"Der Friede verlangt Lösungen, die wir aber nie erreichen, obwohl wir ständig an ihnen arbeiten.
Eine festgelegte Lösung ist, laut Definition, eine tote Lösung.
Der Verdruß, den einem der Friede bereitet, liegt darin, daß er darauf abzielt, Fehler zu verdammen, anstatt einen guten Vorschlag zu belohnen."
- Aus den Chroniken von Avion
Südöstlich von den Immergrünen Wäldern, tief in den Landen von Arcadia befinden sich die fliegenden Berge. Niemand weiß, warum diese gigantischen Gesteine sich einst in die Lüfte erhoben haben und nun zwischen den Wolken schweben. Manch einer ist dem Glauben verfallen, die Berge wären schon immer in dieser Höhe zu finden gewesen. Andere wiederum sind der festen Überzeugung, dass die Ursachen für dieses außergewöhnliche Phänomen in der Magie zu suchen seien. Was auch immer letzten Endes der wahre Grund sein mag, die fliegenden Berge übten seit je her eine faszinierende Wirkung auf jene aus, die vom Boden zu ihnen hinauf sahen.
Vor Tausenden von Jahren, lange vor der Gründung der Stadt Eternis, richteten die Vogelmenschen an diesem Ort ihr Heim ein. Sie schlugen eine gewaltige Stadt in den Größten der fliegenden Berge und gaben ihr den Namen Avion.
Hunderte von Jahren lebten die Vogelmenschen an jenem Ort, abgetrennt von jeglichen Äußeren Einflüssen. Es war die Zeit, in der der alte Feind Eternia heimsuchte, als das Volk der Avionier seine selbst gewählte Isolation aufgab und Seite an Seite mit den anderen Völkern Eternias kämpfte, um die dunkle Bedrohung abzuwenden. Seit jener Zeit ist der Name Avion jedem auf Eternia lebenden Manne ein Begriff, der das Schicksal eines Kriegers gewählt hat. Aber auch jene, die nicht um die Rolle Avions in der Geschichte wissen, flüstern diesen Namen voller Ehrfurcht.
Doch seit die Stadt der Lüfte existiert, gibt es auch jene, die voller Neid auf sie blicken und nichts sehnlicher herbeiwünschen, als ihren Untergang.
Als Stratos an jenem Morgen von seinem täglichen Rundflug zurückkehrte, erwartete ihn bereits seine Frau. Sie stand auf dem Balkon ihres gemeinsamen Gemaches und begrüßte ihren Gatten mit einem zärtlichen Kuss.
„Eine beängstigende Unruhe hat sich über das Land gelegt.“, murmelte Stratos besorgt und führte seine Gemahlin nach drinnen. „Der alte Feind ist zurückgekehrt und wartet nun im Verborgenen auf seine Chance.“
„Über die Rückkehr der Wilden Horde wissen wir doch schon seit längerem bescheid.“, erwiderte Amalia. „Was ist es wirklich, das dich bedrückt, Geliebter?“

„Die Unruhe, die ich heute wahrnahm, hat nichts mit der Wilden Horde zu tun.“ Der Herr der Lüfte fuhr sich nachdenklich mit einer Hand durch den Bart. „Es ist etwas anderes. Etwas das mindestens genauso gefährlich und böse ist.“
*
„Salutiert!“, Teelas Stimme war laut und kräftig. Auf ihren Befehl hin, salutierten zehn in einer Reihe stehenden Soldaten, die ihrer Uniform zufolge eindeutig der königlichen Wache zuzuordnen waren, vor ihr und Adora.
Unsicher darüber, welche Rolle sie bei diesem militärischen Zeremoniell spielte, lächelte die erst kürzlich in den Rang einer Prinzessin aufgestiegene Frau höflich und hoffte dabei keines der unzähligen Hofprotokolle zu verletzen.
„Wegtreten!“ Es war wieder Teelas laute Stimme, die über den Innenhof des Königspalastes hallte. Als sich die Soldaten kurz darauf entfernt hatten, wandte sich die Oberbefehlshaberin der königlichen Wache an Adora.
„Es tut mir leid, dass nur so wenige Soldaten anwesend waren bei eurer ersten Inspektion des Heeres, Prinzessin. Aber ihr müsst wissen, dass ein Großteil der Wache abkommandiert wurde, um der Bevölkerung im Norden gegen die dort stattfindenden, großflächigen Überschwemmungen zu helfen.“
„Ich habe davon gehört.“ Adora schwieg einen Moment. Überlegte, was sie sagen solle. Erneut stieg Unsicherheit in ihr auf. „Ich- uhm…“ Sie suchte nach den richtigen Worten und überlegte, wie sie die Frau, die ihr gegenüberstand, anreden sollte. Sie hatte gehört, wie der König sie einfach nur ‚Teela’ nannte. Aber konnte sie sich mit gleicher Vertrautheit an sie wenden oder sollte sie doch lieber den Rang benutzen? Noch während sie überlegte, hatte sich ihr Mund bereits geöffnet: „Man-At-Arms sagte mir, dass ihr mit meinem Bruder sehr eng befreundet seid.“
„Das ist richtig.“
„Meine Bitte klingt in euren Ohren vielleicht etwas seltsam, aber würdet ihr mir ein wenig von ihm erzählen? Was ist er für ein Mensch? Ich- Ich konnte ihn leider noch nicht kennen lernen.“
„Adam ist eine wundervolle Person. Er ist manchmal ein wenig naiv, aber sein Herz sitzt am rechten Fleck.“
„Ihr nennt meinen Bruder ‚Adam’?“
„Ja, das ist richtig.“
„Aber- Aber warum nennt ihr mich die ganze Zeit über so förmlich ‚Prinzessin’?“
„Nun ja…“, Teela zögerte ein wenig. „Ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob es euch Recht ist, wenn ich euch mit eurem Namen anspreche und…“
Teela brach ab, als Adora zu kichern begann.
„Was habt ihr?“
„Ach nichts.“, lachte die Prinzessin. „Es ist nur, dass ich mir ebenfalls den Kopf darüber zerbrochen habe, wie ich euch als Oberbefehlshaberin der königlichen Wache korrekt anzusprechen habe.“
Nun musste auch Teela lachen. Mit einem Mal war die Anspannung, die die ganze Zeit über in der Luft gelegen hatte, wie weggeblasen.
„Dann werde ich dich von nun an duzen und dich einfach nur mit Teela ansprechen – ganz so wie mein Bruder es tut. Du kannst mich natürlich auch Duzen.“
„Einverstanden, Adora.“
„Und nun erzähl mir doch bitte noch ein wenig mehr von Adam.“
*
Als Stratos auf den großen Platz trat, wurde er von seiner Schwester begrüßt. Sie tauschten ein paar Worte aus und erkundigten sich nach dem Wohlbefinden des jeweils anderen.
Dann kam Eleysa gleich auf den Punkt:
„Stratos, einer unserer Späher ist von einem Routine Überwachungsauftrag nicht zurückgekehrt. Ich mache mir Sorgen.“
„Wo war er stationiert?“
„In den nördlichen Bergen. Ich fürchte, dass ihm etwa-“
Eleysa hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als eine der Wachen auf sie zugestürmt kam und ihr berichtete, dass der Vermisste heimgekehrt war. Die erste Erleichterung wich jedoch ernsthafter Sorge, als den beiden Geschwistern mitgeteilt wurde, dass der Späher schwer verletzt in Avion eingetroffen war. Unverzüglich eilten Stratos und Eleysa in das Militärkrankenhaus, in dem der Betroffene behandelt wurde.
Ein Bild des Schreckens offenbarte sich ihnen. Der Körper des Vogelmannes war mit schweren Verbrennungen überzogen. Ihr ungleichmäßiges Auftreten ließ auf das Werk von Strahlenwaffen schließen.
Stratos blickte zum behandelten Arzt. Dieser schüttelte traurig den Kopf. Der mutige Krieger hatte seine letzte Kraft darauf verwandt, die Stadt der Lüfte zu erreichen und seinem Herrn eine wichtige Botschaft zu überbringen. Nun neigte sich seine Lebenskraft unaufhörlich dem Ende und kein Mediziner konnte daran noch etwas ändern. Was jetzt noch zählte, war einzig und allein die Mission zu beenden.
„Lord Stratos.“, keuchte der Sterbende mit letzter Kraft.
Der Angesprochene ergriff die Hand seines Soldaten.
„Lord Stratos… die Gnome… sie kommen. Hunderte. Tausende. Wir müssen… Avion… darf nicht… fallen.“
„Avion wird nicht fallen.“, antwortete Stratos. „Dank deines mutigen Einsatzes sind wir vorbereitet.“
Die letzten Worte seines Herrn bekam der Soldat nicht mehr mit. Er war tot.
„Stratos…“, Eleysa berührte sanft die Schulter ihres Bruders.
Vollkommen gefasst und mit fester Stimme antwortete er ohne seinen Blick von dem Toten abzuwenden. „Versetze die Truppen in Alarmbereitschaft. Wir dürfen die Gnome nicht unterschätzen. Sie sind ein starker Gegner.“
„Verstanden.“
„Noch etwas…“
„Ja?“
„Benachrichtige die Masters. Es ist Avions dunkelste Stunde. Wir brauchen sie.“
*
Adora lächelte, als sie nur von Cringer begleitet durch den Schlosspark spazierte.
Sie hatte sich auf Anhieb mit Teela verstanden. Die junge Kriegerin hatte ihr sehr imponiert. Sie war zielstrebig und selbstbewusst. Charaktereigenschaften, über die Adora nicht verfügte.
Oh ja, in ihrem Innern hatte sie in der Vergangenheit schon so manch wagemutige Entscheidung getroffen gehabt, aber oft fehlte ihr der Mut nach Außen zu bringen, was sich in ihrem Herzen befand.
Allerdings verfügte die Prinzessin von Eternia über eine andere, sehr seltene Gabe. Sie war eine Meisterin im Beobachten anderer Menschen – oft vielen ihr die subtilsten Gesten auf, die ihr Gegenüber an den Tag legte. Teela war da keine Ausnahme.
Adora hatte schnell bemerkt, dass ihre neu gewonnene Freundin Gefühle für den Prinzen hegte. Immer wenn sein Name gefallen war, hatte sich ein Lächeln auf ihre Lippen gezaubert. Es war kaum sichtbar gewesen und jeder andere hätte es vielleicht übersehen, aber Adora war es aufgefallen.
Die Prinzessin strich Cringer liebevoll über das Fell.
Vielleicht hatten die beiden Frauen doch mehr gemeinsam, als sie zunächst dachte.
Sie beide hatten Gefühle für Adam – auch wenn ihre Liebe unterschiedlicher Natur war.
Als Adora an einem großen und kräftigen Baum vorbeikam, hielt Cringer plötzlich inne.
Traurig legte sich die Katze in den Schatten des Baumes und schloss die Augen.
„Hier liegst du wohl immer, zusammen mit Adam, oder Cringer?“ Adora kniete sich nieder und versuchte sich ihren Bruder vorzustellen. Bisher kannte sie nur das Aussehen He-Mans. Adams Gesicht kannte sie nur von Gemälden, die sie im Palast gesehen hatte.
„Er fehlt mir auch Cringer. Mehr als du dir vorstellen kannst.“
Adora…
Die Prinzessin schreckte auf.
Ein Gedankenruf der Sorceress hatte sie erreicht. Sie beruhigte ihren Geist. Öffnete ihn für die Worte der Hüterin von Grayskull. Doch es vergingen mehrere Sekunden, die schließlich zu Minuten wurden, ohne, dass sie etwas hörte. Als die Stimme der Sorceress schließlich wieder erklang, war sie schwach und so leise, dass Adora sie kaum hören konnte.
Grayskull ist in Gefahr! Skeletor ist-
Die Worte brachen mittendrin ab. Instinktiv griff Adora nach ihrem Schwert, vergewisserte sich, dass sie nicht beobachtet wurde und sprach dann die magischen Worte:
„Für die Ehre von Grayskull! Ich bin She-Ra!“

She-Ra wollte gerade aufbrechen, um die Masters zu rufen, da fing sie Man-At-Arms ab.
„Ein Glück, dass ich dich treffe, She-Ra. Ich habe schlechte Nachrichten-“
„Ich weiß bereits bescheid, Man-At-Arms. Die Sorceress hat mir einen Gedankenruf geschickt. Ich wollte gerade die Masters rufen.“
„Das habe ich bereits getan. Sie warten im Hangar auf uns. Wir werden mit einer Wind-Rider-Flotte nach Avion fliegen.“
She-Ra blieb abrupt stehen. „Nach Avion? Aber wieso? Grayskull ist doch in Gefahr.“
„Wie?“ Nun hielt auch Man-At-Arms inne. „Oh nein, das kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.“
„Wir müssen unsere Kräfte aufteilen. Ich werde allein nach Grayskull eilen und-“
„Nein, das wirst du nicht.“
Man-At-Arms musste sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass es nicht der Junge war, der nun an seiner Seite kämpfte. Adam kannte den Großteil der Masters of the Universe seit frühster Kindheit. Er vertraute ihnen und sie vertrauten ihm. Schon als Kind wurde er darauf vorbereitet einmal König zu sein und sie anzuführen.
Diese Selbstverständlichkeit bei Adora nicht gegeben. Die Masters sind für sie Fremde.
Er wird nicht noch einmal den Fehler machen und die Tochter des Königs verlieren.
„Die Masters werden dich nach Grayskull begleiten, She-Ra. Dank der großen Zahl an Kriegern werden wir unseren Feind zügig besiegen und können dann schnell weiter nach Avion ziehen.“
Rein instinktiv wollte She-Ra widersprechen, ließ es dann aber doch bleiben. Der Waffenmeister von Eternia hatte viel mehr Erfahrung im Kampf als sie und wusste sicherlich was er tat. Wenn sie ihm widersprechen würde, würde er sie wahrscheinlich erst recht für unfähig halten. Sie nickte also und beide machten sich auf den Weg.
*
Die Strahlenwaffen der angreifenden Flotte setzten den Schutzschilden von Avion stark zu. Es war nur eine Frage der Zeit bis sie in sich zusammenbrechen würden und die Gnome in der Stadt einfallen würden. Stratos, der Herr von Avion, war derweil damit beschäftigt die Verteidigung zu organisieren. Er gab rasche Befehle an verschiedene Kampfverbände und hoffte innerlich, dass er jede Eventualität bedacht hatte. Ein junger Bote näherte sich ihm rasch und brachte die lang ersehnte Nachricht aus Eternis.
„Wie viele Mann schicken sie?“, fragte Stratos. Seine Stimme kämpfe gegen den Lärm der Waffen an.
„Keinen.“, war die knappe Antwort des Boten.
Mit dieser Eventualität hatte Stratos nicht gerechnet.
*
Die Hüterin von Castle Grayskull hatte zum Schutz einen Energieschirm um das Schloss errichtet, aber ihre Kräfte schwanden mit jeder Minute, die verging. Sie war bereits jetzt zu schwach, um eine Gedankenverbindung zu She-Ra aufzubauen. Es war niemand geringeres als Skeletor, der unentwegt magische Energiebälle auf den Schutzschild abfeuerte und dabei von Evil-Lyn unterstützt wurde.
„Nicht mehr lange und das Schild bricht in sich zusammen.“, lachte Skeletor. „Dann gehört Grayskull endlich mir.“
Doch der Herr des Bösen hatte seine Rechnung ohne die Masters of the Universe gemacht. Eine kleine Flotte von Wind-Ridern näherte sich Grayskull und landete in sicherer Entfernung. Keine Sekunde zu früh, denn genau in dem Moment, als der letzte Wind-Rider den Boden berührte, brach das Schutzschild des Schlosses in sich zusammen.
„Ausgezeichnet.“ Skeletor ließ vom Schloss ab und sah in Richtung der Masters. „Bericht, Tri-Klops!“
„Es handelt sich um Man-At-Arms, Buzz-Off, Fisto, Snout Spout, sowie Sy-Klone, Teela und Man-E-Faces.“, teilte der Späher des Bösen seinem Herrn mit. „Dieser weibliche He-Man Ersatz ist auch mit dabei.“

„Was sollen wir tun?“, fragte Trap-Jaw, der sich zum Kampf bereit machte.
„Abwarten.“ Sehr zum Erstaunen seiner Diener senkte Skeletor seinen Widderstab und ließ die Masters geduldig näher kommen. Diese waren nicht minder überrascht von Skeletors Verhalten, hatten aber in Hinblick auf die Ereignisse in Avion keine Zeit sich groß mit Skeletors seltsamen Verhalten auseinander zu setzen – bis sie plötzlich von beinahe unsichtbaren, klebrigen Fäden aufgehalten wurden. Je mehr sie sich gegen die Fäden wehrten, desto stärker verstrickten sie sich in ihnen.
„Was ist das?“, keuchte Fisto.
„Man könnte meinen, es sei ein übergroßes Spinnennetz.“ Diese Feststellung kam von Buzz-Off, der wie alle anderen Verteidiger Eternias sich in den Fäden verfangen hatte.
„Es ist ein übergroßes Spinnennetz.“ Eine ihnen unbekannte Stimme erklang hinter den Masters. „Darf ich mich vorstellen? Ich bin Webstor, der unheimliche Spinnenmensch. Ich bin Skeletors neuster Verbündeter und ihr seid mir direkt in die Falle gegangen.“

*
Die Schlacht in Avion verlief äußerst schlecht für die Vogelmenschen. Die Schutzschilde, welche die Stadt der Lüfte umgeben hatten, waren zusammengebrochen und die Gnome waren in die Straßen Avions vorgedrungen. Überall gab es nun kleine Geplänkel zwischen den Invasoren und den Verteidigern der Stadt. Der Hauptschauplatz der Schlacht war allerdings der Markplatz von Avion. Stratos hatte dort einen Großteil seiner Soldaten versammelt und mit Hilfe von aufgestapelten Sandsäcken eine letzte Befestigung gegen den Feind errichtet. Würde diese Bastion fallen, würde Avion ihr bald folgen.
„Die Gnome sind einfach zu zahlreich, Herr.“, rief ein Soldat, der sich direkt neben dem Herrn der Lüfte positioniert hatte und mit einer Laserkanone auf die sich nähernden Feinde schoss. „Und unsere Munition ist begrenzt. Wenn das so weitergeht, können wir diesen Standort höchstens noch eine Stunde halten.“
„Wir müssen den Marktplatz um jeden Preis halten.“, erwiderte Stratos mit lauter Stimme, um den Lärm der Strahlenwaffen zu übertönen. „Falls die Gnome den zentral liegenden Marktplatz einnehmen, können sie ohne Probleme in jede Ecke der Stadt vordringen.“
„Aber Herr! Unsere Mittel sind begrenzt.“
„Nicht aufgeben, Soldat! Noch sind wir nicht besiegt. Außerdem haben wir noch ein letztes Ass im Ärmel.“
„Redet ihr von den Masters of the Universe, Herr? Glaubt ihr wirklich, dass sie noch kommen?“
„Nein, das nicht.“ Stratos zögerte. „Aber wir haben noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die uns Avion bietet.“
Der Soldat sah Stratos erschrocken an.
„Ihr wollt doch nicht...? Die verbotene...“
„Ich fürchte das ist unser letzter Ausweg.“
*
„Die größten Krieger des Universums: Die Masters of the Universe. In den Geschichtsbüchern wird stehen, dass ein einfaches Spinnennetz ihr Untergang war.“
Skeletor genoss den Sieg über seine Feinde. Webstor hatte She-Ra und die anderen Verteidiger Eternias mit Hilfe seiner Spinnenfäden an die umliegenden Bäume gefesselt. Skeletor begutachtete nun das Werk des Spinnenmenschen und war sehr zufrieden. Es hatte sich als glücklicher Zufall herausgestellt, dass ein Nachkomme des legendären Spinnenvolkes sich in den tiefsten Höhlen von Snake Mountain eingerichtet hatte. Da Skeletor sein Hauptquartier nicht selbst erbaut hatte, erforschte er von Zeit zu Zeit das weit verzweigte Höhlensystem des Schlangenberges und entdeckte so immer wieder neue Überraschungen. Überraschungen wie Webstor. Wer hätte gedacht, dass das Spinnenvolk doch nicht ausgestorben war? Es gehörte neben den Fischmenschen zu den ältesten Völkern Eternias und kämpfte in grauer Vorzeit gegen die Weisen. Zum Verhängnis wurden ihm angeblich die Schlangenkriege, in denen die Snakemen die Spinnenmenschen als Hauptnahrungsquelle heranzogen.
„Selbst du kannst die Netze von Webstor nicht sprengen, She-Ra.“, lachte Skeletor. „Nun sieh zu, wie ich mit meinen Kriegern Castle Grayskull übernehme. Wenn ich die Mächte der Burg dann verinnerlicht habe, werde ich mich wieder euch zuwenden und euch einem langsamen Tod zuteil werden lassen.“
Der Herr des Bösen gab seinen Gehilfen ein Zeichen, ihm zu folgen. Lediglich Webstor blieb zurück, um die Verteidiger Eternias zu bewachen. Von den Kriegern des Bösen unbemerkt hatte sich Orko zwischenzeitlich in die Nähe seiner Freunde teleportiert. Er versteckte sich hinter den Bäumen, an welche die Verteidiger Eternias gefesselt waren.
„Was ist passiert, She-Ra?“, flüsterte der kleine Trollaner. „Als ich in den Palast zurückkam, wart ihre alle bereits fort.“
„Eine lange Geschichte, Orko.“ She-Ra sprach ebenfalls mit gesenkter Stimme. „Kannst du uns hier raus helfen?“

„Aber natürlich kann ich das. So ein paar Spinnennetze sind doch für einen so großen Magier wie mich kein Problem. Sie her.“ Orko machte mit seinen Fingern ein paar flinke Bewegungen und sogleich verwandelten sich die Spinnenfäden, welche die Verteidiger von Eternia festhielten in starke Ketten.
„Was zum-?“ Webstor stellte überrascht fest, dass sich seine Fäden verwandelt hatten und ging auf die Masters zu, um das für ihn unverständliche Phänomen zu untersuchen.
„Oh, nein!“, rief Orko bestürtzt und mit viel zu lauter Stimme. „Es tut mir leid. Das wollte ich nicht. Wartet. Ich lasse die Ketten sofort verschwinden.“
„Wer oder was bist du denn?“, rief Webstor an den schwebenden Trollaner gewandt und feuerte einen seiner Spinnenfäden auf ihn. Orko konnte ausweichen und setzte zu einem magischen Konter an. Dieser funktionierte sogar und so wurde Webstor von seinem eigenen Netz gefesselt.
„Du Teufel!“, schrie er erzürnt und fiel zu Boden. „Warte nur! Ich werde dich fressen!“
„Du wirst niemanden fressen und mich schon gar nicht. Denn dazu müsstest du mich erst einmal zu fassen kriegen.“
„Orko, die Fesseln!“, rief Man-At-Arms ungeduldig.
„Die Fesseln? Welche Fesseln?“ Orko sah sich zu seinen Freunden um, die noch immer von Spinnfäden umfüllt waren. „Ach so, diese Fesseln. Entschuldigt bitte.“ Er kratzte sich am Kopf. „Wie war noch mal der Zauberspruch? Zippe-di-zapp... zippe-di-zupp... Ah nein, ich hab’s: Skeletor in Angst und Schrecken, weg sind eure Ketten!“
Kaum hatte der kleine Trollaner diesen Reim aufgesagt, verschwanden die Spinnfäden auch schon und die Verteidiger Eternias waren frei. Sogleich eilten sie die kleine Anhöhe hinauf zu Castle Grayskull, wo Skeletor gerade damit beschäftigt war, das Schlosstor zu öffnen. Fluchend nahm er zu Kenntnis, dass die Masters of the Universe sich befreit hatten und schickte ihnen seine Monsterkämpfer entgegen. Diese waren jedoch in der Unterzahl und wurden rasch von She-Ra und ihren Freunden besiegt.

„An dieser Stelle magst du vielleicht siegreich gewesen sein, She-Ra...“, Skeletor lachte hämisch. „...aber andernorts hatte man wohl nicht soviel Glück.“
Mit diesen Worten flüchtete der Herr des Bösen durch ein Dimensionstor, das Evil-Lyn errichtet hatte und durch das seine Monsterkämpfer schon entkommen waren.
„Was meinte er damit?“, fragte Orko.
„Avion!“, folgerte She-Ra voller Sorge. „Das Knochengesicht ist verantwortlich für den Angriff auf die Stadt der Lüfte. Das hier war nur ein Ablenkungsmanöver.“
„Ich ahne schreckliches.“ Man-At-Arms runzelte die Stirn. „Wir müssen schnell zu Stratos und retten was zu retten ist.“
*
Als die Verteidiger Eternias in Avion eintrafen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens. Zahlreiche Gebäude qualmten und große Teile der Stadt waren zerstört. Kaum waren She-Ra und die Anderen gelandet, wurden sie zu Stratos geführt.
„Wie konntet ihr die Gnome besiegen, wenn sie euren Berichten zufolge in der Überzahl waren?“, wollte Man-At-Arms von dem Soldaten wissen, der ihnen den Weg zeigte.
„Es sah zunächst so aus, als ob wir es nicht schaffen würden.“, erklärte dieser. „Stratos hatte aber zum Glück einen Einfall, der uns allen das Leben rettete. Er erinnerte sich an das alte Verteidigungssystem, das die Erbauer Avions eingerichtet hatten. Dieses System wurde schon vor vielen Generationen durch ein neueres abgelöst. Da die Verteidigungsanlagen jedoch in die Stadt selbst eingebaut waren, konnte das System nicht demontiert werden.“
„Interessant.“ Man-At-Ams ließ seine Blicke suchend durch die Gassen der Stadt schweifen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Statuen, welche sonst einige der Gebäude verziert hatten, sich in Strahlenwaffen transformiert hatten. „Und diese Waffen funktionierten noch?“
„Ja, denn sie ziehen ihre Energie direkt aus dem heiligen Ei von Avion.“
„Die Erbauer von Avion waren sehr...“ She-Ra suchte nach dem richtigen Wort, um die Vogelmenschen nicht zu beleidigen. „,...sicherheitsbewusst.“
„Das System stammt noch aus einer Zeit, als Avion eine verbotene Stadt war. Fremde waren zu dieser Zeit hier unerwünscht und entsprechend war das Sicherheitssystem ausgebaut. Nachdem sich Avion jedoch der Welt öffnete, wurden diese zahlreichen Waffen überflüssig.“
Der Soldat führte die Verteidiger Eternias in die Haupthalle des Tempels von Avion. Dort kniete Stratos vor dem Altar und betete. Er betete für all Jene, die in der großen Schlacht gefallen waren. Man-At-Arms wartete bis sein Freund fertig war und begrüßte ihn dann.
„Ihr seid also doch gekommen.“ In Stratos Stimme lag eine unerwartete Kälte. „Wo wart ihr vor ein paar Stunden, als Avion euch gebraucht hätte – als ich euch gebraucht hätte.“
„Tut uns Leid, Stratos.“ Es war She-Ra, die nun sprach. „Skeletor griff Castle Grayskull an und wir-l“
„Ah, ja. Skeletor, der Herr des Bösen. Wusstet ihr, dass er sich mit den Gnomen verbündet hat und diese Avion in seinem Auftrag angegriffen haben?“
„Aber das kann nicht sein!“ She-Ra und die Verteidiger waren entsetzt. „Sekeletor hat einen neuen Krieger und sich mit dessen Hilfe voll und ganz auf den Angriff auf Grayskull konzentriert.“
„Das ist wahr, Stratos.“, bekräftigte Man-At-Arms She-Ras Worte. „Wie kommst du darauf, dass Skeletor mit den Gnomen gemeinsame Sache gemacht hat?“
„Er hat es mir selbst ins Gesicht gesagt.“ Stratos sah dem Waffenmeister aus Eternia entschlossen in die Augen, damit dieser verstand, dass an seinen Worten kein Zweifel haftete. „Er tauchte durch ein Dimensionstor hier auf, wahrscheinlich kurz nachdem er in Grayskull geflüchtet war. Er zeigte sich erzürnt darüber, dass die Gnome vor dem Verteidigungssystem flüchteten und beschimpfte sie. Meine Schwester und ich stellten uns ihm entgegen und forderten ihn auf, so wie die Gnome zu flüchten. Doch wir unterschätzten ihn und meine geliebte Schwester musste diesen Fehler mit dem Leben bezahlen.“
Man-At-Arms wurde ganz bleich im Gesicht. Delora war nicht viel älter als Teela gewesen. Er hatte sie gekannt, seit sie ein kleines Mädchen war. Sie, Adam und Teela hatten oft gemeinsam gespielt.
„Was soll ich sagen... Es tut mir leid.“
„Deine Entschuldigung kommt zu spät Man-At-Arms.“ Stratos konnte seinen Zorn nun nicht länger verbergen. „Bin ich nicht stets nach Eternis geeilt, als ihr mich brauchtet? Wo wart ihr, als ich eure Hilfe brauchte? Ihr habt nicht einmal einen Mann geschickt. Nicht einen!“
„Lass es mich erklären-“

„Nein, für Erklärungen ist es nun zu spät. Ich erkläre Avion wieder zur verbotenen Stadt, in der alle Fremden unerwünscht sind. Außerdem verlasse ich die Masters of the Universe – für immer.“
Als die Verteidiger Eternias Avion schließlich verließen, hatten sie nicht nur einen Verbündeten verloren, sondern auch einen guten Freund.