Sie blickte über Ihre Schulter, zu der Gestalt, die hinter Ihr auf dem Boden kauerte. Ein eingefallenes, knochiges Gesicht, verfaulte Haut hing in Fetzen vom Gesicht herab und ein Auge fehlte der Gestalt, doch trotz aller Beeinträchtigungen erkannte She-Ra Ihren Bruder in jener Gestalt.
„Leb wohl Adam", presste sie zwischen zwei Atemzügen hervor...
Ein letztes Mal trafen sich Ihre Blicke und obwohl die Augen des dunklen Wanderers wie tot wirkten, konnte die Prinzessin sich an nichts Schöneres erinnern als in diese Augen zu blicken.
Mit liebevollem Blick wandte sie sich von Ihm, blickte Ihrem Ende entgegen, wissend, dass es dieses mal niemanden gab, der sich in letzter Sekunde schützend vor sie stellen konnte...
Ein Lächeln huschte auf Ihr wunderschönes Gesicht, als Sie inne hielt. Ihre Blicke trafen sich.
Ihre himmelblauen Augen trafen die seinen...
Ihre Blicke trafen sich...
Ohne zu zögern breitete sie die Arme aus, lief los, auf Ihn zu...
Der Energieblitz löste sich aus Hordak's Handfläche, als She-Ra aus den Augenwinkeln eine Bewegung hinter Ihr wahrnehmen konnte.
Mit letzter Kraft erhob sich der dunkle Wanderer, schob sich an der Prinzessin der Macht vorbei, die geistesgegenwärtig versuchte Ihn zu hindern, doch er drückte Ihren Arm sanft zur Seite.
„Nein! Bitte, tu mir das nicht an!" schrie She-Ra.
‚Du darfst dich nicht für mich opfern! Nicht noch einmal. Mein geliebter Bruder, ich ... ich kann es nicht ertragen Dich leiden zu sehen, schon gar nicht wenn ich es bin, wegen derer Du leiden musst... Ich bin es, die jedes Leid verdient hat - nicht Du! Du darfst jetzt nicht sterben - ich bin es Dir schuldig alles zu tun was in meiner Macht steht um Dich zu retten!'
Verzweifelt versuchte die Prinzessin die gebrechliche Gestalt Ihres Bruders von seinem Vorhaben abzubringen, sich schützend vor Ihn zu stellen oder Ihn aus der Gefahrenzone zu stoßen, doch egal was sie versuchte, sie war zu schwach um sich durchzusetzen.
„Du wirst Sie nicht verletzen Hordak! Nicht noch einmal!", dröhnte die Stimme des dunklen Wanderers ein letztes Mal über das Schlachtfeld.
Die Finger seiner rechten Hand ergriffen das Schwert der Macht, und er brachte sich selbst in eine aufrechte Position, das Schwert zwischen sich und den Angriff des Anführers der Horde.
Das Schwert schlug den Angriff zurück, ließ Hordak überrascht zurück weichen, als sein eigener Energieblitz knapp vor Ihm aufschlug.
„Wer soll mich davon abhalten? Du? Du hast nicht die Macht mich aufzuhalten!"
Ohne Vorwarnung entfesselte Hordak all seine Kraft und sandte sie dem dunklen Wanderer entgegen.
In einem Strahl aus dunkler Magie traft die gesammelte Kraft des Hexenmeisters auf das Schwert der Macht....
Ihre Blicke trafen sich...
Ohne zu zögern breitete sie die Arme aus, lief los, auf Ihn zu...
Er wusste nicht wie Ihm geschah als Sie Ihm um den Hals fiel, doch instinktiv schloss er seine Arme um sie, drückte sie an sich, wirbelte sie herum.
Entgegen des Dranges sie auf Ewigkeiten so zu halten, setze er sie sanft auf dem Boden ab, und fand sich in einer nicht minder stürmischen Umarmung wieder.
Ihr Oberkörper ganz nah an seinem eigenen spürte er den Schlag Ihres Herzens im Rhythmus mit seinem eigenen.
Er hörte das glockenhelle Lachen als er die Umarmung lockerte.
Ihre Blicke trafen sich erneut...
Wo er Einsamkeit und Sehnsucht erwartete fand er nur Glück und Liebe.
Eine einsame Träne rann über Ihre Wange hinab, zerplatzte an der Blüte einer violetten Orchidee..
„Du irrst Dich Hordak", keuchte der dunkle Wanderer, während er sich gegen den Angriff stemmte.
„Zwecklos! Gegen die Macht eines Gottes kannst Du nicht bestehen! Da Du so versessen darauf bist She-Ra vor mir zu beschützen wird es mir eine besondere Genugtuung sein, Ihr endlose Qualen zuzufügen, bis ans Ende Ihres miserablen Lebens! Eigentlich hatte ich dieses Vergnügen für die Verräterin Adora geplant, doch es scheint zweckmäßig She-Ra in meine Planungen einzubeziehen.
Hörst Du mir zu Verräter? Sie wird leiden, bis an Ihr Lebensende und Du kannst Sie nicht beschützen!"
„Es mag mein Tod sein Hordak, aber ich werde nicht zulassen, dass Du Ihr Leid zufügst!"
„Stirb!"
„Nein!"
Mit bloßer Willenskraft versuchte She-Ra sich aufzurichten.
„Du darfst nicht sterben - Hörst Du! Ohne Dich macht mein Leben keinen Sinn!"
Erneut schaffte sie es nicht an dem schwächlichen Arm des dunklen Wanderers, der sie zurück hielt vorbei zu kommen.
„Wie rührend", höhnte Hordak.
„Und dennoch zwecklos. Der Sieg ist mein - euch erwartet nur der Tod."
Seine Macht in einem abschließenden Angriff bündelnd erwartete Hordak das Ende dieser Auseinandersetzung.
Die Träne zerplatzte an der Blüte der Orchidee. Alles um Ihn herum wurde von purem Licht erfüllt.
So hell, dass er nicht sehen konnte, dennoch wusste er, dass er nicht alleine war.
Er hörte Ihre Atemzüge, spürte Ihr Herz schlagen und obwohl er sie nicht mehr sehen konnte, konnte er Ihre bloße Anwesenheit fühlen, Ihre Gedanken hören...
Mit seiner letzten Kraft schrie er die Worte hinaus, die einst alles verändert hatten:
„Ich habe die Krraaaaaaaaaaaaaaaaaaaft!"
Riesige Gewitterwolken zogen sich über dem Schlachtfeld zusammen. Donnergrollen kündigte großes an. Blitze durchzuckten den Himmel und schlugen in den felsigen Boden ein. In mitten des Einschlages von drei mächtigen Blitzen erstrahlte das Schwert der Macht in den Händen jener gebrochenen Gestalt, die sich mit letzter Entschlossenheit zwischen Hordak und She-Ra gestellt hatte. Pures Licht, als ob die Schneide des Schwertes selbst aus purem Kristall, welches die Blitze in jedwede nur erdenkliche Richtung reflektieren würde, erstrahlte in der ganzen Ebene als die Gestalt unter den verschlissenen Kutten merklich an Größe und Statur gewann.
Ein letzter Blitz schlug direkt in der Klinge des Schwertes ein, riss die Gewänder der Kreatur fort und offenbarte deren neue Gestalt...
Kommandostand der Truppen von Eternia
Mit sorgenvoller Mine blickte Marlena in jene Richtung in der der Kampf gegen die Horde die größte Intensität hatte und an welcher er auch zweifellos entschieden werden würde. Dort wo Ihre Tochter Hordak selbst konfrontierte. Die Königin war ohnehin in großer Sorge, und auch die Ereignisse die sich abzeichneten sorgten nicht für eine Besserung.
„Mekaneck, kannst Du sehen wie sich She-Ra schlägt? Ist sie in Schwierigkeiten?"
Der galaktische Kundschafter erledigte einen weiteren Trooper mit seiner Keule und ließ seinen Hals in die Lüfte schnellen um sich einen besseren Überblick über das Geschehen zu verschaffen.
Er brauchte nicht lange um die aktuelle Situation zu erfassen, doch gerade als er seinen Hals wieder einfahren wollte um der Königin Bericht zu erstatten, wurde er direkter Zeuge jenes Naturschauspiels, das die Aufmerksamkeit aller kämpfenden auf sich zog, doch nur wenige sahen so direkt wie Mekaneck was wirklich geschah.
„Das... das ist unmöglich...Ich... wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen sehen würde... ich könnte es nicht glauben..."
„Mekaneck! Was ist geschehen?!? Was ist mit meiner T... wie steht es um She-Ra?"
Gerade noch rechtzeitig konnte erkannte die Königin welches Geheimnis sie beinahe Preis gegeben hätte, doch glücklicherweise konnte in den Wirren des Kampfes niemand auf Ihren Versprecher eingehen.
Mekaneck hatte Ihr noch immer nicht geantwortet und dieser Umstand ließ Ihre Besorgnis nur noch mehr anwachsen.
Randor bemerkte die Unaufmerksamkeit seiner Königin. Mit einem schnellen Schwert Schlag entledigte er sich eines weiteren Angreifers und eilte an Ihre Seite, um sie vor einem herannahenden Trooper abzuschirmen.
„Marlena! Du musst auf Dich achten!"
Sie nickte zustimmend, konzentrierte sich wieder stärker auf Ihre Umgebung.
„Ja Randor... ich war in Sorge um She-Ra und die Nachricht von Mekaneck...."
„Mekaneck... was hast Du gesehen?!" fragte nun auch Randor.
„Das Donnergrollen... die Erschütterungen... die Blitze... sie schlugen direkt vor She-Ra ein..."
Unfähig das gesehene zu schildern stammelte Mekaneck wirre Worte, die weder König noch Königin als Antwort genügten.
„Was sagst Du da Mekaneck? Was ist dort geschehen?", erkundigten sich Randor und Marlena beinahe zeitgleich.
„Eure Majestäten... es ist wie ich sage", entgegnete der galaktische Kundschafter Ihnen.
„Dieses Licht, das Gewitter, die Blitze... ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen und doch kann ich es kaum glauben, ...He-Man ist zurück!"
Mit gemischten Gefühlen nahm Marlena die Nachricht von Mekaneck auf.
‚Mein geliebter Sohn... lange Zeit wusste ich dass Du tot warst, unwiederbringlich verloren für uns alle. Nun weiß ich, dass Du überlebt hast, doch zu welchem Preis... ist es vermessen von mir zu hoffen, dass du uns, und vor allem deiner Schwester in diesem Ihrem schwersten Kampf beistehst? Ich wünsche mir so sehr, dass Mekaneck Recht hat und Du wahrhaftig zurückgekehrt bist, doch ich fürchte meine Hoffnung ist nichts mehr als der dumme Wunsch einer Mutter, die Ihr Kind verloren hat. Oh Adam... wenn es doch nur war wäre....
Das Grollen des Donners verstummte langsam und nach und nach verblasste das helle Licht.
Im Auge des Sturmes, in der Mitte der gewaltigsten Schlacht, die Eternia je erlebt hatte war ein neuer Kämpfer an die Stelle der Gestalt, die als der dunkle Wanderer bekannt war, getreten.
Blondes Haar wehte leicht in den Winden und stahlblaue Augen musterten Hordak mit festem Blick.
Das Symbol von Grayskull prangerte mittig auf der silbernen Rüstung, die den Oberkörper des Kämpfers bedeckte. Wie eine Verlängerung des muskulösen Armes lag das Schwert der Macht in der rechten Hand, ausgestreckt in den Himmel, einem Symbol für seine Rückkehr gleichend...
„Stratos!"
Seinen Gegner mit einer Rakete aus dem Himmel feuernd tauchte Stratos nach unten, hin zu Mekaneck und König Randor und Königin Marlena.
„Was ist passiert", wollte der Anführer von Avion wissen.
„Wir brauchen Gewissheit über das was Mekaneck gesehen hat", antwortete Randor seinem langjährigen Freund und Verbündetem.
„Flieg zu She-Ra und versuch uns zu berichten wie es um sie und die anderen steht!"
„Ich werde mich beeilen", entgegnete Stratos Ihm, ehe er einen Blick zum galaktischen Kundschafter warf, der mehr als nur aufgeregt wirkte.
„Was hat Mekaneck gesehen? Sieht so aus als könnte er selbst kaum..."
„Er meint She-Ra und die anderen hätten Hilfe gegen Hordak erhalten", fiel Randor Ihm ins Wort.
„Aber wir müssen sicher sein. Die Horde wird immer stärker und ohne ein Wunder können wir hier nicht mehr siegen."
Stratos nickte verstehend.
„Ich werde herausfinden, ob das Schicksal auf unserer Seite ist oder unser Untergang unausweichlich ist."
„Stratos!"
Bevor er sich auf machen konnte, hielt Königin Marlena den Avionier zurück.
„Auch wenn Sie sich dagegen wehren sollte ... rette She-Ra und bringe Sie in Sicherheit, wenn Du den Eindruck hast, dass sie nicht mehr weiter kämpfen kann. Ohne sie, ist alles verloren. Kümmere Dich um Sie, versprich es mir!"
„Das werde ich tun, Eure Majestät."
Dankbar sah Marlena Stratos ein letztes Mal nach, bevor Sie sich wieder ins Kampfgeschehen warf. Das letzte was sie sehen konnte, war wie Orko an seiner Seite in Richtung des Auges der Schlacht flog...