He-Man.de08.02.2012
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Dark Legacies - Kapitel 4

Kapitel 4 - Teil 1

 

 

 

„Also wurden die Pläne der Schlangenmenschen, ihren Gott zu befreien, letztendlich vereitelt“, begriff Prälat Horüd.

Der Krieger war insgeheim äußerst erleichtert, dass die Verteidiger Eternias das dreihäuptige Monster einmal mehr aufgehalten hatten. Was wäre geschehen, wenn Serpos sich entschlossen hätte südostwärts zu ziehen und die Dünen der Verdammnis zu durchqueren? Was wenn er den Brunnen der Finsternis erreicht hätte, wo Shokotis große Armee nun vollständig war und nur darauf wartete, entfesselt zu werden?

König Grayskulls Streitmacht hatte es auch geschafft, den Angriff gegen Subternia zu beenden, was Horüd ebenfalls recht war. Schließlich waren die Attacken im Untergrund lediglich dazu gedacht, die Truppen der Verteidiger weiter aufzuspalten, und der Plan war aufgegangen.

Hordak lungerte bei ihm und spielte mit einem kleinen Feuerball, den er erschaffen hatte. „Es war äußerst günstig für deinen Meister, dass die Schlangen Serpos freigelassen haben.“

Horüd sah seinen Bruder misstrauisch an. „Wieso?“

Hordak ließ die Feuerkugel verschwinden und fuhr fort: „Du hast mir verraten, dass sie die Menschen schwächen wollte, bevor wir unsere Streitkräfte enthüllen, daher diese vielen Angriffe zur Ablenkung.“ Horüd erwiderte nichts, also führte Hordak weiter aus: „Und was ist, wenn die Schlangenmenschen ebenfalls mit deiner Herrin zusammen im Bunde sind?“

Horüd lachte. „Lächerlich! Meine Herrin hat mir in der Vergangenheit sehr eindeutig zu verstehen gegeben, dass die Schlangen genau wie der Rest Eternias unterworfen werden.“

„Aber wenn Hsss das gleiche Versprechen in Bezug auf unser Volk erhalten hat?“

„Dann solltest du beten, dass es es ein leeres Versprechen war, Hordak“, antwortete Shokoti, die aus dem Nichts vor ihnen erschienen war. Obwohl sie Mantel und Kapuze trug, sprach sie mit ihrer normalen, unverstellten Stimme.

Ihr seid die Herrin meines Bruders?“, entfuhr es Hordak überrascht, als er die Stimme erkannte, die er mit Hilfe seines Spähers Imp auf so vielen Ratssitzungen gehört hatte.

„In der Tat. Jetzt lass uns allein, junger Freund. Dein Bruder und ich haben viel zu besprechen.“ Shokoti holte das Buch Der Ahnen unter ihrem Umhang hervor.

Hordak warf ihr einen misstrauischen Blick zu, bevor er den Raum verließ und das Tor hinter sich zu zog. Sobald er außer Sicht war, schwang er sich in die Luft und flog rasch durch die vielen miteinander verbundenen Kammern des Berges, bis er nur Sekunden später in seinen eigenen Gemächern eintraf.

In der Sicherheit seiner Räume schloss Hordak die Augen und rief telepathisch nach Imp, der sich in Horüds Kammer verborgen hielt, seit der Spikeaner durch den Rat verbannt worden war.

Mit seinem geistigen Auge sah und hörte Hordak alles, was auch sein Familiar wahrnehmen konnte. Er beobachtete, wie Horüd einen Tisch freiräumte und Shokoti das Buch darauf ablegte...

 

* * *

 

„Es wird Zeit, dass du etwas Magie erlernst, Horüd“, stellte Shokoti nüchtern fest.

Horüd schnaubte vernehmlich: „Ich kann keine Magie wirken, Shokoti. Mein Vater konnte es, und mein ehrgeiziger Bruder ebenso, ich jedoch nicht.“

„Natürlich kannst du es, Narr, aber das Potenzial dazu ruht noch, tief verborgen in deinem Inneren. Mit meiner Hilfe wirst du diesen einen Zauber vollbringen können. Er ist äußerst schwierig zu meistern, aber in den Monaten, seit ich das Buch zum ersten Mal in Händen hielt, habe ich reichlich geübt...“

 

* * *

 

Hordak war hoch zufrieden mit Imps Versteck, von wo aus er seinem Meister eine hervorragende Sicht auf das Buch Der Ahnen erlaubte. Es war auf einer Seite mit dem Titel Seelenwanderung aufgeschlagen...

 

* * *

 

„Was bewirkt er?“

Shokoti schloss das Buch. „Das wirst du früh genug erfahren. Doch zuerst: Ist meine mächtige Armee vollendet?“

„Ja, Herrin. Die Orks sind jederzeit bereit, sich in ihre neuen Schlachtrüstungen zu werfen.“

„Und Horde Prime?“

Bei dem Namen des Konstrukts leuchteten Horüds Augen wie glühende Kohlen auf. „Er ist fertig, Shokoti. Horde Prime ist die gewaltigste robotische Waffe, die dieser Planet jemals erleben wird: 300 Fuß hoch, mit Ionenkanonen in seinen Handflächen eingebettet, tödlichen Laser-Projektoren in verborgenen, ausfahrbaren Stellungen, Raketenantriebe an seinen Füßen und zwei furchteinflößende Köpfe – sie werden alle in Angst und Schrecken versetzen, die ihn zu Gesicht bekommen. Und das ist erst der Anfang!“

Shokoti lächelte finster. „Hervorragend! Bring mich sofort zu ihm...“

 

 

 

Kapitel 4 - Teil 2 

 

Es verlangte ihm alles ab, was seine Lungen hergaben, aber Hordak schaffte es, die Kammer mit Horde Prime einige Lidschläge vor seinem Bruder und seiner Herrin zu erreichen. Er verbarg sich in den tiefen Schatten des Gerüsts um die Kriegsmaschine.

Über ihm summte es trügerisch leise. Glühende Augen rötlich wie Kohlen starrten ausdruckslos in die Halle. Die blutrote Beschichtung verlieh dem Konstrukt ein unheimliches Aussehen.

Horüd betrat die Höhle über einen Laufsteg hoch über ihm, gefolgt von Shokoti. Sie schritten über die Plattform und endeten parallel zu den zwei gewaltigen Häuptern. „Ist er nicht großartig?“, fragte er stolz.

„Das ist er wirklich, Horüd.“ Shokoti streckte ihre Hand aus, aber sie war noch zu weit entfernt, um es wirklich zu berühren. Sie konnte die optischen Sensoren hören, als sie ihren Bewegungen folgten. „Wahrhaftig, dein Volk vollbringt wahre Magie mit Metall!“

Bei dem Wort „Magie“ zuckte Shokotis Hand nach vorne und schloss sich um den mächtigen Nacken Horüds. Er wand sich und versuchte verzweifelt, sich aus ihrem überraschend starken Griff zu befreien. Die Zauberin hielt dabei stets den Blick auf Horde Prime gerichtet.

'Was tut sie da?', fragte sich Hordak.

Ohne Vorwarnung sprang sie über den Handlauf des Stegs, Horüd immer noch in ihrer stählernen Umklammerung. Shokoti und ihr Gefangener schwebten zu einem der beiden Köpfe. Sie sah den Spikeaner an, dessen graue Haut unter dem Fell sich nun blau verfärbte.

„Ich sagte dir doch, du würdest mein Heerführer werden“, flüsterte sie und ergriff mit der anderen Hand seine rechte Schulter.

Ungläubig beobachtete Hordak die Vorgänge um sich herum. Shokotis Augen leuchteten in gleißendem Grün, als sie mit ihrem Zauber begann. Mit jedem Wort lösten sich winzige Teilchen und regneten wie Asche auf Hordak herab... Eine Welle der Übelkeit überkam ihn, als er plötzlich begriff, dass sie von Horüd stammten, der langsam verbrannt wurde!

„Fürchte dich nicht, Prälat!“, sprach Shokoti lächelnd, als Horüd's Körper sich in ihren Händen immer weiter auflöste. Innerhalb weniger Augenblicke war der Körper des Kriegers vollständig verschwunden. Nur noch ein seltsam geistartiges Abbild Horüds verblieb in ihren Händen.

Hordak begriff augenblicklich, was da geschah. Vor seinen Augen sah er das Buch, das er durch Imp auf dem Tisch betrachtet hatte: Shokoti war dabei, die Seele seines Bruders in dieses...

Shokotis schwebende Gestalt wirbelte in der Luft herum, in der Hand immer noch das geisterhafte Leuchten ihres unglückseligen Generals. Sie schleuderte die nebelartige Energie gegen Horde Primes massiven Körper, worin er vollständig aufging.

Zuckungen durchliefen den riesigen Roboter, seine Arme und Beine ruckten ziellos umher, begleitet von grässlichen mechanischen Lauten. Shokoti lachte vor Entzücken.

Hordak sah sich gewzungen, sich in die Luft zu erheben, um nicht zerquetscht zu werden. Dabei zog er sich zum ersten Mal Shokotis Aufmerksamkeit zu. Sie machte eine rasche Handbewegung, und er wurde zu ihr heran gezogen. „Sehen wir uns gemeinsam an“, zischte sie, „wie der Anführer meiner schrecklichen Horde entsteht!“

Der Roboter Horde Prime, nun erfüllt von dem Geiste Horüds, hörte schließlich mit den Krämpfen auf und begann sich kontrollierter zu bewegen. Eine donnernde Stimme – eindeutig von Horüd, doch mit unmenschlichen, robotischen Echos – dröhnte aus den Lautsprechern in beiden Köpfen. „Was... was habt Ihr mir angetan?“

„Ich habe genau das getan, was ich dir versprochen habe: Dich zu meinem obersten General gemacht – meinem Horde Prime!“

Die Maschine deutete auf ihre Brust. „Das war nicht Teil der Abmachung!“

„Aber es ist meinen Plänen so viel dienlicher, Prime. Vorher warst du schwach, ein einzelner Schwertstreich hätte dich töten können. Jetzt bist du unbesiegbar!“

Er versuchte die Worte zu verarbeiten. „Und... werde ich in meinen Körper zurückkehren können, wenn wir gesiegt haben?“

Trotz der Tatsache, dass sein Körper zu Asche geworden war, nickte Shokoti. „Dein ursprünglicher Leib ist für immer vernichtet, aber du wirst in der Lage sein, deine Seele in eine andere sterbliche Hülle zu betten, ja.“

Nach einer langen Pause fragte Horüds blecherne Stimme: „Wann schlagen wir zu, Herrin?“

 

 

 

Kapitel 4 - Teil 3 

 

„Dein Bruder ist ein Narr“, bemerkte Shokoti trocken, als sie Hordak in die privaten Räume seines Bruders führte. Das Buch Der Ahnen lag immer noch auf seinem Tisch, aufgeschlagen mit dem Zauber, der Horüd und die Maschine Horde Prime verschmolzen hatte.

Hordak blickte sie misstrauisch und neugierig zugleich an. „Warum habt Ihr ihn dann zum Anführer der Horde ernannt?“

„Er wird meine Armeen niemals wirklich führen, Hordak.“ Sie machte eine Geste in Richtung der offenen Tür, die sich daraufhin lautlos schloss. „Er hat sich schon immer zu leicht manipulieren lassen und war leicht zufrieden zu stellen. In den frühen Phasen meines Plans war das genau das, was ich brauchte. Er wird seinen Zweck erfüllen.“

Sie blätterte in den Seiten des Buchs. „Doch letztendlich wird er voraussichtlich scheitern, und dann werde ich einen fähigeren Führer benötigen.“ Ihre grauen Augen richteten sich auf Hordak.

„Und woher weiß ich, dass Ihr mich nicht auf die gleiche Weise wie ihn manipulieren werdet?“

„Das weißt du nicht.“

„Warum soll -“

„Weil ich dir Macht verleihen kann, Hordak. Jetzt bist du ein mächtiger Magier, aber ich kann dich zu einer der dunkelsten, gefürchtetsten Kreaturen machen, die dieser jämmerliche Planet je gesehen hat!“

Hordak hielt einen Moment inne, bevor er antwortete: „Wenn ich Euch vertrauen soll, dann müsst Ihr mir in einer Sache vertrauen.“

Shokoti lächelte. „Das ist sehr mutig, junger Freund.“

„Was ist die wahre Bestimmung der Horde?“

Sie schaute ihn eine Weile an und überlegte, ob sie wahrheitsgemäß antworten sollte oder nicht. Von all ihren Agenten – sogar den fähigen wie Hsss und Prahvus – hatte niemand je ihre Motive hinterfragt, höchstens ihre Methoden. Sie alle hatten angenommen, dass ihr Ziel bloße Herrschaft war.

Schließlich entschloss sie sich zur Wahrheit. „Die Horde wird das Fundament für das Imperium meines Sohnes Keldor sein.“

Hordak starrte sie durch schlitzartige rote Augen an. „Ihr habt einen Sohn?“

„Noch nicht, aber wenn die Zeit gekommen ist, werde ich es. Er ist dazu bestimmt, über Eternia zu herrschen, und ich habe ungezählte Jahre lang die Pläne für dieses Schicksal entworfen.“

„Ich glaube Euch“, antwortete Hordak und meinte es so. Dennoch kreisten seine Gedanken, wie bereits bei seinem Bruder zuvor, darum, wie er diese Macht letztlich für sich selbst beanspruchen könnte.

„Gut.“ Sie blätterte zu einer weiteren Seite in dem Buch, diese allerdings war in einer Sprache beschrieben, die Hordak noch nie zuvor gesehen hatte. „In dem Fall, wenn du der stellvertretende Kommandant der Horde werden sollst – zumindest bis dein Bruder fällt – wirst du ein wenig mehr Macht benötigen.“

Hordak trat zurück, als er sich ins Gedächtnis rief, wie leicht sie seinem Bruder die Seele herausgerissen hatte. „Ich habe genügend Zauberkraft!“

„Dein Wissen und deine Magie sind machtvoll, ja, aber mit deinen momentanen Fähigkeiten stehst du gerade einmal auf einer Stufe mit dem alten Narren Eldor. Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du es sogar mit der großen Königin Veena und dem Rat der Ältesten aufnehmen können!“

Hordak erstarrte – die Hexe hatte ihn vollständig gelähmt! Sie begann die Worte von der Buchseite zu singen. Waren die Buchstaben auf dem Blatt bereits fremdartig, klangen die Silben noch weit grässlicher.

Magisch roter Nebel wallte auf und hüllte den spikeanischen Zauberer vollständig ein. „Was geschieht hier?“, schrie er und versuchte, die Wolke nicht einzuatmen. Als er den Atem nicht mehr länger einhalten konnte und einen Zug tat, füllten sich seine engen Nüstern mit dem Gestank qualmenden Felles. Entsetzt sah er an sich herab, wo sein grauer Pelz in grünen Flammen stand! Das Feuer verschwand so geschwind, wie es gekommen war, aber sein öliges Haar war völlig verschwunden, nur die blanke, dunkelgraue Haut blieb zurück.

Er versuchte zu schreien, aber er war zu nichts anderem fähig als zu Boden zu sinken, niedergeworfen von den furchtbarsten Schmerzen, die er je erfahren hatte. Es war als ob sein Schädel aus seiner Haut fahren wollte. Hordak griff sich an den pochenden Kopf – endlich konnte er schreien – als mehrere spitze Hörner durch seine Stirn brachen.

In seiner Agonie zuckte er vor und zurück und versuchte, sich unter seinen roten Flügeln abzuschirmen, wie er es bei Schmerzen immer tat, doch sie wollten seinem Willen nicht gehorchen. Er spürte, wie sich die ledrigen Schwingen ausbreiteten, von unsichtbaren Händen gezogen, und sich aufeinander zu bewegten. Feuriger Schmerz spielte an den Rändern entlang, als ob sie von etwas Heißem verbrannt, oder schlimmer, verschmolzen würden! Augenblicke später fiel ein einzelner, roter ledriger Umhang über ihn.

Es kam ihm vor, als sei er stundenlang gefoltert worden, doch in Wahrheit hatte sich alles innerhalb von Sekunden abgespielt. Der rote Nebel verschwand, und durch die Tränen in seinen Augen konnte er Shokoti erkennen. „W-was habt Ihr m-mir angetan?“, würgte er.

„Ich habe dich erschaffen“, antwortete sie kalt.

 

 

 

Ende Kapitel 4 

 

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