14. Dezember
Weihnachts-Geschichte!
Am heutigen Tage gibt es für euch den zweiten Teil unserer diesjährigen Weihnachts-Geschichte! Wir bedanken uns herzlich bei Thomas Tippner, der uns diese Geschichte geschrieben hat!
Viel Spaß damit wünscht;
Euer He-man.de-Team!
von Thomas Tippner
In den nachtdunklen Augenhöhlen Skeletors leuchtete es auf. Das, was er hier vollbracht hatte, war einer seiner größten Schachzüge gewesen.
Mit einem Schlag, ohne dass es irgendjemand mitbekommen hatte, hatte er eine langsam aufstrebende Macht auf Eternia vernichtend geschlagen; er kicherte leise, als er sich auf den roten, von Samt und Seide und weißer, weicher Wolle bespannten Sessel fallen ließ und in das knackende und knisternde Feuer schaute, das in dem von rot-weißen Zuckerstangen gesäumten Kamin knackte.
Der Geruch von Milch und Honig lag in der Luft!
Das leise Wimmern und Jammern der Gefangenen war Musik in seinen Ohren.
Neben Skeletor stand Evil-Lyn, die Hexenmeisterin des Schattenreiches, die die kleinen, in grün und rot gekleideten Kobolde und Elfen argwöhnisch betrachtete; ihre runden Augen kniffen sich zusammen, als sie sah, wie sich ein ziemlich dicker und nach einem Besserwisser aussehender Elf aus dem zusammengetrieben Pulk herausschälte und mit einer fahrigen Handbewegung versuchte, seine überdimensionale Brille auf der leicht knollenartigen Nase zurecht zu rücken.
„Was willst du?“ herrschte Evil-Lyn den Elfen an, der den Namen Backschmaus trug und der zusammenfuhr und ängstlich über die Schulter zurückschaute, dorthin, wo die anderen Kobolde und Elfen standen, die sich nicht trauten, mit den neuen Herren ihres Heimes zu sprechen.
„Meinen Protest kundtun“, wisperte der Kleine, der sich schnell über die Lippen leckte und so versuchte, seine eben gesagten Worte wegzuwischen.
„Ich höre“, kicherte Skeletor, der wieder einmal seinen Widderstab bei sich hatte und diesen nun mit einem genüsslichen, rot schimmernden Leuchten in den tiefen, knöchernen Augenhöhlen auf Backschmaus richtete.
„Es geht um das, was du mit unserem, äh, Freund angestellt hast!“
„Ja?“
„Er ist wichtig für uns alle... ähm...“
„Ähm?“ fragte Skeletor.
„Nun ja... er ist sozusagen für die weihnachtliche Zeit zu ständig!“
„Ich weiß“, grinste Skeletor.
„Nun... und da du es nun gewagt hast, ihn von hier fortzubringen, kann das Weihnachtsfest nicht mehr stattfinden!“
„Ich weiß!“
„Oh...“, machte Backschmaus und schien nun verstanden zu haben, um was es sich hier drehte und was Skeletor plante. Der dickliche Elf trat nervös von einem Bein aufs andere und knetete seine kleinen Hände.
„Und nun?“ fragte er schließlich leise und schauderte bei dem Gedanken, was dieser Halunke nun alles antworten konnte.
„Vertreiben wir den Gedanken an Weihnachten!“
Skeletor lachte laut...
*
„Königin!“ He-Man, der Stärkste der Starken, war in die Küche geeilt, dorthin, wo seine Mutter Marlena immer noch fassungslos stand und dorthin schaute, wo sie anscheinend einen Geist gesehen hatte.
Den Kochlöffel noch in der Hand, zuckte sie zusammen, als sie die muskulöse und stämmige Gestalt He-Mans erkannte, der sich vor ihr aufgebaut hatte und sie mit einem kurzen, mitleidigen Blick bedachte.
Er sah ihr an, dass sie getroffen war, dass irgendjemand sie mitten ins Herz getroffen hatte, mit dem, was er getan oder gesagt hatte.
He-Man kannte seine Mutter; er wusste, wie sie aussah, wenn sie sich gekränkt fühlte und wenn sie mit einer neuen Situation nicht zurechtkam.
In diesem Augenblick war es so; und er vergaß für einen kurzen Augenblick, dass er in diesem Moment nicht Adam, der Prinz von Eternia, war sondern He-Man, der glorreiche Kämpfer für das Gute und der immerwährende Feind von Skeletor, dem Skelettgesicht; und so verwunderte es auch nicht, dass Marlena einen Schritt zurück wich, als He-Man ihr den Arm um die Schultern legte und sie kurz drückte.
„He-Man!“ stieß sie erschrocken hervor und ließ auch den Giganten des Universums einen Schritt zurück machen, der daraufhin gleich: „ Entschuldigung!“ murmelte und das laute Klopfen seines Herzens nicht unterdrücken konnte.
„Was... was tust du hier?“ fragte Marlena schließlich und versuchte, die seltsame und befremdende Situation zu begreifen und zu überspielen; denn auch ihr war bewusst, dass He-Man nur dann auftauchte, wenn Gefahr im Anmarsch war.
So nahm He-Man den ihm zugespielten Ball schnell auf und räusperte sich, bevor er meinte: „Königin, habt Ihr es denn noch nicht bemerkt? Die Leute im Palast haben den Sinn des Weihnachtsfestes als Unsinn tituliert!“
„Ja“, dehnte sie. „Das habe ich wohl gemerkt!“
„Und deswegen müsst Ihr mich begleiten!“
„Wohin?“ Die Königin war verwirrt.
He-Man lachte leise, als er meinte: „Ich hoffte, Ihr könntet es mir sagen!“
„Wie bitte?“ Die Königin verstand nicht, und sie beäugte den Stärksten der Starken mit einem skeptischen Blick.
„Hört, was die Zauberin von Grayskull mir gesagt hat: Der fliegende Freund ist bedroht und scheint zu stürzen. Nur die, die an ihn glauben, können ihn retten. Vergiss nicht, ihn dorthin zu bringen, von wo er kommt, und lasse nicht das zurück, was aus dem Herzen der Erde geboren worden ist! Sei wachsam, wenn die Kälte dich umschließt und der Hauch des Bösen dich streift! Lass die neue Hoffnung nicht untergehen!“
„Aha“, sagte die Königin und schüttelte leicht den Kopf: „Das hört sich ganz danach an, als ob sie von Stratos sprechen würde.“
„Aber der Herr von Avion hat weder etwas mit Kälte noch mit der Erde zu tun.“
„Da hast du Recht!“
„Ich bin mir sicher, dass irgendetwas mit dem weihnachtlichen Fest geschehen ist, Königin, und da Ihr diejenige seid, die das Weihnachtsfest nach Eternia gebracht habt, müsst Ihr doch auch eine Lösung dieses Problems kennen. Von wo genau kommt Weihnachten?“
Die Königin lachte leise: „Die Frage kann man so kaum beantworten, He-Man, denn Weihnachten ist in einem drin.“ Sie klopfte sich auf die Brust: „Es kommt von nirgendwo her, wenn du so willst...“
„Gibt es nicht einen Platz oder einen Ort, von dem jener kommt, den Ihr Weihnachtsmann nennt?“
Die Königin lachte noch einmal kurz und glockenhell auf: „He-Man, mein Freund, das sind Märchen, den wir den Kindern erzählt haben. Geschichten, damit sie Bilder haben, an die sie glauben!“
„Also gibt es einen Ort, und dort herrscht die Kälte!“
Die Königin nickte: „Ja, man erzählt sich auf der Erde, dass der Weihnachtsmann vom Nordpol kommt!“
„Nordpol“, flüsterte He-Man leise und schaute zu seinem Kampftiger, der angefangen hatte, unruhig mit den Tatzen über den Boden zu streifen.
„Das ist nur eine Legende, He-Man“, meinte Marlena und versuchte, He-Man von dem Gedanken abzubringen, der angefangen hatte, in seinem Kopf zu kreisen und eine lange Bahn zu ziehen.
„Eine Legende?“
„Es gibt den Weihnachtsmann nicht wirklich. Es ist unmöglich, dass es ihn gibt!“
„So unmöglich, wie es sprechende Tiger auf Eternia gibt, oder die Burg der Zeitlosen?“
Marlena kapitulierte; sie schüttelte den Kopf und fragte dann resigniert: „Was hast du vor?“
„Ich werde mit dem Talon Fighter die Dimensionen durchbrechen und den Nordpol ansteuern und nachsehen, was sich am Nordpol ereignet hat!“
„Und ich soll dich begleiten?“ fragte die Königin skeptisch.
He-Man nickte: „Ja, denn Ihr seid das Herz der Erde und diejenige, die die Hoffnung nach Eternia gebracht hat!“
*
„Wir dürfen uns nicht unterdrücken lassen“, wisperte Backschmaus.
„Die sind aber viel größer als wir!“ hauchte Butterweich, ein Kobold mit feuerrotem Haar und so vielen Sommersprossen im Gesicht, dass Backschmaus sich manchmal fragte, ob es überhaupt ein Gesicht unter den Sommersprossen gab.
„Und sie sind hässlicher“, wandte Feenstaub ein, eine kleine Elfe, die Backschmaus gerade einmal bis zur Schulter reichte.
„Ganz schön hässlich“, stimmte Butterweich zu.
„Wir müssen trotzdem etwas unternehmen!“
„Was denn?“
„Hast du noch etwas Puderzucker in deiner Tasche?“ fragte Backschmaus.
„Habe ich doch immer!“ strahlte Feenstaub und kramte gleich in einer großen, grünen Tasche, die an ihrer Jacke angebracht war: „Da!“
„Hab Dank!“ hauchte Backschmaus und rief dann: „Äh... du da, mit den drei Augen?“
Der muskulöse, große Mann mit dem grünen Schwert auf dem Rücken, dem grünen Brustpanzer und dem Visorring drehte sich langsam und überheblich herum. Das kantige Lächeln auf seinen Lippen gab nichts Freundliches wieder, und es versetzte Backschmaus in Angst und Schrecken.
Er wusste, wenn sein Plan fehlschlagen würde, würde dieser Typ, den alle Tri-Klops nannten, aus ihm zerlaufende Schokolade machen.
„Was willst du?“
„Könntest du dich zu mir herunter beugen?“
Tri-Klops tippte sich an die Stirn: „Damit du mir Backpulver in die Augen sprühen kannst? Versuch deinen Blödsinn wo anders!“
Backschmaus war am Boden zerstört!
*
Der Talon Fighter!
Ein Gefährt, das aussah wie ein zur Erde stürzender Adler!
Ein Gefährt, das He-Man und seinen Freunden schon mehr als einmal aus der Klemme geholfen hatte und die Möglichkeit besaß, durch die Dimensionen zu gleiten, als ob es sie nicht geben würde.
Und nun wollte He-Man sich diese Eigenschaft zunutze machen; und während er seiner Mutter in das Gefährt hinein half, war es Battle Cat, der sich mit einem Mal hinlegte und ein leises Knurren ausstieß.
„Was hast du, alter Kater?“
„Weihnachten!“ brummte Battle Cat, und seine gelben Augen funkelten auf einmal böse: „Blödsinn! Das brauche ich nicht! Für Weihnachten kämpfe ich nicht!“
He-Man schaute seinen Freund fassungslos an.
Was sollte das?
Bisher hatte Battle Cat noch nie einen Kampf gescheut, geschweige denn ihm, dem Stärksten der Starken, seinen Dienst verweigert. He-Man ahnte, warum seine Freunde sich von Weihnachten abwandten: da es für sie kein Weihnachte mehr gab. Und es gab Weihnachten nicht mehr, weil irgendetwas vorgefallen war, was He-Man nun ergründen wollte.
So nickte er schließlich und legte seiner Mutter die Hand auf die Schulter und flüsterte: „Es ist, weil sie alle Eternier sind!“
„Was soll das heißen?“ fragte die Königin leise und schaute verängstigt und getroffen zu He-Man, der seine eben in Gedanken gefasste Erklärung nun mündlich formulierte. Als Marlena die Geschichte gehört hatte, nickte sie und flüsterte leise: „Aber was, wenn auch du den Glauben an Weihnachten verlierst, He-Man? Dann sitze ich nachher alleine am Nordpol fest!“
„Ich verliere den Glauben nicht!“
„Nicht?“
He-Man biss sich auf die Lippen und ließ sich in den Talon Fighter gleiten. Dann betätigte er die Knöpfe und flüsterte: „Ich glaube an Weihnachten, weil Ihr daran glaubt, Königin!“ Und in Gedanken fügte er hinzu: Weil ich zur Hälfte Erdling bin!
*
Trap Jaw, der Leibwächter Skeletors, und Beast Man, der Herr der dunklen Kreaturen, standen in dicke Mäntel gehüllt vor dem Haus des Weihnachtsmannes und spähten in die immer stärker wehenden Windböen hinein.
Die Aufgabe, die sie hatten, war keine schwere; sie sollten Skeletor darüber informieren, wenn sich jemand dem Haus näherte.
Bisher war dies nicht geschehen.
Warum auch, fragte sich das Stahlmaul leise, hier gibt es weit und breit niemanden, der sich für diesen verlassenen Ort interessieren könnte. Ich würde lieber noch einmal von den leckeren Zuckerstangen kosten und mich an den Schokoweihnachtsmännern gütlich tun!
Beast Man, der frierend von einem Bein aufs andere trat, klopfte sich mit den Händen gegen die Schultern und versuchte nicht zum ersten Mal, die Kälte auf diese Art und Weise zu vertreiben.
„Steh doch mal still!“ bellte Trap Jaw.
„Mir ist so schrecklich kalt!“
„Denkst du mir nicht?“
„Das interessiert mich nicht“, meinte Beast Man leise: „Ich weiß nur, dass mich diese Warterei nervt. Warum können wir nicht zu dem... äh... äh... äh... Trap Jaw, wie heißt noch mal der Knilch, den wir gefangen genommen haben?“
„Weihnachtsmann.“ Trap Jaw verdrehte die Augen.
„Ja... wenn wir dort wären, wo der jetzt ist, dann wäre uns nicht mehr kalt. Wie heißt der Ort noch mal, an den Skeletor den... äh... äh... äh...“
„Das geht dich nichts an. Wir sollen nur aufpassen, dass niemand hierher kommt!“
„Hier kommt keiner her!“
„Nicht?“
„Nein!“
„Dann schau mal da nach vorne!“
Trap Jaw formte seinen Waffenarm sofort in das gefürchtete Maschinengewehr und richtete es auf jenen sich verformenden Schemen, der auf einmal vor ihnen auftauchte. Erst sah es nur so aus, als ob der Schnee beiseite weichen würde; dann sah man, dass in der Luft ein Riss entstand, der erst rötlich, dann schwarz schimmerte.
Mit einem lauten Krachen brach der Talon Fighter aus dem Nichts hervor und Trap Jaws Maschinengewehr hämmerte los...
*
Die Kugeln glitten an dem Fenster des Talon Fighters ab.
He-Man riss den Lenker herum und hörte den erschrockenen Schrei seiner Mutter und schaffte es nicht, das Fluggefährt zur sicheren Landung zu zwingen. Er sah in das Schneegestöber direkt auf Trap Jaw und Beast Man und hielt dann schlitternd auf die beiden zu.
Als die elektronische Peitsche des Tiermeisters auf den Talon Fighter klatschte, löste sich ein Blitz aus der Armatur und fuhr He-Man in die Finger; dieser schrie vor Schmerz und Schrecken auf.
Dann verlor er das Bewusstsein, und der Talon Fighter krachte in den Schnee...
Ende des zweiten Teils...