He-Man.de07.02.2012

20. Dezember

20. Dezember

 

Weihnachts-Geschichte!

 

Am heutigen Tage gibt es für euch den dritten und damit letzten Teil unserer diesjährigen Weihnachts-Geschichte! Wir bedanken uns herzlich bei Thomas Tippner, der uns diese Geschichte geschrieben hat!

Viel Spaß damit wünscht;

Euer He-man.de-Team!


Zurück zum Glück - Teil 3

von Thomas Tippner


Mühsam richtete sich der dickleibige Mann mit den roten Wangen auf und schaute aus großen, runden, freundlichen Augen in die undurchdringliche Dunkelheit, die sich um ihn herum ausgebreitet hatte.

Er wusste nicht, wo er sich aufhielt, dass er jedoch nicht mehr am Nordpol war hatte er gleich begriffen, nachdem die bleierne Ohnmacht, die sich wie ein Mantel in seinem Kopf ausgebreitet hatte, verflogen war und er sich wieder einigermaßen konzentrieren konnte.
Er wusste nicht genau, was vorgefallen war, dass es aber etwas war, was ihm nicht gefallen konnte, tropfte langsam in sein manchmal etwas langsam tickendes Gehirn.

Der dicke Mann war liebenswürdig!

ER hatte noch nie etwas Böses im Sinn gehabt oder sich gefragt, wie er an Reichtum oder Macht gelangen konnte; hier aber, in der nassen Finsternis, spürte er das erste Mal so etwas wie ein langsames, in ihm empor steigendes Gefühl von einem Verlangen, das ihm wispernd zuflüsterte: Vergiss, was um dich herum geschehen ist. Es ist, wie es ist. Deine Aufgabe ist beendet! Setz dich und ruh dich aus. Es wird dir hier nichts mehr geschehen. Denn wenn das Dunkel sich verflüchtigt, bist du das Licht im Schatten!

Das hörte sich gut an, wie der dickliche Mann fand.

Licht im Schatten war etwas anderes als Glockenspiel, Schnee und kleine, freche, immer naschende Kobolde, die es nicht lassen konnten, ihre Finger in Teigschüsseln zu bohren und sich dann genüsslich die Finger abzulecken, um danach gleich wieder von dem Schokoteig zu naschen.

„Licht“, murmelte der dickliche Mann, der in einen roten Mantel, rote Hose und schwarze Stiefel gekleidet war; die lange, mit einem weißen Wollknäuel versehene Mütze hatte er längst verloren. Das auf dem Hinterkopf verbliebene Haar hatte ihn bisher nie gestört; jetzt aber, wo er da hockte, die Beine angezogen, die Arme um die knie geschlungen, spürte er so etwas wie Eitelkeit in sich aufsteigen.

Die Sucht nach sich selber war so groß geworden, dass er sich fragte, wie er die ganzen Jahre nur an die anderen denken konnte.

Man war sich selbst der nächste!

Man selbst war wichtig...

Viel zu wichtig, um sich für andere zu verschwenden...

„Ja“, murmelte er: „ Ich will anders werden...“

Und damit brach das Chaos aus...

 

*

 

„Wen haben wir denn da?“ fragte Skeletor höhnisch, als He-Man seine Augen öffnete und meinte, alles in ihm würde brennen. Es war bisher noch nicht oft vorgekommen, dass der Stärkste der Starken ohnmächtig gewesen war. Und dann, wenn er es doch gewesen war, hatte er sich niemals so elend und abgeschlagen gefühlt wie in diesem Augeblick. Es war ihm, als ob seine Gedanken aus den Weiten des Kosmos zu ihm drangen, ihn kaum erreichten, und wenn er sie doch vernahm, dass sie hallend und ein Echos werfend durch seinen Kopf geisterten.

Die Stimme des Herrn der Finsternis hatte ebenfalls einen lauten, viel zu drängenden Ton angenommen, als das He-Man es schaffte, sich auf seine Worte zu konzentrieren. Als er kurz die Augen schloss und versuchte, alles wieder in Einklang mit sich zu bringen, hörte er, wie neben ihm seine Mutter aus ihrer Ohnmacht erwachte.

Sie stöhnte leise und schien sich - ebenso wie He-Man - im ersten Augenblick nicht konzentrieren zu können.

He-Man, der nun die Augen wieder öffnete und zu Skeletor schaute, sah, wie dieser sich breitbeinig vor den beiden mit Lakritzen gefesselten Bewohnern Eternias aufbaute und sie mit einem höhnisch, roten Leuchten aus den Augenhöhlen betrachtete.

„Hast du versucht, uns anzugreifen, He-Man? Wolltest du uns unseren Sieg nehmen?“

„Verflucht solltest du sein“, zischte He-Man und versuchte, die Lakritzschnur durch ein kurzes Anspannen seiner Muskelkraft zu zerreißen.

Es gelang ihm nicht.

„Du wirst die Fesseln nicht lösen können, die wir um dich gelegt haben. Der Zauber von Evil Lyn kann nicht von einem Menschen gebrochen werden!“

„Was hast du vor, Skeletor?“

„Die Frage müsste lauten: Was hattest du vor, Skeletor? Denn ich habe längst das erreicht, was ich erreichen wollte!“

„Und das wäre?“

„Die Vertreibung des Weihnachtsfestes!“ lachte Skeletor und schaute He-Man mit einem kalten Blick an; He-Man musste gesehen haben, dass er sich unwohl fühlte und wütend war, dass der Herr der Finsternis soweit gegangen war, dass er die Freude der Menschen angriff und ihnen die Hoffung nahm, die das Weihnachtsfest in ihnen auslöste.

„Wie hast du das angestellt?“

„Ich kam hierher, überwältigte die kleinen Kobolde und Elfen und schleuderte den Weihnachtsmann weit, weit weg von hier... Du wirst ihn nicht finden können, He-Man! Denn du kommst ja nicht von hier fort!“

 

*

 

„Er ist weg!“ flüsterte Feenstaub, die zu Backschmaus schaute und sah, dass der dickliche Elf das gleiche gedacht hatte; denn der, den man Tri-Klops nannte, war, nachdem das Hämmern des Maschinengewehres erklungen war, ans Fenster getreten, welches mit kleinen, aufklebbaren Engelchen und dem vom Himmel steigenden Christkind geschmückt war.

Ein kurzes: „Mist!“ hatte er noch ausgestoßen und war dann zu der Tür gegangen, die von der Werkstatt in den Wohnraum des Weihnachtsmannes führte.
Schließlich war draußen ein lauter Jubelschrei ausgestoßen worden.

Nun waren die Kobolde und Elfen alleine.

„Das ist unsere Chance...“, hauchte Butterweich: „Wir müssen jetzt nach oben!“

„Oben?“ Feenstaub war zwar eine schöne Elfe, aber nicht immer die schlauste; so verstand sie nicht, was der Kobold von ihr wollte.

„Das ist eine gute Idee“, murmelte Backschmaus und zeigte auf den über ihnen liegenden Entlüftungsschacht, in dem es immer so herrlich nach Milch, Honig, Lebkuchen, Spekulatius und Zuckerguss roch: „Kommt, hinauf!“

Jeder verstand, nur Feenstaub begriff nicht sofort.

Als dann  aber Butterweich und Backschmaus anfingen, Räuberleitern zu bauen, und die anderen Gefangenen an ihnen hinauf kletterten, begriff auch sie endlich und war dann die vorvorletzte, die in den Lüftungsschacht entschwand.

Als Backschmaus dann mit strampelnden Beinen zu seinen Freunden hinauf kam und sie das Gatter wieder schlossen, öffnete sich die Tür, und Tri-Klops kam wieder herein, gefolgt von dem hässlichen Stahlmaul Trap Jaw.

„Oh-oh“, stieß Tri-Klops leise aus: „Das wird Ärger geben!“

 

*

 

Auf Eternia veränderte sich das Leben.

 

Weihnachten verschwand...

 

Und keiner schien sich dafür zu interessieren.

 

*

 

Die Kobolde und Elfen krabbelten durch das Lüftungssystem des Weihnachtshauses und kamen schließlich zu der Wohnstube des Wehnachtsmannes; dorthin, wo man einen großen, blonden Mann und eine zierliche Frau hingebracht und mit Lakritzen gefesselt hatte. Als Backschmaus den großen Mann erkannte, murmelte er: „Adam“, und zeigte auf den unter ihm liegenden He-Man: „Er ist der größte Kämpfer von Eternia. Dass es ihn gibt habe ich gar nicht für möglich gehalten!“

„Warum das?“ wollte Butterweich wissen.

„Den habe ich damals nur als Plastikfigur ausgeteilt!“ stellte Backschmaus fest und war dann doch erleichtert, dass der Stärkste der Starken hier bei ihm war, denn so war er sich sicher, dass man den Weihnachtsmann wieder befreien konnte.

In ihm reifte ein kleiner Plan; er schickte einige der Elfen und Kobolde durch das Lüftungssystem und wies sie an, ganz viel Lärm und Krach zu machen.
Backschmaus wusste, dass Elfen und Kobolde so etwas gut konnten...

Und so wartete er darauf, dass der Krach begann.

Er begann... und wie...

Skeletor und seine Gefährtin Evil Lyn zuckten zusammen und schauten erst verwundert um sich. Dann rief Skeletor seine Spießgesellen zu sich.

Alle begannen sie nun, das Haus des Weihnachtsmannes zu durchsuchen.

Die Chance, die Backschmaus sich nicht nehmen lassen wollte. Mit Feenstaub und Butterweich ließ er sich in den Raum hinunter, in dem He-Man und die Königin von Eternia noch immer gefesselt waren.

Überrascht schauten die beiden zu den beiden Elfen und dem Kobold.

„Könnt ihr uns befreien?“ fragte He-Man und Backschmaus nickte.

„Ich hoffe es!“

„Beeilt euch, Skeletor und seine Freunde werden sich nicht lange von dem Lärm ablenken lassen!“

„Lakritze!“ Feenstaub leckte sich über die Lippen: „ Das mag ich am liebsten!“

„Kein Mensch kann die Fesseln durchtrennen!“ meinte die Königin und Backschmaus grinste.

„Wir sind keine Menschen. Wir sind Elfen und Kobolde!“

Und damit begann ein herrliches Gelage an Lakritze...

 

*

 

Nach wenigen Minuten waren He-Man und Marlena wieder frei. Der mächtigste Mann des Universums bedankte sich bei den drei Freunden, die allesamt am Boden saßen, sich die Bäuche hielten und nichts mehr essen wollten.

He-Man konnte es ihnen nicht einmal verdenken.

Dennoch wollte er wissen, ob die drei wussten, wohin der Weihnachtsmann verschleppt worden war.

Backschmaus schauderte, als er meinte: „Das Skelettgesicht sprach davon, dass der Weihnachtsmann an einen dunklen und kalten Ort gebracht worden ist, aus dem seine Gedanken niemals wieder Eternia streifen können!“

„Ein dunkler und kalter Ort“, flüsterte He-Man: „Was könnte man damit gemeint haben?“

Er schaute zu seiner Mutter, doch diese zuckte mit den Schultern: „Ich weiß es nicht!“

„Ein kalter und dunkler Ort, aus dem seine Gedanken nicht mehr entkommen können...“

„Snake Mountain...“, flüsterte Marlena: „Es kann nur Snake Mountain sein...“

„Nein.“ He-Man schüttelte den Kopf: „Dann wäre der Weihnachtsmann auf Eternia und von dort würde er seine Gedanken in die Welt schicken können.“

„Ich habe keine Ahnung!“ gestand Marlena und horchte ebenso wie He-Man auf die polternden Schritte, die sich der Tür nährten.

„Versteckt euch!“ zischte He-Man und glitt hinter die Tür; seiner Mutter sagte er noch rasch: „Bleib du da stehen, wo du gerade stehst!“
Sie tat, was He-Man von ihr verlangte.

Die Tür öffnete sich mit einem Krachen, und Skeletor trat ein. Er schien erst nicht verstanden zu haben, was sich um ihn herum ereignete, und als die Königin ihn dann auch noch frech angrinste und mit einem abfälligen Lächeln: „Hallo“, sagte, verlor der Herr der Finsternis völlig die Fassung!

„Schnappt sie!“ befahl er, und Tri-Klops und Trap Jaw stürmten nach vorne - genau in den ausgefahrenen Arm He-Mans hinein.

Krachend und keuchend gingen die beiden Kämpfer nieder.

He-Man grinste.

Nun stand ihm nur noch Skeletor gegenüber; und wie es die Art des Herren des Bösen war, feige zu werden, wenn sich das Blatt wendete, machte dieser einen Schritt zurück und erschuf sofort ein Dimensionstor, durch welches er flüchten wollte.

He-Man hechtete nach vorne und bekam Skeletor an der Hüfte zu packen.

Mit einem lauten Poltern gingen beide zu Boden.

Skeletor wehrte sich nicht einmal mehr; er wusste, dass er keine Chance gegen He-Man haben würde.

Und so packte He-Man ihn am Kragen und fragte: „Wo hast du den Weihnachtsmann versteckt?“

„Das sage ich dir nicht!“ keuchte Skeletor.

„Ein Ort, der kalt und dunkel ist...“, flüsterte Marlena, die angefangen hatte, den benommenen Tri-Klops und Trap Jaw die Hände und Beine mit Lakritzen zu binden: „ Ich habe es...“

„Und?“ Wollte He-Man wissen...

„Der Widderstab!“

 

*

 

Evil Lyn und Beast Man hatten keine Chance gegen die auf sie herabstürzenden Elfen und Kobolde. Ehe sie sich versahen, hatte man sie mit Puderzucker beworfen, die Beine mit Zuckerguss eingeschmiert und sie in einen großen Teigtrog geworfen...

Dort hockten sie nun, nicht mehr dazu in der Lage, sich zu bewegen oder gar einen Finger zu rühren, um von dem herrlichen Teig zu naschen, der so verführerisch duftete...

 

*

 

„Nicht!“ zischte Skeletor, und He-Man wusste, dass seine Mutter Recht gehabt hatte. Denn als er sich der magischen Waffe Skeletors bemächtigte, sie aufhob und kurz betrachtete, sah er eine zusammengekauerte, in rote Kleidung gehüllte Gestalt in der linken Augenhöhle des Stabes hocken.

„Doch!“ grinste He-Man, zerbrach den Stab und ließ damit den Weihnachtsmann frei, der erst verwirrt und dann begeistert davon war, dass man ihn befreite und dass ihn bei dieser Aktion viele bunte, schimmernde und zerplatzende Sterne umspielten und ein feiner, rieselnder Schneestaub die Wohnstube kalt einhüllte.

Er lachte laut und klopfte sich auf den dicklichen Bauch und blinzelte etwas verwirrt, als er Skeletor und seine Spießgesellen sah, die ihn anschauten, als ob sie das erste Mal in ihrem Leben einen Weihnachtsmann gesehen hätten.

„Weihnachtsmann!“ hauchte Backschmaus und lief auf den dicklichen Mann zu, der sich mit der Hand durch die Haare strich und mit einem Mal alles Liebenswürdige verlor, was er eben noch ausgestrahlt hatte.

Es war, als ob man eine Glühlampe genommen hatte und sie mit einem dunklen Glas bedeckte...

„Weihnachtsmann?“ fragte er schroff: „Warum nennst du mich so? Ich heiße Klaus und so will ich von nun an auch nur noch heißen!“

„Klaus?“ fragten alle wie aus einem Mund.

„Das ist mein Name“, zischte der Weihnachtsmann.

„Aber du bist der Weihnachtsmann!“ stammelte Feenstaub, die es nicht fassen konnte und kurz davor stand zu weinen.

„Klaus!“

Skeletor lachte: „Ich habe euch doch gesagt, dass ich Weihnachten vertreiben werde. Niemals wieder wird auch nur ein Mensch einen Gedanken an dieses scheußliche Fest verschwenden!“

„Oh doch! Denn was sagte die Zauberin mir?“

„Keine Ahnung“, hauchte Backschmaus.

„Giiihk“, stammelte Butterweich.

„Eine Zauberin!“ Mit einem Mal leuchtete es in den Augen von Feenstaub.

He-Man ließ sich nicht beirren: „Das Kalte der Welt hat mich umschlossen, doch ich habe ihm getrotzt. Und ich lasse die neue Hoffnung nicht untergehen, denn ich glaube an dich, Weihnachtsmann!“

Klaus schaute zu He-Man, als dieser lächelte und kurz nickte.

„Ich auch“, flüsterte Marlena und machte einen unsicheren Schritt auf den noch immer griesgrämigen Klaus zu, der erst die Hand zurückziehen wollte, als de Königin nach dieser griff.

Dann aber ließ er es trotzdem geschehen und wunderte sich deutlich darüber, als Marlena ihn an sich heranzog, ihm einen Kuss auf die Wange hauchte und genießerisch die Luft ein sog und flüsterte: „Du riechst noch immer so wie damals, als ich noch ein Kind gewesen war!“

 

Klaus’ Augen weiteten sich.

 

Die Kälte verschwand aus ihnen...

„Marlena“, flüsterte er und strich ihr sanft über den Kopf: „Du hattest dir damals immer die Puppe Peppels gewünscht und ich wusste nie, was du damit meintest...“

Marlena lachte: „Und ich war immer überrascht, dass ich zwar eine Puppe bekam, aber dass es niemals Peppels war!“

„Und?“ fragte der Weihnachtsmann leise: „Was ist nun eine Peppels?“

„Du wirst es noch herausfinden“, schmunzelte Marlena: „Da bin ich mir sicher!“

Sie küsste den Weihnachtsmann noch einmal auf die haarigen Wangen und flüsterte: „Ich glaube an dich. Egal, wo ich bin!“

 

 

Ende

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