Episode 10 - Schlacht um Eternia (Teil 3)
„Bei der Macht von Grayskull! Ich habe die Kraft!“
Kaum hatte er die magischen Worte gesprochen, durchströmte ihn eine Macht, wie er sie noch nie zuvor gespürt hatte. Unter dem Einfluss dieser Macht, verwandelte sich sogar He-Mans Rüstung und passte sich dem bevorstehenden Kampf gegen das Schlangenvolk an.
Nun konnte die Schlacht um Eternia beginnen.
Sogleich stürzten sich dutzende von Schlangenkriegern auf He-Man und versuchten ihn niederzuringen, doch der größte Held Eternias wehrte sie mit Hilfe seines Zauberschwertes und der an seiner neuen Rüstung befestigten Zange mit Leichtigkeit ab.
Von dem Felsvorsprung auf dem er stand, beobachtete King Hsss geduldig die Szene, die sich unter ihm abspielte. Je länger er diesen He-Man beobachtete, desto bekannter kam er ihm vor. Es ärgerte den Herrn der Schlangenmenschen ungemein, dass er das Gesicht nach wie vor nicht zuordnen konnte.
„Wenn ich nur wüsste… wenn ich nur wüsste…“, murmelte er leise in sich hinein - unhörbar für Rattlor, welcher neben ihm stand und ebenfalls das Geschehen beobachtete.
***
Auch die Zauberin von Castle Grayskull beobachtete von den Hallen des Schlosses aus und mit Hilfe ihres Adlerstabes den Kampfplatz in Subternia.
„Selbst mit der neuen Kraft kann sich He-Man nicht ewig gegen die Krieger von King Hsss verteidigen.“, grübelte sie vor sich hin und obwohl sie den Blick auf das Geschehen gerichtet hatte, war sie mit ihren Gedanken ganz woanders: Nun, da das Siegel des Zauberschwertes gebrochen war, bot sich ihnen eine einmalige Gelegenheit, das Schlangenvolk in die ewige Leere zu verbannen. Doch wenn die Macht der Schwerter erst einmal entfesselt war, ließ sich das Siegel so schnell nicht mehr erneuern und das wiederum würde bedeuten…
Ihre Aufmerksamkeit fokussierte sich nun doch auf den Kampf zwischen He-Man und den Schlangenmenschen.
Nein. Mir bleibt keine andere Wahl. Ich muß handeln.
***
He-Man hatte gerade eine Angriffswelle der Schlangemenschen zurückgeschlagen und wollte sich der nächsten widmen, als ihn ein Gedankenruf der Sorceress erreichte.
He-Man! Ich werde dich von Castle Grayskull aus unterstützen, indem ich eine Verbindung zu dem Zauberschwert herstelle. Strecke dazu die Waffe in die Luft und sprich die magischen Worte!
„Ich verstehe, Sorceress!“, erwiderte He-Man sogleich und tat wie ihm geheißen.
„Bei der Macht von Grayskull!“
Zur gleichen Zeit kreuzte die Sorceress das zweite Zauberschwert, welches sie aus dem Sockel entfernt hatte, mit ihrem Adlerstab und rief mit entschlossener Stimme:
„Bei der Ehre von Grayskull!“
Und obwohl Krieger und Zauberin so weit voneinander entfernt waren, beendeten beide die Beschwörung der Kräfte von Grayskull wie aus einem Mund: „Ich habe die Kraft!“
He-Man traute seinen Augen nicht, als sich sein Schwert plötzlich entfaltete und eine grüne Flamme daraus emporschoss, welche sich sogleich in einen starken Luftwirbel verwandelte und alle Schlangenkrieger in sich aufsog.
„Flieht! Zieht euch zurück!“, rief Rattlor entsetzt von der Anhöhe den Schlangenkriegern zu. Als er bemerkte, dass sich der magische Wirbel immer weiter ausbreitete, wandte er sich an seinen König: „Eure Majestät! Wir müssen fliehen!“
Erst jetzt fiel Rattlor auf, dass King Hsss wie besessen auf He-Man und dessen Zauberschwert starrte.
„Jetzt weiß ich es! Jetzt weiß ich es!“, schrie Hsss plötzlich wie von Sinnen. Entsetzen, Panik und abgrundtiefer Hass breiteten sich in sekundenschnelle in seinem ganzen Körper aus.
Dieser Mann! Er hatte ihn schon einmal gesehen! Es war tausende von Jahren her gewesen. Damals als das Schlangenvolk schon einmal versucht hatte, Eternia zu erobern, hatte dieser Krieger sich ihnen in den Weg gestellt. Er hatte verhindert, dass sie den letzten Zufluchtsort des Feindes hatten einnehmen können. Der letzte Zufluchtsort des Feindes… Castle Grayskull!
Wieder zurück in der Gegenwart funkelte es in den Augen von König Hsss.
Ja! Sobald er Castle Grayskull eingenommen hatte, würde seiner Herrschaft über Eternia nichts mehr im Wege stehen.
„Eure Majestät! Der Wirbel kommt immer näher!“, Rattlor packte seinen König am Arm, riss ihn in die Realität zurück. Er nickte seinem General zu.
„Wir werden uns wieder sehen, He-Man!“, rief er dem verhassten Feind entgegen und verschwand mit Rattlor in den Höhlen von Subternia.
***
Nachdem He-Man die Bewohner der Dörfer, die den Schlangenmenschen zum Opfer gefallen waren, befreit hatte, schloss er sich wieder mit Teela und Orko zusammen und erzählte ihnen, was geschehen war. Die Dorfbewohner warteten solange einige Meter entfernt.
„Coole Rüstung.“, stellte Orko fest.
„Danke, ich verdanke sie der Sorceress und der Macht von Grayskull.“
He-Man sah sich suchend um.
„Wo ist Miranda?“, fragte er verwundert als er die junge Magierin nicht entdeckte.
„Nachdem wir aus den Höhlen raus waren, ist sie plötzlich verschwunden.“, erklärte Teela.
Und auch Orko gab einen Kommentar ab: „Ich hab ja gleich gesagt, dass wir ihr nicht trauen dürfen!“
„Ich weiß gar nicht, was du hast, Orko.“, entgegnete He-Man dem kleinen Trollaner. „Sie hat uns doch geholf-“
He-Man brach ab, als er den kleinen Jungen neben sich bemerkte, der Teela ehrfürchtig anstarrte.
Orko schwebte zu ihm herab und wollte ihn ein wenig aufmuntern.
„Keine Angst, Man-At-Arms und die königlichen Wachen werden bald kommen und euch zu euren Dörf-“ Orko fiel gerade noch rechtzeitig ein, dass in den Dörfern wohl kein Stein mehr auf dem anderen stand. „…und euch in den sicheren Palast bringen.“
Doch der Junge beachtete ihn gar nicht. Er fixierte seinen Blich weiterhin auf Teela.
„Bist du nicht die berühmte Anführerin der königlichen Leibgarde?“, fragte er plötzlich aus heiterem Himmel heraus. He-Man wusste nicht, was ihn mehr wunderte: Die Tatsache, dass der Junge den Rang von Teela kannte oder die Direktheit mit der er seine Frage stellte.
„Nun, ja.. das bin ich.“, antwortete Teela nicht weniger verwundert als He-Man.
„Ich möchte Soldat werden! Kannst Du mir zeigen, wie das geht?“
„Äh… ich fürchte dafür bist du noch ein wenig zu jung. Wie lautet eigentlich dein Name?“
„Ich heiße O’Tak und bin immerhin schon sieben.“
Gerade als Teela zu einer Antwort ansetzen wollte, kam ein Erwachsener aus den Reihen der Dorfbewohner auf sie zugelaufen, nahm O’Tak am Arm, entschuldigte sich für das ungehörige Benehmen des Jungen und wollte ihn wegziehen.
Teela stoppte ihn. „Einen Moment.“
Sie beugte sich zu O’Tak herab.
„Warum willst Du denn Soldat werden?“
Teela erschrak, als sie den puren Hass in den Augen des Jungen aufblitzen sah.
„Damit ich den Schlangenmenschen heimzahlen kann, was sie uns angetan haben. Jedem einzelnen von ihnen.“, antwortete er mit eisiger Stimme.
Der Erwachsene nahm O’Tak abermals am Arm, entschuldigte sich zum zweiten Male und führte den Jungen zu den anderen Dorfbewohnern zurück.
Teela, von den Worten des Jungen schwer getroffen, sah He-Man und Orko schockiert an.
„King Hsss hat seine Schwester bei lebendigem Leib verspeist und hat ihn und mich gezwungen dabei zuzusehen.“, erklärte He-Man.
„Bei allen Göttern von Trolla. Wie schrecklich.“, keuchte Orko.
„Mir ist es zwar gelungen die Schlangenmenschen zurückzuschlagen, aber den Kampf um die Seele des Jungen hat King Hsss für sich entschieden und es gibt nichts, was wir daran ändern können.“
„Und er ist bestimmt nicht der einzige.“, ergänzte Teela niedergeschlagen.
„Das ist doch Quatsch!“, widersprach Orko aufgeregt. „Sein Herz ist momentan vielleicht mit Hass erfüllt, aber das heißt noch lange nicht, dass wir ihn und die vielen anderen, die so denken wie er, aufgeben dürfen! Denn erst wenn wir sie aufgeben, hat King Hsss wirklich gewonnen! Solange es jemanden wie dich gibt He-Man, ein Vorbild, das ohne wenn und aber an das Gute glaubt und ihnen zeigt, wie wir die Schlangenmenschen ohne Hass in unseren Herzen, besiegen können, gibt es Hoffnung. Auch O’Tak wird das eines Tages erkennen und seinen Hass überwinden.“
He-Man und Teela sahen sich sprachlos an. Sie hatten Orko selten so ernst erlebt. Es überraschte sie immer wieder, über welch verborgene Qualitäten der kleine Zauberer verfügte.
„Du hast Recht, Orko!“, antwortete He-Man schließlich. „Sobald wir wieder im Palast sind, werde ich noch mal mit O’Tak reden.“
***
Während He-Man und die anderen zum Palast zurückkehrten, hatte Miranda sich zur Ebene der Ewigkeit begeben. Dort angekommen, suchte sie eine abgelegene Höhle auf, die ihr als Versteck diente. Kaum hatte sie ihren Unterschlupf betreten, umhüllten sie die Schatten der Höhle und woben sie in die Finsternis mit ein. Aus Miranda wurde niemand geringeres als Shadow Weaver, die rechte Hand des gefürchteten Kriegstreibers Hordak.
„Ich bringe euch frohe Botschaft, großer Herrscher.“, flüsterte sie in die Stille der Dunkelheit.
Kurz darauf erschien ein riesiges Abbild von Hordaks Gesicht vor ihr, welches beinahe bis an die Decke der Höhle reichte. Der Führer der Wilden Horde sprach aus der Verbannung zu seiner Dienerin.
„Sprich, Weaver.“
„Ich habe das Siegel des Zauberschwertes gebrochen, ganz wie ihr es mir befohlen hattet. Gleichzeitig habe ich es jedoch auch mit einem Bann belegt.“
„Ausgezeichnet. Nun kann also Stufe 2 meines Planes endlich in Angriff genommen werden.“
„Ja, großer Hordak.“, bestätigte ihm Shadow Weaver. „Diese Welt wurde nun verbunden. Verbunden mit der Dunkelheit. Bald wird sie gänzlich in ihr versinken.“