Es waren ettliche. Langsam drehte ich die Beine aus dem Bett, dabei fiel mein Blick auf sie.

"Amaa.", nahm ich ihre Anwesenheit zur Kenntnis. Sie saß in einer Ecke der Hütte an die Wand gelehnt auf einem groben Holzschemel. Sie schien mich nicht zu bemerken, starrte beinahe manisch auf mein Schwert, welches quer über ihren Knien ruhte. Dann sprach sie doch. Versonnen.
"Dieses Schwert ist wirklich fasziniertend..."
Ich stand auf, unbeholfen. "Es gehört mir!"
Sie fixierte mich, ihre Augen waren plötzlich glühende Kohlen. "Und es ist wichtig, dass es das bleibt! Ich versuche nicht, dich zu berauben!" Ihre Mine hellte sich auf.
"Aber ich weiss, wer du bist, D'Vann."
Ich blickte sie verwirrt auf wackligen Beinen an. "D'Vann?!"

Der Name traf mich wie eine Peitsche. Einen unendlichen Augenblick starrte ich sie fassungslos an, nicht wissend, was ich sagen sollte.
Als ich endlich ansetzte, etwas zu entgegnen, kam sie mir zuvor.
"Die Erinnerung kehrt zurück, nicht wahr?" Ich schüttelte den Kopf, wie um Spinnweben abzuwerfen. Vergebens.
"Ich, ich weiss es nicht..." log ich nur halb. "Woher kennst du meinen... diesen Namen...?"
Ihr Blick wurde mitfühlend. "Rätselhafte Klarheit umgibt dich, D'vann. Dein Kommen wurde prophezeit - und angekündigt, das ist sicher." Sie hob ihre Hand und strich über meine Wange. "Rätselhaft sind die Umstände, wie du zu uns gekommen bist - ein König, ohne Gefolge, nackt bis auf eine bloße Decke."
Meine Verwirrung wuchs. "König? Ich?"
"So sagt es die Pophezeiung. Der Sohn eines Königs ist ein König, oder? Und ein eben solcher wird kommen und die Stämme einen. Deshalb nannte ich dich D'vann. Es bedeutet König in der Sprache der Stämme des Nordens. Als Gulm dich fand, warst du auf dem Weg gen Süden..." Ihr Blick wanderte an mir herab. "Vielleicht solltest du dich wieder bekleiden, so königlich dein Anblick auch sein mag für meine alten Augen."
Mir war nicht gerade zum Lachen zu Mute und doch nahm ich ihren spröden Witz zur Kenntnis, während ich in die Fellhosen stieg, die zusammen mit meinem Brustgurt auf einem Schrank in der Ecke lagen. Darunter fand ich meine Stiefel. "Kein Wunder, dass du der guten Shalla den Kopf in deiner Ohnmacht verdreht hast," drehte sie den Finger in der Wunde, während ich die Stiefel anzog, "du bist besonders."
"Könntet Ihr die Güte haben und damit aufhören, mir Honig auf die Seele zu streichen und mir dabei helfen, die Dinge zu sortieren?" Ich war ungehalten mittlerweile, als ich das Schwert in den Brustgurt steckte. "Zaub... Amaa, ich bin seid ich weiss nicht, wie lange bei Euch und in meinem Kopf tauchen immer mehr Fragen auf! Was ist mit dem Kind, das dieser... Schlangenmensch entführt hat? Wir müssen es retten!"
Traurig schüttelte sie den Kopf. "Dura's Kind ist für immer verloren. Der Schlangenkönig macht keine Gefangenen, er gewinnt an Macht mit jedem Opfer, das er verschlingt..."
"Er verschlingt sie? Und niemand tut etwas dagegen?!"
"Hin und wieder machen sich ein paar Krieger auf, um die Schlangen zu jagen. Aber mehr als ein paar Einzelne aufzubringen gelingt ihnen nie, wohl auch, weil ihre Schlagkraft nie groß genug ist, um gegen den Schlangenkönig selbst loszuschlagen... allerdings..." Sie brach ab.
"Allerdings?" Ich versuchte, sie zum Weiterreden zu bringen.
Sie schüttelte wieder den Kopf auf diese bestimmte Weise, die zeigte, dass sie noch nicht bereit zum Sprechen war. "Folge mir..."
Ich verdrehte die Augen...

Schweigend schritt ich neben ihr her, während sie mich aus der Hütte und durch die Gassen Fistopolis' führte. Sie machte keine Anstalten, zu sprechen und ich ärgerte mich zu sehr über ihre bestenfalls kryptischen Äußerungen. Wer war diese Frau und vor allem, was wusste sie - oder wusste sie nicht?
Schließlich erreichten wir ein Gebäude, das als Teil der ursprünglichen Festungsanlage erstaunlich gut erhalten war. Es schien eine Art kleiner Tempel zu sein, der Schrein der Anlage vielleicht.
Ein schweres, Eisen beschlagenes Holztor hing halb geöffnet in seinen Angeln. Die Amaa trat hindurch, offenbar vollkommen sicher, dass ich ihr weiter folgen würde. Das tat ich auch.

Das Innere des Schreins lag im Halbdunkel, abgesehen vom Licht, das durch das mannbreit geöffnete Tor fiel, nur vom Schein mehrerer Kohleschalen erhellt - blaues Feuer...
"Das hier ist ein Schrein der Ältesten." sprach die Amaa in feierlichem Ton. "Und ich bin die Priesterin." Ein leises Kichern folgte, wie zu sich selbst. "Wer hätte das Gedacht..."

Blutroter Sand, der am Horizont in blutroten Himmel überging. Und schallendes, boshaftes Gelächter...

Ich blinzelte die Vision aus meinem Kopf. Gerade hob die Amaa ihren Stab etwas höher, als sie es zum Gehen tat, woraufhin eine weitere Lichtquelle, die Kugel, welche am oberen Ende der Gehhilfe eingelassen war, leuchtete sanft violett auf und erhellte die Reliefs, welche die Wände über und über bedeckte auf unnatürlich deutliche Weise...
« Letzte Änderung: 16.03.2011, 18:40:57 von archon »

Offline HL

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Re: Masters of the Universe - The eternian Prime
« Antwort #29 am: 25.01.2011, 14:40:34 »
So, habe mir deine Kapitel jetzt auch mal durchgelesen, und ich muss sagen, die Ich-Form ist zwar zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber okay. Dein Schreibstil ist sehr lebendig, man kann sich so richtig ein kleines zusammengeschustertes Dörfchen in einer Burgruine vorstellen.


Nackt im Inneren eines Kraters...irgendwie erinnert mich das an Terminator.   :D
Und diese Amaa, die finde ich auch recht interessant. Bin mal gespannt wie es speziell mit ihr weitergeht.