He-Man.de28.07.2016
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Episode 41 - Ein dunkler Sieg (Teil 1)

 

 

„Die Wilde Horde kennt keine Freunde.

Das Einzige auf das sie sich verlässt, ist ihre eigene Stärke

und die Angst im Herzen ihrer Feinde.“

- Die Chroniken der Wilden Horde

 

Lange Zeit war Castle Grayskull nicht mehr gewesen als ein kalter, einsamer Ort, in dem die Geheimnisse einer längst vergangenen Zivilisation schlummerten. Doch seit die Wilde Horde den Königspalast erobert hatte und die Masters of the Universe ihren Unterschlupf in das alte Schloss verlagert hatten, herrschte dort reges Treiben. Die Sorcerress hatte den Verteidigern Eternias einige Zimmer zugewiesen und erlaubte den Soldaten des Königs vor den Toren des Schlosses ihre Zelte aufzuschlagen. Man hatte sogar wieder einen äußeren Verteidigungsring errichtet, der ein wenig an die zerfallene äußere Schutzmauer aus grauer Vorzeit erinnerte. Zwar handelte es sich nur um Holzpalisaden, dennoch verliehen sie Grayskull eine gewisse Lebendigkeit, da das Schloss von außen betrachtet nicht mehr wie eine alte Ruine wirkte. Eine große Streitmacht hatte hier ihr Hauptquartier aufgebaut.

Die Sorceress hatte sich längst daran gewöhnt, das Schloss nicht mehr allein zu bewohnen. Sie streifte in ihrer menschlichen Gestalt durch die Flure und begegnete dem einen oder anderen Verteidiger Eternias. Sie grüßte stets freundlich, doch war sie mit ihren Gedanken an einem ganz anderen Ort. Ihre leibliche Tochter Teela hatte seit sie das Schloss bezogen hatte, ihre Gemächer nicht verlassen. Die Trauer um den Verlust ihres Vaters hatte sie übermannt und sie drohte sich darin zu verlieren. Wahrscheinlich hätte nur Adam ihr in diesen Tagen beistehen können, doch aufgrund der momentanen Lage und unter dem Vorwand Prinz Adam sei in einem geheimen Unterschlupf in Sicherheit, hatte er sich dauerhaft in He-Man verwandelt. Nun hätte er Teela vielleicht als solcher helfen können, doch war er nach Avion aufgebrochen, um dort eine Versöhnung mit den Vogelmenschen voranzutreiben und Verstärkung gegen die Wilde Horde zu erbitten. He-Man würde sicherlich bald zurückkehren, doch die Sorceress wollte dem Leid ihrer Tochter keinen Tag länger mehr zusehen und so entschied sie sich nach reiflicher Überlegung, ihr die Wahrheit über ihre Herkunft und die Identität ihrer wahren Eltern zu offenbaren.

 

*

 

Hordak hatte vom königlichen Balkon aus freie Sicht auf den Hof des Palastes. Dort waren die neuen Modelle der Horde Trooper aufmarschiert, die nach Jahren der Verzögerung endlich fertig gestellt waren. Die neuen Roboter waren größer und kräftiger als ihre Vorgänger. Wenn sich die Masters of the Universe ihm nun in den Weg stellen würden, würden sie wahrlich ihr blaues Wunder erleben. Nichts könnte Hordak nun mehr auf seinem Eroberungsfeldzug durch Eternia aufhalten. Nichts - außer einer Sache vielleicht: Der ungebrochene Kampfeswille seiner Feinde.

„Großer Hordak, ich bin gekommen, um euch über die Fortschritte bei den Folterungen zu unterrichten.“ Leech trat in demütiger Haltung an seinen Herrn heran.

„Kommt Grizzlor voran?“, fragte Hordak ohne den Blick von seinen neuen Troopern abzuwenden.

„Ich fürchte nicht, großer Herrscher. Wir haben noch immer keins der Geheimnisse in Erfahrung bringen können, für die ihr euch interessiert.“

Hordak ließ ein abfälliges Grunzen von sich, welches in Leech großes Unbehagen erzeugte.

 


 

„Ich bitte für diese schlechten Nachrichten vielmals um Vergebung.“

„Kräme dich nicht, Leech. Ich bin selbst daran schuld. Ich hätte nie Grizzlor mit der Folter beauftragen dürfen. Er genießt zu sehr das Leid seiner Subjekte. Geh und nimm seinen Platz ein. Wenn du das letzte Fünkchen Kraft aus den Gefangenen gezogen hast, werden sie dir bereitwillig alles sagen.“

„Wir ihr wünscht.“

„Noch etwas, Leech. Du tust gut daran, mich nicht zu enttäuschen. Sonst wird deine Strafe noch schlimmer ausfallen als die von Grizzlor.“

 

*

 

Zunächst hatte Teela nicht mit der Sorceress sprechen wollen, doch die Hüterin von Castle Grayskull hatte sehr einfühlsame Worte gewählt und schließlich war es ihr gelungen zu ihrer Tochter durchzubrechen. Sie hatte ihr erzählt was ihr die Freundschaft zu Man-At-Arms bedeutete und wie sehr sie sich über die Jahre hinweg gefestigt hatte.

„Du hast mir erzählt wie oft mein Vater dich aus Notlagen gerettet hat, Sorceress.“ Teelas Trauer schien für einen Moment vergessen als sie über Man-At-Arms sprach. „Aber ich weiß noch immer nicht wie ihr euch kennen gelernt habt. Hat er dich eines Tages in deinem Schloss aufgesucht?“

„Nicht ganz.“ Die Sorceress schmunzelte. „Du musst wissen, dass ich nicht immer die Hüterin von Castle Grayskull war.“

„Wie? Aber wie konnte-?“ Teela war über diese Enthüllung so überrascht, dass sie nach Worten suchte.

„Nun, einst war ich eine ganz normale junge Frau so wie du, Teela. Mein Name damals lautete Teelana.“ Während die Sorceress erzählte, zog magischer Nebel auf und formte die Geschehnisse von einst vor Teelas Augen nach.

 

*

 

Ein sanfter Wind strich durch Teelanas Haare, als sie aus dem Wald heraus trat und den Weg fortsetzte, der sie ihn ihr Dorf zurückführen sollte. Es war ein wunderschöner Spätsommertag und langsam färbten sich die Blätter des Drachenwaldes in den unterschiedlichsten und wundervollsten Farben. Keine Wolke zierte den Himmel und eine angenehme Wärme herrschte bereits den ganzen Tag über. Teelana hatte daher schon am Vormittag beschlossen zu einer kleinen Wanderung aufzubrechen, um das schöne Wetter noch einmal zu genießen bevor der ungleich kältere Herbst einfallen würde. Als sich die junge Frau ihrem Dorf näherte, erschrak sie jedoch, denn dunkle Rauchwolken kündigten bereits aus der Ferne großes Unheil an. Teelana beschleunigte ihren Schritt, fing gar an zu rennen, nur um abrupt stehen zu bleiben, als sie sah, dass eine Häuser ihres Dorfes in Flammen standen. Schreie ertönten und wurden überlagert von Schüssen aus Strahlengewehren. Erst als Teelana schließlich ihr Dorf betreten und sich dem Marktplatz genähert hatte, erblickte sie die Ursache für das Unheil: Ein pechschwarzes Raumschiff war dort gelandet und dessen Besatzung terrorisierte nun die Dorfbewohner. Der Flugkörper war eigentlich nicht sehr groß, bot vermutlich nur Platz für eine handvoll Reisende, doch das war groß genug, um den kleinen Marktplatz fast vollständig auszufüllen. Teelana hatte sich in einer Häusergasse hinter ein paar Fässern versteckt und versuchte von dort einen Blick auf die Invasoren zu erhaschen. Sie erblickte zwei metallisch glänzende, graue Ritter, die mit Handfeuerwaffen bewaffnet waren und die Dorfbewohner zusammen trieben. Die Flammen waren mittlerweile gelöscht, scheinbar hatten die Eindringlinge lediglich ihre Überlegenheit demonstrieren wollen. Gerade als Teelana überlegt, wie sie ihren Freunden und Bekannten helfen könnte, legte sich plötzlich von hinten eine fremde Hand über ihren Mund und zog sie zurück.

„Keine Angst, ich tue dir nichts.“ Die Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Teelana drehte sich um und erblickte einen jungen Mann, der kaum älter als sie zu sein schien. Dennoch trug er bereits eine Rüstung. Selbige war so schwarz wie das Raumschiff der Invasoren und Teelana überlegte, ob sie dem Fremden wirklich trauen könnte.

 

 

„Mein Name ist Shuyin. Ich bin ein galaktischer Krieger und bin hier, um euch zu helfen.“

Teelana kannte die Geschichten über jene Reisende, die von Stern zu Stern reisten und über das Weltall wachten. Doch bis zu jenem Tag war es ihr schwer gefallen daran zu glauben. Dennoch spürte sie instinktiv, dass der junge Mann vor ihr die Wahrheit sagte und beschloss ihm zu vertrauen.

„Ich bin Teelana. Wer sind diese Fremden und was wollen sie?“

 „Das sind Späher der Wilden Horde. Sie haben den Auftrag neue Welten ausfindig zu machen, die sie ihrem Reich einverleiben können.“

„Die Wilde Horde? Nie davon gehört.“

„Ein riesiges Imperium, das sich über viele Sonnensysteme erstreckt und dessen Anführer ein grausamer Tyrann namens Hordak ist. Die galaktischen Krieger befinden sich seit vielen Jahren im Krieg mit der Wilden Horde und noch ist kein Ende in Sicht. Wir haben Hinweise erhalten, dass die Horde einen Spähtrupp nach Eternia geschickt hat, daher bin auch ich hier.“

„Was können wir tun?“ Teelana war sichtlich verängstigt.

„Bring dich in Sicherheit! Ich werde Verstärkung anfordern und dann werden wir die Eindringlinge von eurem Planeten vertreiben.“

„Ich werde nicht fliehen, wenn meine Freunde und meine Familie mich brauchen!“, protestierte Teelana. „Diese beiden Ritter werden wir beide ja wohl gemeinsam zur Strecke bringen können.“

„Nur das es sich dabei um keine Ritter handelt. Das sind Kampfroboter der Horde, sogenannte Trooper. Aber auch sie sind nicht unser größtes Problem. Ich mache mir vielmehr Sorgen um ihren Anführer. Komm jetzt, uns bleibt nicht viel Zeit.“

Shuyin packte Teelana am Arm und zog sie hinter sich her. Er verstand nicht, warum die junge Frau so widerspenstig war und sich nicht einfach irgendwo verstecken konnte. Er wollte sie aber auch nicht allein zurücklassen. Womöglich würde sie eine Dummheit wagen und dabei sogar ums Leben kommen.

„Ich habe auf dem Marktplatz keinen Anführer entdecken können. Bist du sicher, dass diese Trooper nicht auf eigene Faust handeln?“

„Sehr sicher. Ich habe ihren Anführer bereits identifiziert. Es handelt sich dabei um eines von Hordaks abscheulichsten Experimenten. Eine Art Insektenmensch, der sich vom Blut seiner Opfer ernährt und sich Mosquitor nennt.“

Teelana wurde plötzlich ganz blass im Gesicht. Shuyin bemerkte zu spät, dass dies nicht eine Folge seiner Ausführungen war, sondern dem Umstand zu schulden war, dass Mosquitor leibhaftig hinter ihm aufgetaucht war. Er versuchte noch sich zu drehen, um den Angriff abzuwehen, aber es war zu spät. Mosquitor betäubte Shuyin und Teelana mit einem Lähmungsstrahl.

 

 

*

 

Als Teelana aufwachte, hörte sie bereits Shuyins Schreie. Die Wilde Horde hatte sie zusammen mit ein paar anderen Dorfbewohnern in einem provisorischen Gefängnis - einem alten Lagerhaus - eingesperrt und verhörte den galaktischen Krieger in einem der angrenzenden Räume. Teelana stand mit schmerzverzerrtem Gesicht auf und sah sich um. Um sie herum saßen zusammengekauert ein paar Frauen in ihrem Alter, einige Kinder und ein alter Mann.

„Wenn er Glück hat, stirbt er in der ersten Nacht des Verhörs.“ Die Worte des alten Mannes waren an Teelana gerichtet. Diese konnte sie jedoch nicht direkt zuordnen.

„Was meinen sie damit?“

„Ich spreche von ihrem Freund da draußen. Ich habe gesehen wie dieses Insektenmonster seine Gefangenen foltert. Es rammt ihnen seinen Stachel in die Brust und trinkt ihr Blut. Die armen Opfer müssen dabei Höllenqualen durchleiden.“

„Bei den Göttern. Wir müssen doch etwas tun können!“

„Es gibt nichts was wir ausrichten könnten.“ Die Stimme des Alten klang niedergeschlagen und schwach. „Wenn es doch nur die alte Burg noch geben würde, die bereits zu Zeiten des Zauberkönigreiches die Bewohner Eternias beschützt hat.“

„Halt den Mund, Alter!“, zürnte eine der Frauen. „Ich kann deine senilen Geschichten nicht mehr hören. Wann lernst du endlich, dass es nur hohle Geschichten sind, die kein Fünkchen Wahrheit in sich tragen?“

„Ich möchte die Geschichte aber gerne hören.“, erwiderte Teelana entschlossen. „Erzähl mir doch bitte mehr von dieser Burg.“ 

„Man nennt sie die Burg der Zeitlosen oder auch Castle Grayskull. Den alten Liedern zufolge hat dort einst ein großer Held namens He-Ro gelebt und ganz Eternia vor den Mächten des Bösen beschützt. Heute gibt es jedoch keine Helden mehr und auch keine Burg der Zeitlosen.“

„Wieso bist du dir da so sicher?“

„Nun ja, die alten Lieder beschreiben den Standort der alten Burg eigentlich ziemlich genau. Doch wenn man diesen Ort aufsucht, wird man nichts finden. Castle Grayskull ist von einem Tag auf den nächsten einfach aus den Geschichtsbüchern Eternias verschwunden. Niemand weiß weshalb. Es heißt aber, dass in Zeiten größter Not, Castle Grayskull zurückkehren werde.“

Teelana dachte lange nach, nachdem sie die Worte des alten Mannes vernommen hatte. Schließlich traf sie eine schwerwiegende Entscheidung.

„Eine fremde Macht ist auf Eternia eingefallen.“, erklärte sie dem Alten. „Das bedeutet, dass wir uns in Zeiten großer Not befinden. Bitte erzähle mir, wo sich dieses Schloss befinden soll. Wenn du mir hilfst, zu entkommen, schwöre ich, dass ich nicht eher ruhen werde bis ich Castle Grayskull gefunden habe.“

Hoffnung flammte in den Augen des alten Mannes auf. Noch nie hatte er es erlebt, dass ein junger Mensch solche Leidenschaft für die alten Geschichten gezeigt hatte. Er wusste nicht, ob es Teelana gelingen würde, die Burg der Zeitlosen zu finden, immerhin waren viele vor ihr inklusive ihm daran gescheitert. Doch sie mussten es versuchen und so gelang noch in der gleichen Nacht Teelana mit Hilfe des alten Mannes die Flucht aus dem Gefängnislager der Wilden Horde. 

 

*

 

Die Sonne brannte erbarmungslos auf Teelana herab. Sie hatte nun schon mehrere Tage nach dem alten Schloss gesucht. Vergeblich. Die Beschreibung des alten Mannes hatte sie in die Wüste der Zeit geführt. Dort sollte das Gebäude, das ihr und ganz Eternia Trost spenden sollte, angeblich stehen. Doch außer glühendem Sand und einigen Felsen war hier weit und breit nichts zu sehen. Teelana brach erschöpft zusammen. Ihr Wasservorrat war aufgezehrt und sie war am Ende ihrer Kräfte.

„Hilfe... ich brauche Hilffe... bitte... irgendjemand...“

Gerade in dem Moment, in dem sie aufgeben wollte, erschien vor den Augen Teelanas plötzlich eine alte Burg, welche die Form eines riesigen, grauen Knochenkopfes hatte. Die Zugbrücke, die in das Maul des Schädels eingearbeitet, senkte sich plötzlich und die Stimme einer alten Frau hallte Teelana aus dem Innern der Burg entgegen.

„Du, die du Hilfe suchst, tritt ein. Aber bedenke: Wenn du die Mauern von Schloss Grayskull erst einmal betreten hast, dann wirst du nie wieder die sein, die du jetzt bist.“

Teelana wusste nicht, ob das Gebäude vor ihren Augen echt war oder ob es sich nur um eine Fatahmorgana handelte. So oder so - sie hatte nichts mehr zu verlieren. Also trat sie ein...

 

*

 

Die Frau im Federkleid stellte sich Teelana als Kuduk Ungol vor. Sie war die Hüterin von Castle Grayskull und führte die junge Frau in die wichtigsten Geheimnisse der Burg ein. Den Rest sollte sie sich über die Jahre hinweg selbst aneignen. Dazu stand ihr eine riesige Bibliothek zur Verfügung, diverse Labore, Räume voller Magie und Wunder und schließlich die Kammer der Geheimnisse, Castle Grayskulls vielleicht größter Schatz.

„Du wirst nun in den See der Macht eintauchen.“, erklärte Kuduk Ungol. „Dort wird das Schloss dich einer letzten Prüfung unterziehen. Wenn es dich für würdig erachtet, wirst du verändert daraus hervorgehen. Sollten deine Ziele jedoch von Machtgier und Egoismus geprägt sein, wirst du darin verbrennen.“

Teelana bestand die Prüfung und stieg als roter Falke aus dem See der Macht empor.

„Viel Glück.“, wünschte sie dem Tier als sie ihm nachsah wie es seinem Schicksal entgegen flog.

 

*

 

Ein von großem Blutverlust geschwächter Shuyin kauerte vor Mosquitor auf dem Boden. Die Mitglieder der Wilden Horde hatten den galaktischen Krieger aus dem Dorf herausgebracht, um ihn an einer abgelegenen Stelle sterben zu lassen.

 

 

„Falls es dich tröstet: Du bist nicht der Erste, der dem glorreichen Eroberungsfeldzug Eternias durch die Wilde Horde zum Opfer fällt und ganz sicher auch nicht der Letzte.“ Mosquitor wollte Shuyin gerade seinen Stachel zum Todesstoß ansetzen, als der Schrei eines Adlers ihn aufschreckte.

„Lästiges Vieh!“, knurrte er und wandte sich an die beiden Trooper, die an seiner Seite standen. „Schießt ihn ab.“

Doch so sehr es die beiden Roboterkrieger auch versuchten, sie verfehlten den Adler stets.

„Unfähiges Pack!“ Mosquitor riss einem der Trooper die Strahlenwaffe aus der Hand und wollte gerade selbst sein Glück versuchen, als der Adler in seine Richtung einen Sturzflug machte und magische Blitze aus seinen Augen abfeuerte. Diese trafen genau auf die Strahlenwaffe, so dass Mosquitor sie voller Schreck fallen ließ. Nun setzte der Adler zur Landung an und verwandelte sich in einer wunderschöne Frau. Nur Shuyin erkannte, um wen es sich dabei handelte. Es war Teelana, die nunmehr nur noch als Sorceress von Castle Grayskull bekannt sein sollte.

 

 

„Eindringlinge!“, rief sie mit entschlossener Stimme. „Ihr seid auf Eternia nicht erwünscht. Verlasst diesen Planeten und kehrt nie wieder zurück!“

„Dummes Weibsbild!“, zischte Mosquitor. „Ich werde es genießen, dein Blut zu trinken.“

Doch so sehr es der blutdurstige Horde-Krieger auch versuchte, weder er noch seine Helfer bekamen die Sorceress zu fassen. Immer wenn sie kurz davor standen, nach der jungen Frau zu greifen, verschwand sie auf magische Weise und tauchte an anderer Stelle wieder auf. Als sie lange genug mit ihren Feinden gespielt hatte, ließ sie Blitze vom Himmel fahren und jagte die Hordemitglieder davon. Ängstlich rannten sie in Richtung ihres Raumschiffes. Allerdings nicht ohne zuvor eine Drohung auszustoßen. „Mit uns kannst du es vielleicht aufnehmen, du Hexe. Aber nicht mit der geballten Macht der glorreichen Wilden Horde!“

„Du musst sie aufhalten!“, keuchte Shuyin schwer verletzt. „Wenn sie ihr Hauptquartier verständigen, ist Eternia verloren.“

„Keine Angst. Meine magischen Kräfte blockieren ihren Funk.“

Plötzlich erschallte das laute Geheul startender Turbinen und das Horde-Raumschiff startete in Richtung Weltall. Amüsiert schüttelte die Sorceress den Kopf und ließ ein gigantisches Dimensionstor erscheinen, welches das Schiff verschlang.

„Wo hast Du sie hingeschickt?“, fragte Shuyin, der vom Umfang der magischen Kräfte der Sorceress überrascht war.

„An einen weit entfernten Ort außerhalb unserer Galaxie. Wenn sie ihre Heimatwelt erreichen, werden wir für sie bereit sein.“

„Du hast Castle Grayskull also gefunden.“, stellte Shuyin geradezu beiläufig fest, während ihm die Sorceress aufhalf. Überrascht sah diese ihn an.

„Jedes Kind kennt die Legende von der Burg die an der Grenze zwischen Licht und Schatten erbaut wurde.“ Shuyin grinste, wurde dann aber augenblicklich wieder ernst. „Keine Angst, dein Geheimnis ist bei mir sicher, Teelana.“

Nachdem die Sorceress Shuyin mit ihren magischen Kräften geheilte hatte, kehrte sie nach Castle Grayskull zurück, um von nun an über die Burg zu wachen. Als sie dort ankam, war Kuduk Ungol längst verschwunden.

 

*

 

„Ich hatte ja keine Ahnung, Sorceress.“ Teela war sichtlich von der Geschichte beeindruckt. „Ich glaube auch zu verstehen, warum du sie mir erzählt hast. Die Wilde Horde kann besiegt werden. Bereits eine einzelne Frau kann sehr viel ausrichten.“ Teela stand auf und betrachtete ihr Schwert. „Ich werde dich und die anderen Meister des Universums nicht enttäuschen.“

Die Sorceress lauschte geduldig Teelas Worten. Sie war froh, dass ihre Tochter neuen Mut fand. Doch war dies nicht der einzige Grund, weshalb sie ihr die Geschichte erzählt hatte.

„Ich bin noch nicht fertig mit der Erzählung.“, sagte sie mit der für sie typischen, sanften Stimme. Teela zeigte sich überrascht. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ihr die Sorceress mehr ihrer kostbaren Zeit schenkte als nötig.

„Du musst wissen, dass Shuyin mich in den darauf folgenden Monaten immer öfter besuchte und wir mit der Zeit starke Gefühle füreinander entwickelten. Aus der Liebe, die uns verband, sollte sogar ein Kind entstehen.“  

Traurigkeit trübte den Blick der Zauberin als sie weiter erzählte.

„Doch es war unmöglich für uns das Leben einer normalen Familie zu führen. Ich spürte wie die Mächte des Bösen an Stärke gewannen und in meinen Visionen sah ich großes Unheil auf Eternia zukommen. Ich gebar eine wunderschöne Tochter und musste kurz darauf die schwerste Entscheidung meines Lebens treffen. Da ich dem Kind in meinen Armen eine unbeschwerte Kindheit wünschte, blieb mir nichts anderes übrig als es wegzugeben.“

Tränen liefen die Wangen der Zauberin herab und auch Teela war von der Geschichte zutiefst bewegt, wenngleich sie noch nicht ahnte worauf sie hinauslaufen sollte.

„Ich beschloss meine Tochter in die Obhut eines alten Freundes zu geben, den ich noch aus meiner Zeit als normale Frau kannte. Er war einer der mutigsten und aufrichtigsten Menschen, die ich kannte. Wenn jemand in Frage kam, meine Tochter groß zu ziehen, dann er.“ Die Sorceress hielt kurz inne, holte tief Luft. „Man nannte ihn Man-At-Arms. Es war der Mann, den du als Vater kennst, meine Tochter.“

Teela brauchte einen Moment bis sie die Worte der Zauberin verarbeiten konnte. Tränen der Freude offenbarten ihre Gefühle und sie umarmte zum ersten Mal im Leben bewusst ihre Mutter.

 

 

*

 

Nachdem die Sorceress das Zimmer schließlich verlassen hatte, betrachtete sich Teela lange Zeit im Spiegel. Sie ließ die Geschichte der Zauberin vor ihrem inneren Auge Revue passieren und traf wie einst ihre Mutter, eine bedeutsame Entscheidung. Sie schwor sich, die Wilde Horde von Eternia zu vertreiben, koste es was es wolle.

Teela öffnete ihre Brosche und ließ sich ihr langes, rotes Haar über die Schultern fallen. Wenn sie die Haare offen trug, reichten sie ihr bis zu den Kniekehlen. Sie streifte sich ein paar Mal durch das Haar, ganz so wie es ihr Vater getan hatte, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war. Dann griff sie zur Schere und schnitt es sich ab. Nicht vollständig, gerade so kurz, dass sie es sich hochstecken konnte. So wie einst Teelana nicht mehr als dieselbe Person aus Castle Grayskull zurückgekehrt war, so ließ nunmehr auch Teela ihr altes Ich in den Mauern des Schlosses zurück.

 

 

*

 

„Hast Du ihn brechen können, Leech?“ Hordak war höchstpersönlich in den Kerker des Königspalastes hinab gestiegen, um zu sehen, ob sein neuer Folterknecht Fortschritte bei dem Gefangenen erzielt hatte.

„Noch nicht. Aber glaubt mir, großer Herrscher, es wird nicht mehr lange dauern.“

Leech, das teuflische Saugmonster, setzte einen seiner Saugnäpfe an die rechte Gesichtshälfte des Gefangenen und führte ein mit kleinen Widerhaken besetztes Tentakel in dessen Ohr, um seinem Opfer die Kraft zu entziehen. Ein Vorgang, der dem Gefangenen offensichtlich größte Pein bereitete. Hordak labte sich für einige Minuten daran und beugte sich dann zu dem Gefangenen vor, um ihm etwas in sein linkes, freies Ohr zu flüstern.

„Auch Du wirst vor der Wilden Horde niederknien. Es ist nur eine Frage der Zeit.“

Dann verließ Hordak die Folterkammer. Er sah gerade noch wie Leech seinen zweiten Saugnapf in Richtung des freien Ohrs des Gefangenen bewegte. Dann schloss sich die Tür hinter ihm. Nur wenige Augenblicke später erklang der schmerzerfüllte Schrei  des Mannes, den sie den größten Helden von Eternia nannten.

 

Fortsetzung folgt…

 

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