14. Dezember
Weihnachts-Geschichte!
Am heutigen Tage gibt es für euch den zweiten Teil unserer diesjährigen Weihnachts-Geschichte! Wir bedanken uns herzlich bei Thomas Tippner, der uns diese Geschichte geschrieben hat!
Viel Spaß damit wünscht;
Euer He-man.de-Team!
Bestürzt hatte Randor dagestanden; unfähig zu sagen, wie er sich in diesem Augenblick fühlte oder gar was er dachte. Eine unbeschreibliche Leere war in ihm aufgestiegen und hatte ihn fest umschlungen. Er schluckte, während er einen unsicheren, schwankenden Schritt auf das Bett zu machte, in dem Marlena lag.
Randor schluckte…
Er hörte den Arzt etwas sagen, ohne genau sagen zu können, was dieser von sich gegeben hatte. Es kam ihm vor, als ob sich alles um ihn herum zurückgezogen hatte… Nichts gab es mehr, was ihm in diesen Augenblick zusagte oder gar ermuntert hätte.
All das worauf er sich vorbereitet hatte, was er erledigen wollte, war mit einmal unwichtig und nebensächlich…
Selbst als Adam wieder zu ihm trat, ihn blass und voller Sorge anblickte, konnte der König Eternias sich nicht von dem Anblick seiner Frau lösen, die regungslos und steif unter dem weißen Tuch lag und sich niemals wieder bewegen, sprechen oder ihm sanft durch die Haare fahren sollte.
„Was… was… ist geschehen?“ fragte Randor heiser, als er spürte, wie seine Knie nachzugeben drohten.
„Sie… Hoheit“, stammelte der Arzt, der eine kurze Verbeugung angedeutete und sich dann nervös über die Lippen leckte.
„Bitte, sprecht… Schnell…“
„Wir können nicht sagen, was hier geschehen ist! Die Untersuchungen werden uns genaueres sagen…“
„Die Untersuchungen?“ Randor blinzelte und seufzte schwer.
„Wir werden schonend mit dem Körper Eurer Frau umgehen…“
Für Randor brach eine Welt zusammen und als er sah, wie Adam sich laufenden Schrittes entfernte, fühlte er sich mit einem Mal wie der einsamste Mensch auf dem gesamten Planeten.
Du musst zu mir kommen, Adam, Eternia ist bedroht!
Erst hatte Adam den warnenden Ruf der Zauberin ignorieren wollen; zu sehr hatte ihm die Tatsache zugesetzt, dass seine Mutter von einem Augenblick zum anderen gestorben war; und das sein Vater hilflos und zerbrochen dagestanden hatte, hatte Adam ebenfalls den mentalen Ruf beiseite schieben lassen. Als er dann aber die weitere Botschaft hörte: Eternia hängt an dem Schicksal der Menschen, war ihm nichts anderes mehr übrig geblieben, als sich unverzüglich aus dem Sterbezimmer seiner Mutter zu entfernen.
Nun rannte er in den Flughanger, bestieg einen Wind Raider und raste dann Richtung Castle Grayskull davon!
Mini schüttelte den Kopf, schaute zu dem Weihnachtsmann und war sich nicht sicher, ob sie das, was dieser gerade von sich gegeben hatte, auch wirklich verstanden hatte. Schließlich sprach er davon, dass der Nikolaus sein Bruder war und er diesen seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Das: „ Hä“, rutschte ihr nur heraus und ließ sie gleich beschämt die Flügel zusammen schließen und die Lippen fest aufeinander pressen, dass diese nur noch blasse Striche waren.
Triller hingegen hatte sich besser unter Kontrolle; auch wenn der dickleibige Kobold aufgeregt mit seinen Ohren wackelte, fragte er leise: „ Der Nikolaus ist was?“
„Mein Bruder“, seufzte der Weihnachtsmann und das erste Mal, seit langer Zeit, huschte ein Lächeln über die Lippen des dicklichen Mannes; ein trauriges, aber wenigstens etwas anderes, als eine harte, unnachgiebige Maske, in der man nichts anderes als Trauer lesen konnte: „ Mein einziger!“
„Warum… warum wussten wir nie von ihm?“
„Ich sprach nie sonderlich viel über ihn. Weihnachten hat mich das ganze Jahr über in Atem gehalten.“
„Warum jetzt erst die Trauer?“
Der Weihnachtsmann schaute verwundert zu dem kleinen Kobold, dachte kurz nach und gab innerlich zu, dass er es sich selber bisher noch nicht gefragt hatte, warum er ausgerechnet jetzt an Nikolaus dachte… Schließlich lag ihre letzte Begegnung mehr als vierzig Weihnachten zurück und an diesem Abend hatten sie sich soweit von einander entfernt, wie schon lange nicht mehr.
„Ich weiß es nicht…“
„Ist denn etwas vorgefallen?“
Der Weihnachtsmann nickte kurz, blinzelte und griff wieder nach dem Bild, dass neben seinem Sessel stand: „ Ich habe von ihm geträumt…“
„Ich danke dir, dass du so schnell zu mir gekommen bist, Adam!“ sprach die Zauberin leise, während sie sich in einem neuen Gewand präsentierte; schon damals, als er in das Reich der Magie abgetaucht war, an jenen Ort, an dem Man-E-Faces seine Tochter wieder gefunden hatte, hatte sie sich in Gestalt einer jungen, schönen Frau gezeigt. Sie trug ein Gewand in Form eines Adlerkopfes… An ihren Schultern hingen Flügel herab und in der Hand hielt sie einen leuchtenden, weißen Stab.
„Nachdem Ihr die Menschen erwähntet, war ich mir sicher, dass Ihr etwas über das Schicksal meiner Mutter wisst.“
„Es ist das Tor des Glaubens, welches sich geöffnet hat. Komm… Ich will es dir zeigen!“
Schweren Schrittes folgte Adam der Zauberin, die leichtfüßig, beinah schwebend, durch die magischen Mauern der alten, verwitterten Burg glitt, ihn in einem Raum brachte, in dem die Wirklichkeit zu verschieben drohte. Es war ihm, als er den Raum betrat, aus hohen Höhen in unergründliche Tiefen zu stürzen; und doch gab es unter seinen Füßen einen festen Halt.
„Was ist das?“ fragte er bleiern und schauderte, als er seine Blicke versucht in die Unendlichkeit schweifen zu lassen.
„Das Tor des Glaubens… Einst war es geschlossen, nun ist es offen. Jemand hat es geschafft, sich an dem Glauben der Menschen zu vergreifen und diesen in Form eines lebenden Wesens an sich zu bringen.“
„Und deswegen ist meine Mutter tot zusammengebrochen.“
„Königin Marlena ist nicht tot!“
„Nicht?“ Innerlich atmete Adam auf, wusste aber nicht, was er genau davon halten sollte… Schließlich hatte er sie gesehen, wie sie regungslos und, was am schlimmsten war, leblos in ihrem Bett gelegen hatte. Und als ob die Zauberin seine Gedanken gelesen hätte sagte sie: „ Man hat ihr ihren Glauben genommen. Sie ist zurzeit nur eine Hülle. Und du, Adam, musst es schaffen, den Glauben wieder an seinen Platz zurück zu bringen. Denn nur ein Mensch ist dazu in der Lage, den Glauben zu finden, ihn zu nehmen und an das zu erinnern, was er wirklich ist.“
Nach diesen Worten erschütterte eine gewaltige Explosion die Mauern der Burg…
„Geträumt?“ Nun war es wieder Mini, die sich nicht zurückhalten konnte. Nachdem sie den Worten des Weihnachtsmanns gelauscht hatte, vor Staunen den Mund nicht mehr schließen konnte, war es nun ihre Überraschung, die aus ihr herausplatzte und sich Platz verschaffen musste.
„So ist es“, nickte der Weihnachtsmann: „ Er ist mir vor gut zwei Wochen in einem Traum erschienen und schien in Schwierigkeiten zu sein. Er wehrte sich gegen etwas und verschwand dann. Seit diesem Tag weiß ich, was ich die letzten vierzig Weihnachten versäumt habe.“
„Wo wohnt dein Bruder?“
„Eigentlich nicht weit von hier. Mit einem Renntier ist man in nicht einmal einen Gedanken bei ihm.“
„Dann reise ich zu ihm“, meinte Triller: „ und dann bringe ich ihn mit, damit du siehst, dass ihm nichts geschehen ist!“
Der Weihnachtsmann lächelte: „ Ich könnte selber nach ihm schauen!“
„Nein, nein“, Triller wedelte mit seiner Hand; in seinen Augen stand ein wichtiger Ausdruck und seine Lippen waren zu einem O geformt: „ Ich werde diese Aufgabe übernehmen. Nikolaus ist nichts geschehen!“
Mit diesen Worten verabschiedete sich der Kobold und der Weihnachtsmann seufzte einerseits erleichtert, andererseits kummervoll, da er nicht wusste, was um ihn herum geschah.
Skeletor lachte…
Die magische Energie, die er gegen die Mauern Castle Grayskulls geworfen hatte, hatte die Maulbrücke erschüttert; ein kurzes, knirschendes Geräusch hatte dem Herren der Finsternis gesagt, dass diese Trutzburg des Guten seine Geheimnisse jeden Augenblick preis geben würde; denn hatte er erst einmal einen Schritt in die ehrwürdige Festung gesetzt, würde ihm die Macht des Kosmos in die Hände fallen.
„Noch einmal“, sprach er befehlend und vermied es, zu jener Gestalt zu schauen, die er erst kürzlich beschworen hatte; die diesen unergründlichen, mächtigen Fokus besaß, der selbst Skeletor leicht zu ängstigen schien; er wusste nicht einmal genau was es war, aber wenn er versuchte die verwaschene, bräunliche, rote Scheme genauer in Augenschein zu nehmen, hatte er das Gefühl in den eigenen Abgrund zu blicken… Einen seelischen Teil seiner selbst, den er bisher immer verschlossen geglaubt hatte…
Dann aber, als erneut die Magie gegen die magische Burg prallten, Steine und Quader Risse aufwiesen, eine Burgzinne abbrach und in die bodenlose Schlucht stürzte, konnte Skeletor sich das Lachen nicht verkneifen. Auch dann hallte es noch über die Burg, als sich magische Blitze aus der Schlucht empor schossen, eine kurze, magische Abwehr formierten und Skeletor das Gefühl vermittelten, einem bekannten Widersacher entgegen zu treten.
Und dann, als die Scheme das dritte Mal seine Magie wirken ließ, einen flehenden Blick zum Herrn der Finsternis warf, schnellte die Zugbrücke rasselnd und klappernd herunter und überbrückte die bodenlose Schlucht.
Und da, im Rundbogen Grayskulls stand er, sein ärgster Feind:
He-Man!
„Er… er ist nicht mehr da“, hauchte Triller leise, während er zitternd, von einer Decke umgeben, auf einem Stuhl saß und sich seiner Furcht nicht erwehren konnte, die nach ihm gegriffen hatte, nachdem er im Haus des Nikolaus gewesen war.
„Dann hat sich mein Traum als wahr erwiesen?“
„Ich weiß es nicht“, hauchte der kleine Kobold, dessen grünliche Hautfarbe viel intensiver schimmerte als sonst und dem Weihnachtsmann deutlich machte, dass dem kleinen Kerl etwas widerfahren war, dass keinen der hier Anwesenden gefallen konnte.
„Wie meinst du das?“
„Als ich mit Rudolph zum Nikolaushaus kam, war mir schon, als ob sich etwas ereignet hätte, dass ich nicht beschreiben kann. Es war so düster, so allein und verlassen, dass ich mir sicher war, die Schatten waren zu dicht, als wirkliche Schatten zu sein. Weihnachtsmann“, in den Augen des Kobold schimmerte es furchtsam: „ Mir ist es, als ob der Geist der Weihnacht das Haus verlassen hätte.“
„Wie das?“
Der Weihnachtsmann stand da wie versteinert, nicht dazu in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Noch nie, seit dem er existierte, hatte irgendjemand es geschafft, den Geist der Weihnacht an sich zu nehmen und ihn aus dem Haus seines Bruders zu vertreiben…
Es war unmöglich…
Die Menschen glaubten doch noch…
Oder?
Der Weihnachtsmann versuchte sich innerlich zur Ruhe zu zwingen, um dem vor Furcht zitternden Kobold nicht noch weiter zu verstören: „ Wie das?“ fragte er deswegen noch einmal und versuchte das Zittern in seiner Stimme zu verbergen.
„Ich kann es nicht sagen. Nur das hier, ist mir in die Hände gefallen, nachdem ich schreiend das Haus verließ, als mir der gellende Schrei in die Glieder fuhr.“
Triller hielt in der Hand eine kleine, silbern glänzende Kugel, in der sich weißlicher Schnee ausbreitete, wenn man diese schüttelte; und von den weißen Flocken umgeben, stand eine kleine, grün schimmernde Burg, die ein auffällig grimmiges Gesicht zu besitzen schien; und doch so etwas wie Hoffnung in sich barg.
„Grayskull“, murmelte der Weihnachtsmann und schaute zu seinem Kobold.
„Grays… was?“
„Es ist ein anderer Ort, als die Erde, auf der wir sonst immer aktiv sind. Aber dort, auf Eternia lebt ein Mensch, der den Glauben an Weihnachten weiter getragen hat.“
„Warum weiß ich davon nicht?“ fragte Triller beleidigt: „ Ich koordiniere das Weihnachtsfest!“
„Auf der Erde!“ verbesserte der Weihnachtsmann: „ Auf Eternia ist dieses Fest noch viel zu neu, als das man von einer Koordination sprechen kann. Ich nahm mir den Glauben dort an.“
„Und was hat diese Kugel zu bedeuten?“
„Das, was den Geist der Weihnacht aus dem Haus meines Bruders vertrieben hat, hat seine Spuren hinterlassen. Und ich weiß nun, wo ich zu suchen habe.“
„Eternia?“
Der Weihnachtsmann nickte schwer: „ So ist das.“
„Und wie kommst du an diesen fremden Ort?“
„Er ist nur zwei Gedanken weit!“
Damit stampfte der Weihnachtsmann los, und sein lautes: „ Ho, Ho“, wehte durch das Weihnachtshaus und vermittelte dem Kobold eine kurze Hoffnung, dass diese Geschichte doch noch glimpflich ausgehen könnte.
Ende des 2. Teils