He-Man.de17.05.2012
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Episode 06 - Die Liebe einer Mutter

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Masters of the Universe
 
Folge 06: Die Liebe einer Mutter
 
„Man sagt, an verblendeter Mutterliebe seien mehr Menschen zugrunde gegangen,
 als an der gefährlichsten Kinderkrankheit."
- Überlieferte Weisheiten aus Arc V'Antar

 

 

Ein kleines Mädchen rannte einen langen, dunklen Gang entlang. Hinter ihr erklang das unheimliche und bedrohliche Stöhnen eines namenlosen Monsters. Das junge Mädchen, schon jetzt vollkommen außer Puste, beschleunigte seinen Lauf. Das Monster durfte nicht näher kommen. Das Monster durfte nicht...

„Du schaffst es, meine Kleine." Plötzlich erklang eine Stimme aus der Dunkelheit vor ihr - eine warme, bekannte Stimme. Das Mädchen lief abermals schneller.

Schließlich endete der Gang vor einer großen, vergitterten Tür, hinter der eine erwachsene Frau stand und dem Mädchen durch die Gitterstäbe hindurch die Hand entgegenstreckte.

„Sie ist verschlossen.", stellte das kleine Mädchen erschüttert fest, als es versuchte die Tür zu öffnen. Hinter ihr wurde das Stöhnen des Monsters immer lauter.

„Du musst den Schlüssel finden.", erklärte die Frau geduldig. Doch das Mädchen schüttelte den Kopf. „Ich kann ihn nicht finden."

Das Monster kam derweil immer näher.

„Streng dich an! Ich weiß, dass du es schaffst!", feuerte die Frau das kleine Kind an.

„Ich... ich..."

Das Monster hatte sie nun fast erreicht.

„Arc V'Antar!", rief die Frau und deutete auf das Türschloss. „Suche und du wirst finden!"

Das Monster stand nun direkt vor dem kleinen Mädchen, das sich ängstlich an die Gitterstäbe presste, als hätten diese ihm Schutz bieten können. Das Ungetüm erhob seine Pranke, um das Kind zu töten, als dieses laut aufschrie:

„Hilf mir Mutter!"

Doch ehe die tödliche Pranke ihr Ziel treffen konnte, wachte das kleine Mädchen, welches schon lange zu einer erwachsenen Frau herangereift war, aus seinem Alptraum auf. Schweißgebadet, hatte diese noch das letzte Wort des Hilferufes auf ihren Lippen.

„Mutter...", flüsterte sie und schüttelte den Kopf. „Kann es möglich sein? Nach all der langen Zeit?" Die Frau stand auf, schlüpfte aus ihrem vom Schweiß durchnässten Nachthemd und zog ihre Uniform an. Sie hatte jahrelang nicht an ihre Mutter gedacht. Warum träumte sie ausgerechnet jetzt von ihr? Warum solch ein seltsamer Traum? Und was hatten die alten Ruinen von Arc V'Antar damit zu tun?

Welches Geheimnis verbarg sich in der Dunkelheit dieser Traumwelt?

Sie würde es herausfinden. Man nannte sie schließlich nicht umsonst Evil-Lyn, Herrscherin der Dunkelheit.

 

***

 

„Und hier ist die Werkstatt unseres Waffenmeisters.", erklärte Prinz Adam und führte Sy-Klone, den neusten Zugang der Masters of the Universe, zu Man-At-Arms. Dieser war gerade damit beschäftig an einer seiner neusten Erfindungen, einem mechanischen Krieger, zu arbeiten. Als der Prinz und der neue Master sich ihm näherten, sah Duncan von seiner Arbeit auf und begrüßte die beiden.

 

 

06-01

 

 

„An was arbeitest du gerade?", wollte Adam wissen und sah auf die vielen Schaltkreise und losen Kabel, die aus dem Brustkorb des Roboters hingen.

„Falls es mir je gelingen sollte, das Problem mit der Energieversorgung zu lösen, wird dieser Roboter in naher Zukunft die Reihen der Master unterstützen."

„Wo genau liegt denn das Problem?", fragte Sy-Klone interessiert und beugte sich über den offenen Brustkorb des Roboters. „Vielleicht am Energieverteiler?"

„Oh, entschuldige.", meinte Adam, als der Waffenmeister den Fremden mit Interesse musterte. „Darf ich dir Sy-Klone vorstellen, Duncan? Er kommt vom Planeten Eryphion. Einem Planeten, auf dem Technik und Magie sehr erfolgreich miteinander harmonieren - ganz so, wie auf Eternia."

„Ah, der neue Masters, von dem der König heute morgen erzählt hat. Willkommen auf Eternia."

Man-At-Arms freute sich sichtlich in Sy-Klone scheinbar einen Seelenverwandten gefunden zu haben, welcher genau wie er, großes Interesse in Bezug auf Technik zeigte.

„Nein, der Energieverteiler funktioniert wunderbar.", beantwortete der Waffenmeister nun die Frage, die der Besucher aus einer anderen Welt kurz zuvor gestellt hatte.

„Die Problematik der Energietrans..."

„Problem? Wo gibt es ein Problem?" Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich Orko, der kleine Hofmagier über den Köpfen von Man-At-Arms und Sy-Klone auf und starrte ebenfalls ins Innere des Roboters. „Ah, ich sehe schon! Hier benötigt es ein wenig Magie!"

„Orko, wage es nicht und..." Doch Man-At-Arms stieß auf taube Ohren. Der kleine Trollaner hatte schon die Ärmel hochgekrempelt und arbeitete an seinem Zauberspruch:

„Roboter, dir fehlt der Saft? Strotzen sollst du vor lauter Kraft!"

Kaum hatte Orko zu Ende gesprochen, erwachten die Kabel, die aus dem Bauch der Maschine hingen, zu gespenstigem Leben und wickelten sich den Anwesenden um die Körper, als seien sie Schlangen, die ihre Opfer erwürgen wollten.

 

 

06-02

 

 

„Orko! Was hast du angestellt!", schimpfte Man-At-Arms voller Zorn und hätten die Kabel ihn nicht daran gehindert, hätte er den Trollaner wohl bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt.

„Ich weiß auch nicht. So war das eigentlich nicht geplant.", jammerte Orko.

„Klingen des Windes!", rief Sy-Klone plötzlich und schon im nächsten Moment zog wie aus dem Nichts ein starker Wind auf, dessen Böen so scharf waren, dass sie die Kabel zerschnitten und die Freunde befreiten.

„Beeindruckend.", staunte Adam und auch Duncan war von den Fähigkeiten des neuen Mitstreiters sehr fasziniert.

„Das war so cool!", rief Orko aufgeregt. „Wie hast Du das gemacht?"

„Och, das war nichts besonderes.", lachte Sy-Klone, dem es fast schon ein wenig peinlich war, dass die anderen seine Fähigkeiten so bestaunten. „Durch das kranzförmige Gebilde auf meinem Rücken ist es mir möglich, den Wind zu manipulieren. Falls es zu einem Kampf kommen sollte, wird es mich schützen."

Adam nickte. „Na ja, Skeletor ist zwar verschollen seit dem Vorfall in den Mystic Mountains im letzten Jahr, aber es gibt noch genug andere Gefahrenquellen auf Eternia."

„Das stimmt.", bestätigte Orko. „Seine Schergen sind zwar mittlerweile in alle Winde verstreut, aber hin und wieder sorgt einer von ihnen im Alleingang für Ärger." 

„Adam meinte damit glaube ich eher die Naturkatastrophen, die hin und wieder die Masters auf den Plan rufen.", verbesserte Duncan den Trollaner.

Orko kicherte. „Das weiß ich doch, Man-At-Arms. Ich wollte dich nur testen."

 

***

 

Evil-Lyn suchte in ihren alten Büchern nach Antworten, die ihr die Botschaft ihres Traumes mitteilen sollten.

Warum ausgerechnet jetzt? Warum träume ich jetzt von dir? Sag es mir, Mutter.

Heute ist es genau ein Jahr her, dass Skeletor in den Höhlen der Mystic Mountains verschüttet wurde. Ob es einen Zusammenhang gibt?

Evil-Lyn legte das Buch, in dem sie gerade geblättert hatte, zur Seite und griff sich das nächste.

In den Ruinen von Arc V'Antar liegt der Schlüssel zu den Antworten, die ich suche. Was wolltest du vor mir verheimlichen Skeletor?

 

***

 

„Faszinierend. Erzählt mir doch bitte mehr über die Geschichte Eternias, verehrte Königin."

Nach dem Besuch von Man-At-Arms Labor hatte sich Sy-Klone mit Königin Marlena, Adams Mutter, im Schlossgarten getroffen. Diese hatte am Morgen angeboten, ihn genauer in die Hintergründe der eternischen Geschichte einzuweihen. Ein Angebot, das der außerirdische Wissenschaftler nur all zu gerne angenommen hatte.

 

 

06-03

 

 

„Ist Euch der Name Hordak bekannt?", fragte die Königin.

Sy-Klone überlegte kurz.

„War das nicht der grausame Führer der wilden Horde?"

„Ja, er war der Führer jenes Imperiums das vor tausenden von Jahren versuchte das Universum zu erobern, dann aber in eine andere Dimension verbannt wurde."

Sy-Klones Augen leuchteten: „Sagt nur, die legendäre Schlacht, die zum Untergang der wilden Horde führte, fand auf Eternia statt?"

„Diese Frage kann Euch wohl nur die Sorceress von Grayskull beantworten.", meinte die Königin kopfschüttelnd. „Ich weiß nur soviel, dass auf Eternia eine Verbindung zu jener Dimension existiert, in die Hordak einst verbannt wurde. Aber keine Angst. Diese Verbindung wurde versiegelt."

„Faszinierend. Ich würde mir dieses Siegel gerne einmal ansehen, wenn es erlaubt ist."

Erneut schüttelte die Königin den Kopf: „Leider muss ich Euch enttäuschen, denn wieder ist es nur die Sorceress von Grayskull, die die genaue Lage dieses Siegels kennt."

„Ich verstehe.", seufzte Sy-Klone niedergeschlagen. „Aber was hat dieses Siegel nun mit der Geschichte Eternias zu tun?"

„Nun, vor etwa 20 Jahren schaffte es der böse Kriegsherr Hordak das Siegel zu brechen und auf Eternia einzufallen."

Sy-Klone blieb ungläubig stehen. „I- Ist das wirklich wahr?"

„Welchen Grund hätte ich euch anzulügen?"

„Verzeiht Königin, aber ich bin einfach nur überrascht. Wie gelang es euch die Horde zurückzuschlagen?"

„Hordak war durch die Brechung des Siegels noch geschwächt und hatte so keine Chance gegen unsere mutigen Soldaten und den Geist von Castle Grayskull."

„Ihr habt ihn also in die Verbannung zurückgetrieben?"

Die Königin antwortete zunächst nicht auf diese Frage, sondern sah traurig in den blauen Nachmittagshimmel. Wieder gefasst, wandte sie sich ihrem Gast zu: „Ja, Hordak kehrte zurück in seine Verbannung... doch wir zahlten einen hohen Preis."

Die Königin schwieg wieder für einen kurzen Moment.

Sy-Klone hatte soviel Taktgefühl, um nicht nachzufragen und darauf zu warten, bis sie von sich aus mit der Erzählung fort fuhr.

„Es tut mir leid.", meinte sie. „Aber wir haben damals viele Freunde verloren."

„Ich verstehe.", sagte Sy-Klone mitfühlend.

„Die Zeit nach Hordaks erneuter Verbannung war recht friedvoll, auch wenn einer von Hordaks Schülern, welcher der Verbannung entkommen war, immer wieder für Unruhe sorgte."

„Handelt es sich dabei um diesen Skeletor, von dem mir Prinz Adam schon erzählte?"

„Das ist korrekt. Skeletor war aber ein Nichts im Vergleich zu seinem Lehrmeister und so zog er sich nach einigen vergeblichen Versuchen Eternia zu erbobern ins selbst gewählte Exil nach Snake Mountain zurück. Dort blieb er für viele Jahre, ohne dass wir von ihm hörten. Doch vor anderthalb Jahren kehrte er zurück, mächtiger als jemals zuvor."

„Dann tauchte dieser He-Man auf und er gründete die Masters of the Universe."

Die Königin wunderte sich nicht, dass Sy-Klone den Namen „He-Man" schon kannte. Obwohl er seit Skeletors Verschwinden, nicht mehr all zu oft zu sehen war, war der muskulöse Held noch immer Gesprächsthema Nummer eins am königlichen Hof.

 

***

 

Teela saß am Brunnen des Palastgartens und beobachtete von dort aus die Königin und Sy-Klone. Bei ihr war Orko, der sich bei ihr über seinen misslungenen Zauberspruch beklagte.

„Dabei wollte ich Man-At-Arms doch nur helfen.", stöhnte er. „Stattdessen ist er jetzt wieder total sauer auf mich und... hörst du mir überhaupt zu?"

Teela, die in der Tat etwas geistesabwesend war, seufzte. „Sie ist eine tolle Frau, findest du nicht?"

„Wer?", fragte der kleine Trollaner verwirrt.

„Na Königin Marlena. Adam hat echt Glück eine solche Mutter zu haben. Ich beneide ihn sehr darum."

„Aber du hast doch Man-At-Arms."

„Das kann man nicht vergleichen Orko. Man-At-Arms ist mein Vater - ein sehr guter Vater. Aber er kann mir meine Mutter niemals ersetzen. Auch wenn er sich alle Mühe gibt."

Teela schwieg und gab sich erneut ihrem Kummer hin.

„Was ist eigentlich mit deiner Mutter, Teela? Man-At-Arms hat noch nie über sie gesprochen. Ist sie..."

„Nein, sie ist nicht tot." Teela stand auf und sah in das klare Wasser des Brunnens. „Ich spüre ganz tief in meinem Herzen, dass sie noch am Leben ist. Aber..."

„Aber?"

„Vater redet nicht sehr gerne über sie. Ich kenne nicht einmal ihren Namen."

Orko schwebte über dem Brunnen und grübelte über eine Lösung dieses Problems nach.

„Warum fragst Du nicht das Orakel von Neisa?"

Teela sah den Trollaner mit großen Augen an. „Das Orakel von Neisa?"

„Ja, man sagt, dass das Orakel die Antwort auf alle Fragen kennt."

Wie elektrisiert sprang Teela plötzlich auf. „Wo finde ich dieses Orakel?"

„Im hohen Norden Eternias. Wenn du willst, kann ich dich dort hinführen."

Teela umarmte den kleinen Zauberer voller Freude, ergriff dann seine Hand und zog ihn hinter sich her. „Komm, ich mache sofort einen Luftschlitten bereit und dann können wir starten."

 

***

 

„Und was gedenkst du hier zu finden?", fragte Trap-Jaw, der neben Evil-Lyn als einziger von Skeletors Kriegern des Bösen in Snake Mountain geblieben war und nun mit der Herrscherin der Finsternis in den Ruinen von Arc V'Antar umherwanderte.

„Das geht dich nichts an.", zischte diese missgelaunt. „Ich habe dich nur mitgebracht, damit du eventuellen Störfaktoren entgegentrittst."

„Ah, du meinst, falls He-Man hier auftaucht."

 

 

06-04

 

 

Evil-Lyn grinste. „Sie mal einer an. Du scheinst ja doch nicht so dumm zu sein."

„Unterschätze mich nicht, Hexe!" In Trap-Jaws Augen funkelte es. „Diesen Fehler haben schon andere getan und ihn mit dem Leben bezahlt."

Evil-Lyn grinste nur noch breiter. „Keine Angst, Trap-Jaw. Mir ist schon klar, dass sich Skeletor keinen Narren als Leibwächter ausgesucht hat."

Jedenfalls keinen vollkommenen Narren.

 

Während Evil-Lyn und Trap-Jaw durch die Flure der alten Ruinen gingen, bemerkten sie nicht, dass sie von einer dritten Person beobachtet wurden.

Kobra Khan, der Schlangenmensch, beobachtete sie aus seinem Versteck heraus und machte sich Gedanken darüber was die einstigen Krieger von Skeletor an diesem Ort wollten.

Suchten sie etwa das gleiche wie er? Unwahrscheinlich.

Hatten sie etwa von seinen Plänen erfahren und wollten sie verhindern? Noch unwahrscheinlicher, denn sie glaubten nach wie vor er sei mit Skeletor verschüttet worden.

Kobra Khan beschloss die beiden noch ein wenig länger zu beobachten. Zumindest solange bis er wusste, was sie hier suchten. Danach hatte er noch genug Zeit, seine eigenen Pläne zu verfolgen.

 

***

 

„Du hast mich zu dir gerufen?" Das Echo von Adams Stimme hallte durch die Gänge von Schloß Grayskull. Cringer fühlte sich in dem alten Gemäuer sichtlich unwohl. Der grüne Tiger schlich ängstlich hinter Adam her.

„Ja, und das nicht ohne Grund.", teilte die Sorceress dem Prinzen besorgt mit. „Auf einem meiner Erkundungsflüge als Zoar, dem Falken, habe ich Evil-Lyn und Trap-Jaw gesehen, wie sie sich auf den Weg zu den Ruinen von Arc V'Antar machten."

„Ich verstehe. Ich werde mich sofort als He-Man auf den Weg machen und mir die Sache mal genauer ansehen. Wer weiß, was die beiden nun schon wieder aushecken."

„Sei vorsichtig, Adam.", warnte die Sorceress mit besorgter Stimme. „Die Ruinen von Arc V'Antar bergen ein dunkles Geheimnis, welches zu einer großen Gefahr für Eternis und das ganze Universum werden könnte."

„Ein Grund mehr mich schnell auf den Weg zu machen."

Der Prinz zog sein Zauberschwert und hielt es in die Luft.

 

 

bythepowerofgrayskull

 

 

„Bei der Macht von Grayskull! Ich habe die Kraft!"

Nun in He-Man und Battle Cat transformiert, forderten die beiden Freunde Unterstützung aus dem Palast an und verabschiedeten sich danach von der Sorceress.

Diese sah den beiden noch einen Moment hinterher und schloss dann die Maulbrücke hinter ihnen.

„Viel Glück. Ich muss mich derweil um etwas kümmern, das nur ich erledigen kann."

Sie verwandelte sich in Zoar den Falken und machte sich auf den Weg zum Orakel von Neisa.

 

***

 

„Das ist es!", lachte Evil-Lyn, als sie einen großen, noch recht gut erhaltenen Raum betrat, in dem sich ein altes Dimensionstor befand. Trap-Jaw, der die Hexe noch nie so aufgeregt erlebt hatte, sah sich das Gebilde genauer an, konnte jedoch, abgesehen von ein paar Schriftzeichen, die er nicht lesen konnte, nichts Besonderes an dem alten Tor feststellen.

„Wegen dem Teil machst du Mensch und Vieh verrückt?", stöhnte er.

„Du Narr hast ja keine Ahnung!", fauchte Evil-Lyn. „Dieses Tor ist der Schlüssel, nachdem ich gesucht habe. Bewache du den Eingang, während ich den Zauberspruch vorbereite, um es zu aktivieren."

„Aber solltest du nicht erstmal diese Schriftzeichen dort übersetz..."

„GEH SCHON!"

„Ist ja schon gut.", maulte Trap-Jaw und zog sich in den Gang vor der Halle zurück.

Evil-Lyn, die allein zurückblieb, war vollkommen euphorisch.

Endlich. Mit diesem Tor kann ich Verbindung zu meiner Mutter aufnehmen.

 

***

Zur gleichen Zeit trafen He-Man und Battle Cat vor den Ruinen von ArcV'Antar ein. Sy-Klone, der von Man-At-Arms den Auftrag erhalten hatte, He-Man zu unterstützen, erwartete die beiden bereits.

„Ich grüße dich, He-Man." Endlich stand Sy-Klone dem legendären Krieger, von dem er am Hofe des Palastes schon so viel gehört hatte, persönlich gegenüber.

„Du musst Sy-Klone sein?", antwortete He-Man. „Duncan und Adam haben mir schon von dir erzählt. Es freut mich dich kennen zulernen."

„Die Freude ist ganz meinerseits." Nachdem sie genug Höflichkeiten ausgetauscht hatten, konzentrierte sich Sy-Klone auf den eigentlichen Grund ihres Treffens: „He-Man, ich habe Evil-Lyn und Trap-Jaw dank meines Radars schon ausfindig gemacht. Sie befinden sich in einem der zentralen Gebäude dieser Ruinen."

„Ich verstehe." He-Man nickte. „Dann lass uns keine Zeit verlieren."

 

***

 

„Dies ist also das Orakel von Neisa?" Teela war sichtlich enttäuscht. „Irgendwie hatte ich es mir... nun ja... anders vorgestellt."

Die Oberbefehlshaberin der königlichen Wache und der kleine Hofmagier befanden sich im Inneren einer großen Höhle und starrten auf eine leuchtende Säule.

„Die Dinge sind oft nicht so, wie sie zu sein scheinen.", kommentierte Orko die Situation und schwebte näher an die Säule. „Orakel von Neisa, kannst du mich hören?"

Das Orakel leuchtete augenblicklich auf und antwortete mit einer tiefen dunklen Stimme.

„Ich kann dich hören, Orko aus Trolla. Was ist dein Begehr?"

„Oh nein. Ich bin noch glücklich und zufrieden von deiner letzten Prophezeiung.", lachte Orko. „Meine Freundin hier möchte dich etwas fragen."

„Sie soll vortreten."

Teela tat wie ihr geheißen und stellte sogleich ihre Frage: „Orakel, kannst du mir etwas über meine Mutter erzählen? Wer ist sie? Warum hat sie Vater und mich allein gelassen?"

Das Orakel blieb für wenige Sekunden still und zeigte keine Reaktion, so dass Teela schon dachte, sie müsse ihre Frage erneut stellen. Doch dann leuchtete die bunte Säule abermals auf und setzte zu einer Antwort an:

„Du wurdest geboren in einem abgelegenen Tal im Immergrünen Wald. Deine Mutter war überglücklich, wenngleich sie auch wusste, dass es ihr aufgrund ihrer Verpflichtungen unmöglich war, dich zu behalten und großzuziehen. Also suchte sie Hilfe bei einem alten Freund: Man-At-Arms, den Mann, den du heute „Vater" nennst, nahm dich bei sich auf und wurde so zu deinem Adoptivvater."

Die Worte des Orakels trafen Teela härter als jeder Schlag von einem Krieger des Bösen. Die Erkenntnis, dass Man-At-Arms, den sie jahrelang für ihren richtigen Vater gehalten hatte, nur ihr Adoptivvater war, zerstörte die einzige feste Größe, auf die sie sich bis dato hatte immer verlassen können. Tränen schossen in ihre Augen.

„Warum?", schluchzte sie nur. „Ich versteh das alles nicht."

Orko schwebte, unsicher darüber, wie er sich verhalten solle, um Teela herum; entschied sich aber schließlich dagegen, etwas zu sagen.

„Vielleicht kann deine Mutter dir die Zusammenhänge genauer erklären.", meinte das Orakel. „Sie ist soeben eingetroffen."

Teela sah überrascht auf. „Eingetroffen? Hier?"

Plötzlich hörte sie Schritte hinter sich und einen kurzen Augenblick später sah sie der Zauberin von Grayskull direkt in die Augen.

 

 

06-05

 

 

„A- aber..." Teela suchte nach den richtigen Worten. „Soll das bedeuten, dass..."

Die Sorceress nickte. „Ja, Teela. Ich bin deine Mutter."

 

***

 

„Du wirst mich nicht besiegen, He-Man!", donnerte Trap-Jaw den Helden entschlossen an, als dieser zusammen mit Sy-Klone vor ihm aufgetaucht war.

„Das stimmt sogar, Trap-Jaw.", konterte der mächtigste Mann des Universums trocken. „Ich überlasse nämlich Sy-Klone die Ehre dich zu vermöbeln."

He-Man schlüpfte an Trap-Jaw vorbei und verschwand in den Raum, indem sich Evil-Lyn dem Dimensionstor widmete. Skeletors einstiger Leibwächter sah seinen neuen Kontrahenten herablassend an.

„Das wird ein Kinderspiel.", spottete er siegesgewiss.

 

***

 

„Die Sorceress ist meine Mutter?", Teela konnte diese Erkenntnis noch immer nicht verarbeiten. Sie hatte unzählige Fragen an ihre Mutter, welche diese auch geduldig beantwortete.

So kam es, dass die Sorceress ihrer Tochter erzählte, wie sie sich als blutjunge Frau unsterblich in einem Mann verliebt hatte und wie aus dieser Liebe ein Kind entstanden war. Doch ihre Bestimmung als Hüterin von Grayskull hatte es nicht zugelassen, ein Kind großzuziehen und so hatte sie die Hilfe von Man-At-Arms gesucht, welcher die junge Teela als seine Tochter bei sich aufgenommen hatte.

„I- ich gewinne eine Mutter und verliere einen Vater.", stotterte Teela schockiert über die Erzählung der Sorceress.

„Das ist nicht wahr und das weißt du. Man-At-Arms mag nur dein Adoptivvater sein, aber das ändert nichts an seiner Liebe zu dir."

„Du hast Recht.", Teela trocknete ihre Tränen und umarmte ihre Mutter liebevoll. „Was wird jetzt geschehen, nun, da ich weiß, wer du bist?"

„Es tut mir leid Teela, aber sobald du diese Höhle verlässt, wirst du dich an nichts von all dem mehr erinnern können."

„Aber warum?", protestierte die junge Kriegerin.

„Das Schicksal hat dich auserkoren, eines Tages meinen Platz einzunehmen." Die Sorceress sprach mit zarter und einfühlsamer Stimme. „Um Grayskull - und was noch wichtiger ist - um dich zu schützen, ist es besser, wenn du nicht weißt, was die Zukunft für dich bereithält."

Schließlich verabschiedeten Mutter und Tochter sich voneinander, wohl wissend, dass sie für eine sehr lange Zeit nicht mehr so vertraut miteinander reden können würden. Nachdem Teela und Orko, welcher von der Sorceress zum Stillschweigen verdonnert wurde, gegangen waren, wandte sich die Sorceress an Man-At-Arms, der sich die ganze Zeit über hinter einem der Felsen versteckt gehalten hatte.

„Das ist nicht richtig.", raunte er.

„Es tut mir leid, Duncan. Aber leider gibt es keine Alternative."

 

 

06-06

 

 

„Gibt es die wirklich nicht, oder ist es nur der einfachste Weg? Manchmal glaube ich, dein Herz ist so kalt, wie die Mauern von Grayskull, mit denen du dich so gerne umgibst."

Wütend verließ der Waffenmeister die Höhle und ließ eine zutiefst betrübte Sorceress zurück.

„Ich habe ganz sicher ein Herz, Duncan. Es zerspringt gerade in tausend kleine Stücke."

 

***

 

„Aretak. Santak. Nethlek. Pargon.", die Beschwörungsformel ging Evil-Lyn unglaublich leicht über die Lippen. Es erschien ihr, als habe sie sie schon immer gekannt.

„Mutter kannst du mich hören?", rief sie in das sich langsam öffnende Dimensionstor hinein, doch statt der erhofften Antwort, erklang hinter ihr die Stimme He-Mans:

„Tut mir leid, dass ich euer Familientreffen stören muss, Evil-Lyn, aber ich darf nicht zulassen, dass sich dieses Tor komplett öffnet."

„Warum wusste ich, dass du auftauchen würdest, He-Man?", zischte die Hexe. „Aber es ist zu spät. Das Tor ist beinahe vollständig geöffnet und selbst du kannst es nicht mehr schließen."

He-Man sah sich suchend um und entdeckte eine starke Säule, die den Raum zu tragen schien. Wenn es ihm gelingen würde, diese Säule zum Einstürzen zu bewegen, würde sich das Problem mit dem Tor ganz von selbst lösen.

Evil-Lyn erkannte jedoch sein Vorhaben und schickte dem Helden einen kräftigen Blitz entgegen. „Oh, nein! Das wirst du nicht!"

Als sie einen weiteren Blitz abfeuern wollte, wurde ihr magischer Stab plötzlich von einem starken Windstoß abgelenkt und verfehlte so sein Ziel.

„Wer wagst es?"

Sy-Klone, der Trap-Jaw in die Flucht geschlagen hatte, stellte sich der Hexe entgegen.

„Ich beschäftige sie ein wenig.", rief er. „Kümmere du dich um die Säule He-Man."

Der Plan ging auf: Evil-Lyns Angriffe schafften es nicht, an Sy-Klone vorbeizukommen und He-Man konnte sich so der Trägersäule widmen und diese zum Einsturz bringen.

„Für diese Tat, wirst du leiden, wie noch nie jemand vor dir gelitten hat, He-Man.", fluchte Evil-Lyn, als sie sich in Rauch auflöste, um dem Einstürzenden Raum zu entkommen.

 

 

06-07

 

 

He-Man, der der Drohung der Hexe keine Beachtung schenkte, rannte zusammen mit Sy-Klone in Richtung des Ausgangs. Wer oder was auch immer aus dem Dimensionstor entkommen wollte, musste seine Pläne nun überdenken, denn das Dimensionstor war unwiederbringlich zerstört.

 

***

 

Kurze Zeit später empfing die Sorceress Prinz Adam im Schloß Grayskull.

„Erneut bist du deiner Rolle als He-Man gerecht geworden.", lobte sie ihn, doch Adam schien unzufrieden. „Was bedrückt dich?"

„Bevor ich das Dimensionstor zerstörte, hätte ich gerne noch erfahren, welches Übel sich auf der anderen Seite verbirgt, da Evil-Lyn seltsamerweise ihre Mutter erwähnte. Leider blieb dafür keine Zeit, denn da das Tor schon fast geöffnet war, musste ich schnell handeln."

„Bei Evil-Lyns Mutter handelt es sich um eine böse Magierin namens Shadow Weaver. Sie gehört der wilden Horde an und wurde zusammen mit dieser vor vielen Jahren verbannt."

Adam stockte der Atem. „Bedeutet das, Hordak befand sich auf der anderen Seite dieses Dimensionstors?"

„Das ist korrekt.", sagte die Sorceress in einem solch lockeren Tonfall, als sei es die normalste Sache der Welt. „Glücklicherweise konntest du das Tor zerstören, bevor der machtgierige Kriegstreiber mit seinen Streitkräften entkommen konnte. Dennoch..."

Adam sah die Sorceress prüfend an. „Was ist?"

„Auch wenn Evil-Lyn es nicht gespürt hat: Ihre Mutter konnte als Einzige aus der Verbannung entkommen und obwohl sie ihre magische Aura zu unterdrücken versucht, kann ich dennoch ihre Präsenz hier auf Eternia spüren."

Die Sorceress schritt zu einem der Fenster und sah gedankenverloren hinaus.

„Sie ist da draußen. Irgendwo da draußen."