Als die kleine Gruppe die Hauptstadt Eternos verließ, und auf einen kleinen Hügel außerhalb der Hauptstadt des Königreiches zulief begann es zu regnen. Doch weder der Regen, noch der aufkommende Wind hielten die Gruppe von Ihrem Ziel, welches sich als ein kleiner Friedhof herausstellen sollte, ab. Hinter Ihnen waren viele hundert Menschen, die Ihnen aus der Hauptstadt des Reiches gefolgt waren, und ebenso viele befanden sich bereits auf dem Friedhof.
König Randor lief an der Spitze der Gruppe, und schon bald hatten Sie Ihr Ziel, einen kleinen schmucklosen Grabstein erreicht. Kurz vor dem Grab hielt der König an, und kniete andachtsvoll nieder. Die anderen Mitglieder der Gruppe, verteilten sich um das Grab herum, und gedachten dem Toten. Nur Königin Marlena, Prinzessin Adora, Man at Arms und seine Tochter Teela weilten direkt beim König, während die anderen Masters sich in die kleine Trauergemeinde einreihten.
Einer der Priester Eternias trat hervor, und sprach einige Worte zum heutigen Trauertag, bevor er in Gebete einstimmte. Schmerzhafte Erinnerungen an schönere Tage suchten sowohl die Königliche Familie als auch die anderen Masters heim. Alle konnten sich nur zu gut an jenen verhängnisvollen Tag vor nunmehr 15 Jahren erinnern. Den Tag an dem Prinz Adam, der Thronfolger von Eternia starb.
Wie jedes Jahr hatten Sie sich gemeinsam hier versammelt um den Tod von Prinz Adam zu betrauern. Doch dieses Jahr war es etwas anderes. Wo Sie bisher in privater Abgeschiedenheit trauern konnten, hatte sich dieses Mal eine große Menge von Bürgern versammelt um dem 15. Todestag Ihres Prinzen zu gedenken.
Sowohl der König als auch Man at Arms blickten stoisch auf den Grabstein, des jungen Mannes, der für beide gleichermaßen ein Sohn war, während Königin Marlena vereinzelte Tränen nicht zurückhalten konnte. Ganz anders ging es Prinzessin Adora und Teela. Beide versuchten nicht Ihre Tränen zurückzuhalten, und weinten ohne auf die Reaktionen von anderen Rücksicht zu nehmen.
Niemand konnte es Ihnen verdenken. Weder König Randor, welcher immer auf das Auftreten seiner Kinder in der Öffentlichkeit bemüht war, noch Duncan konnten es Ihren Töchtern verdenken, dass Sie Ihren Emotionen dieses Mal freien Lauf ließen. Insgeheim beneideten die beiden Ihre Töchter, für die tiefe ehrliche Trauer, die beide empfinden konnten.
Nachdem die Zeremonie geendet hatte, entfernten sich die Masters, und der König. Auch die Menschen von Eternos, die gekommen waren verließen den kleinen Friedhof nach und nach.
Einzig und alleine Adora und Teela waren zurückgeblieben. Tränen rannen über beider Wangen, und vermischten sich mit den Regentropfen. Lange Zeit später, als alle anderen schon gegangen waren, standen beide auf. Sie waren bis auf die Knochen durchnässt. Teela sah als erste von dem Grabstein auf. In weiter Ferne sah Sie eine weitere Person stehen, die der Trauerfeier anscheinend beigewohnt hatte. Verborgen unter einer grauen Kutte stand eine Person am Rande des Friedhofes. Unter all den Menschen war die Person niemandem zuvor aufgefallen, doch nun wo nur noch die Prinzessin und der Captain der Garde auf dem Friedhof weilten, war Sie klar zu erkennen. Sie blickte kurz zur immer noch vor dem Grab knieenden Prinzessin, und dann wieder zu dem Fremden, der auf einmal verschwunden war.
"Adora hast Du das gesehen?" fragte Sie die Prinzessin: "Was soll ich gesehen haben?" antwortete Sie: " Da war jemand... eine Gestalt am Rande des Friedhofes... in einer grauen Kutte. Du musst das doch gesehen haben?" Die Prinzessin schüttelte den Kopf, und stand schließlich auf. Teela ließ es dabei bewenden. Anscheinend musste Sie sich geirrt haben. Gemeinsam gingen die beiden zurück zum Palast, ohne jedoch zu bemerken dass Sie beobachtet wurden.
Im königlichen Palast von Eternia angekommen, standen die beiden auf einem Balkon nahe des Zimmers von Adora. Noch immer in den nassen Kleidern standen Sie einfach da, und blickten auf den Baum unter dem Adam immer ein Nickerchen zu machen gepflegt hatte:" Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich Ihn immer wieder schlafend unter dem Baum erwischt habe, wenn er trainieren sollen hätte", meinte Teela zu seiner Schwester.: "Ich war so.... engstirnig. Ich hatte nichts außer trainieren im Kopf. Ich wollte dass er ein großer Krieger wird, wie sein Vater.... Und was ist mir geblieben? Ich hab die wenigen Stunden die ich mit Ihm verbringen konnte, damit verschwendet Ihn zu etwas zu überreden was er nicht wollte, anstatt mit Ihm das Leben zu genießen." Teela konnte sich noch genau daran erinnern, wie Sie mit Ihm gestritten hatte, weil er nicht zum Training gekommen war, und stattdessen den ganzen Nachmittag unter dem Baum im Palastgarten geschlafen hatte.
Adora seufzte kaum hörbar. Wie immer wenn Teela von Ihrem Bruder erzählte. Sie hatte viel zu wenig Zeit mit Ihm verbringen können. Sie beneidete Ihre Freundin um jede Minute die, diese mit Ihrem Bruder hatte verbringen können. Jede Erinnerung an Adam schmerzte wie am ersten Tag. Er hatte Sie gerettet. Er alleine. Sie hatte Ihm nicht einmal dafür richtig gedankt. Eine Träne rann über Ihre Wange hinunter. Es war als ob selbst der Himmel weinen würde. Noch immer hatte der Regen nicht aufgehört, und nur ein schmales Vordach trennte die beiden Frauen von weiterem Kontakt mit dem nassen Element.
Minutenlang standen beide schweigend nebeneinander, bis König Randor und Königin Marlena sich Ihnen näherten. Sie hatten inzwischen wieder trockene Kleidung angelegt, und standen eine Weile ebenso schweigend hinter Ihrer Tochter und dem Captain der Königlichen Garde. Schließlich legte legte die Königin beiden eine Hand auf die Schulter: " Adora, Teela, Ihr solltet Eure nassen Kleider wechseln. Ihr holt euch sonst noch den Tod. Es nützt niemandem, wenn Ihr krank werdet." Sie sprach eindringlich auf die beiden ein, die zuerst nicht zu reagieren schienen. Es war Teela, die sich als erstes zur Königin umdrehte: " Damit habt Ihr wohl recht Hoheit. Die Erinnerung ist bittersüß, und gerade heute schmerzt seine Abwesenheit mehr als sonst." Die Königin nickte verstehend: "Ich verstehe Dich Teela, und es ehrt Adams Leben, dass Du Ihn auch nach 15 Jahren nicht vergessen hast, doch auch noch so große Trauer macht Ihn nicht wieder lebendig."
"Ihr könnt nicht ändern was geschehen ist Teela. Weder Du noch Adora. Behaltet die schönen Momente die Ihr mit Adam erlebt habt, aber lebt nicht in der Vergangenheit. Adam würde das nicht wollen", fügte König Randor der Erklärung seiner Frau hinzu. Schlagartig wirbelte Adora herum, und fuhr Ihren Vater an. Tränen standen in Ihren Augen. " Woher willst Du das wissen Vater?! Du kanntest Deinen Sohn doch gar nicht! Für Dich war Adam nur ein Feigling, der vor jedem Kampf geflohen ist. Du hast in Ihm nie den Helden gesehen der er war!" Adora erinnerte sich an den Tag des Begräbnisses.
15 Jahre zuvor:
Adora lief zwischen Ihrem Vater und Ihrer Mutter in Richtung des Friedhofes. Duncan, Teela, und die Masters folgten Ihnen in kleinem Abstand. Tränen standen in Adora's Augen, und egal wie viel Kraft Sie auch aufbrachte, Sie konnte ein schluchzen nicht unterdrücken. Auch Ihrer Mutter und Teela ging es nicht anders, während der König, Man at Arms und die anderen Masters recht gefasst wirkten.
Als sie den halben Weg zurückgelegt hatten, mussten Sie Ihren Weg unterbrechen. Dort wo kurz zuvor noch der Weg war, hatte sich ein Dimensionsportal geöffnet. Die Masters strömten augenblicklich aus, und stellten sich zwischen das Portal und den König, um Ihn und seine Familie vor allen Gefahren die aus dem Portal kommen würden zu schützen, falls es notwendig sein würde.
Adora wirkte abwesend, und beachtete das Portal, und die Menschen die daraus hervorkamen nicht wirklich. Sie hatte nicht die Verteidigungshaltung der Masters bemerkt, und auch nicht, dass sie diese inzwischen nicht mehr einnahmen. Erst als Ihr Vater das Wort an die Neuankömmlinge richtete, erregten diese Ihre Aufmerksamkeit. "Königin Angella ! Ich bin erfreut euch zu sehen. Was führt euch zu uns?" begrüßte er die Königin von Brightmoon, so zuvorkommend er nur sein konnte, obwohl er sich keinen schlechteren Zeitpunkt für einen Besuch seiner Verbündeten aus der anderen Welt hätte vorstellen können.
Nach und nach traten Königin Angella, Ihre Tochter Glimmer, Bow, Castaspella, Frosta, und viele weitere Krieger der Großen Rebellion, sowie Herrscher der freien Reiche Etherias aus dem Portal, und schlossen sich dem Trauerzug an. "Ich grüße euch König Randor. Wir sind hier, um euch und eurer Familie unser aufrichtiges Beileid auszusprechen für den Verlust eures geliebten Sohnes."
"Ich danke euch für die Freundlichkeit Angella, doch frage ich mich ob eine Beileidsbekundung der Grund Eures Besuches ist?" Mit einem Ausdruck von Traurigkeit musterte er die angekommenen Krieger und Herrscher. Auch wenn Trauer Ihn erfüllte, so fragte er sich warum so viele der Herrscher der freien Königreiche Etherias und Krieger der großen Rebellion hier waren. Sicherlich, sein Sohn Adam musste Freunde gefunden haben, während er Seine Schwester Adora auf Etheria gefunden und befreit hatte, aber hier waren alle bedeutenden Persönlichkeiten dieser fremden Welt versammelt. Damit gingen Sie sogar das Risiko ein, einem Großangriff Ihrer verbliebenen Feinde nichts entgegenzusetzen zu haben. Auch wenn das Verhältnis von Eternias Königshaus zu den Königreichen der anderen Welt vergleichsweise gut war, so konnte er sich kaum vorstellen, dass die anwesenden Herrscher aufgrund diplomatischer Beziehungen hier Ihre Aufwartung machten. Dabei fiel Ihm ein, dass Adam nie wirklich etwas über seinen Aufenthalt auf dieser Welt erzählt hatte. Er war immer ausgewichen, und hatte auf die Suche nach seiner Schwester verwiesen. Randor fragte sich ob das etwas zu bedeuten hatte.
"In der Tat ist das nicht der Grund warum wir hier sind, König Randor. Wír sind hier um dem Befreier von Brightmoon, und einem der letzten großen Helden der Rebellion die letzte Ehre zu erweisen." Sie machte eine kleine Pause: "Wir sind hier, weil wir es Prinz Adam schuldig sind, Eure Majestät. Wir konnten ihm nie dafür danken, was für Etheria getan hat, und auch wenn es Euren Schmerz über seinen Verlust nicht lindern wird, so werden wir Ihn auf Etheria niemals vergessen."
"Und damit auch zukünftige Generationen immer seiner Gedenken werden, werden wir Ihm ein Denkmal setzen, dass seiner würdig ist", fügte Ihre Tochter Glimmer hinzu.
Ungläubig sah Randor zu der Gruppe von einer fernen Welt, die sich zur Bestattung seines Sohnes hier eingefunden hatte. Er konnte nicht glauben was er eben gehört hatte. Sprachen Sie wirklich von seinem Sohn? Auch die Masters, allen voran Teela konnten nur schwerlich glauben was die Herrscherin von Brightmoon Ihnen eben erzählt hatte. Adam ein Held ? Der Gedanke war so abwegig, und doch ließ die Anwesenheit der Gruppe von Etheria keinen Zweifel daran, dass dem wirklich so war.
Folglich war: "Seid mir willkommen", Randor's einzige Antwort, bevor er die Gruppe weiter zum Friedhof führte.
Fortsetzung folgt ...