He-Man.de08.02.2012
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Dark Legacies - Kapitel 3

Kapitel 3 - Teil 1

 

Zehn Monate vergingen, und beinahe schien es, als sei die Bedrohung durch Horüd und seinen Meister Vergangenheit. Nicht ein einzelner Zwischenfall war bekannt geworden, und sogar die Schlangenmenschen blieben in ihren sumpfigen Urwäldern. Dennoch waren König Grayskull und Eldor voller Sorge. Etwas Großes würde kommen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis es über sie herein bräche.

Als schließlich die schreckliche Nachricht das Königreich ereilte, war Eldor sonderbar erleichtert, und er fühlte, dass sie Vorbote der lange erwarteten Ereignisse war. Es wurde bekannt, dass die Mutter von Königin Veena, Ve'Lyn, die Geliebte des Fürsten von Zalesia war. Dies kam ans Licht, als die treulose Magierin eine weitere Tochter namens Lyn gebar und dabei ums Leben kam. Schlimmer noch: Das illegitime Kind war von Schlangenmenschen entführt worden.

König Grayskull berief Eldor vor den massiven Thron in seiner geheimen Kammer, die hinter dem echten Thronsaal verborgen lag. Anders als die übrige Burg waren die Mauern hier aus dunkelgrauem Stein gefügt. Eine imposante Statue von Grayskull in voller Kampfmontur ragte über dem geheimen Thron auf. Der Raum war kalt und unwirtlich, und die wenigen, die von seiner Existenz wussten, kannten die Natur der Treffen, die in seinen Mauern stattfanden.

Die Wand gegenüber von Grayskull's Platz glitt zur Seite, so dass Eldor eintreten konnte. Der König sah, dass Veena den wahren Thronsaal hatte räumen lassen und selbst vor seinen eigenen Wachen sicherte.

„Die Königin scheint sehr gelassen zu sein“, sprach Eldor, als sich der Raum hinter ihm verschloss. „Wie geht es ihr wirklich?“

„So gut wie es die Umstände zulassen“, antwortete der König. „Sie ist traurig über den Verlust ihrer Mutter – und die Entführung dieses Kindes. Aber sie ist ebenso wütend über Ve'Lyns Verrat.“

Der alte Mann nickte. „Doch deswegen habt Ihr mich nicht einberufen.“

„Nein, mein Freund. Ich nehme an, Ihr wisst, dass der Rat der Weisen heute zusammenkommt.“

„Ja, mein Sohn berichtete mir von der Verhandlung.“

„Gut. Ich will Euch und He-Ro dort haben. Der Fürst von Zalesia könnte uns möglicherweise etwas Einsicht gewähren in das, was am Horizont auf uns lauert.“

„Euer Majestät, ich wäre Euch ein schlechter Ratgeber, wenn ich nicht auf die Möglichkeit hinwiese, dass sein Kind allein deshalb entführt wurde, um uns daran zu erinnern, dass die Schlangenmenschen immer noch eine Bedrohung darstellen.“ Mit einem angewiderten Schaudern fügte er hinzu: „Oder vielleicht waren es auch nur zwei verlorene und hungrige Reptilien.“

König Grayskull nickte bedächtig. „Dennoch, Ich will Euch dabei haben.“

„Ja, Euer Majestät.“

 

 

Kapitel 3 - Teil 2 

 

Der Fürst von Zalesia hatte gewusst, schon bei Horüds Anklage, dass er eines Tages gezwungen sein würde, sich zwischen dem Rat und einer Familie zu entscheiden. Doch die furchtbaren Umstände, die ihn schließlich hierher gebracht hatten, hätte er sich nicht träumen lassen.

Von der Mitte des Saales, hoch über ihm hielten die Zuschauer den Atem an, bat er: „Meine Freunde, werdet ihr mir nicht zur Seite stehen?“

„Unsere geheiligten Eide als Mitglieder des Rates der Weisen verbieten es uns, uns zu vermählen und Kinder hervorzubringen“, kam Shokotis schneidende Antwort. Der Fürst von Zalesia spürte, dass sie ihn gern an Horüds Sturz erinnern wollte, doch sie sprach es nicht aus. „Ihr habt diesen Pakt gebrochen“, fuhr sie fort. „Der Raub Eures Kindes ist die Strafe der Ältesten für Eure Vergehen.“

Tränen der Verzweiflung traten ihm in die violetten Augen, und er sah die schöne Ve'Lyn vor sich. „Ihre Mutter starb bei der Geburt. Das muss doch Strafe genug sein!“, würgte er hervor.
 

Light Hope strich sich den roten Bart, um seine Gewissensbisse nicht nach außen sichtbar werden zu lassen, als er sachlich bemerkte: „Selbst wenn das wahr ist, dürfen wir nicht eingreifen. Unser Abkommen mit König Hsss würde verletzt -“

„Durch den Raub meiner Tochter hat er bereits mit dem Rat gebrochen!“ Die Stimme des grauhaarigen Manners donnerte durch den Saal und beunruhigte die Zuschauer auf den Rängen.

„Nein“, antwortete Shokoti kalt. „Nicht mit uns. Euer Kind hätte nie geboren werden dürfen und ist für uns nicht von Bedeutung.“ Sie zerteilte mit ihrer Hand die Luft vor sich wie mit einem Messer, als hätte sie damit das letzte Wort zu dieser Angelegenheit gesprochen.

Obwohl er wusste, dass er damit seinen Sitz im Rat verlieren würde, sprach der Fürst von Zalesia durch seine gefletschten Zähne: „Meine Tochter ist ein Teil von mir. Wenn Ihr euch von ihr abwendet, dann wendet Ihr euch auch von mir ab.“

„Die Wahl ist Euer“, sagte Starchild mit ihrer zarten, unschuldigen Kinderstimme. „Wem gilt Eure Treue?“

Der schreckliche Gedanke, seine kleine Tochter niemals aufwachsen zu sehen, überwältigte ihn bei Starchilds Anblick. Er riss das Ratssiegel von seinem violetten Gewand. „Ich hoffe, das beantwortet Eure Frage!“, schnaubte er und wandte dem Rat den Rücken zu, als das Stück Stoff lautlos zu Boden schwebte.

„Wir könnten uns irren“, drang Eldors Stimme an sein Ohr und ließ ihn innehalten. „Das Kind ist schließlich unschuldig an alldem.“

Shokotis schossen hasserfüllte Gedanken durch den Kopf. Es gibt kein 'Wir' hier, Eldor. Du bist lediglich Grayskulls Lakai, und ICH bin der Rat! Laut fegte sie Eldors Einwand beiseite: „Seine bloße Existenz ist eine Beleidigung. Soll es doch sterben!“

„Das ist noch nicht vorbei,“ schwor der Fürst von Zalesia und verließ die Halle.

„Räumt den Saal!“, befahl Shokoti.

Hoch oben geleiteten die Bediensteten des Rates die Menschen von ihren Logen. Als der Raum verschlossen war, wandte sich Shokoti Eldor zu. „Ab sofort werdet Ihr bei solchen Angelegenheiten nicht mehr Euer Wort erheben, Abgesandter! Die Völker von Eternia sehen zu uns auf, weil wir unabhängig von der Regierung sind, und ich werde das nicht von den Sentimentalitäten eines Außenstehenden gefährden lassen.“

Jeder der Anwesenden war verblüfft von der Schärfe des Angriffs. Eldor überwand seine Überraschung als einziger. „Ich bitte um Verzeihung, wenn ich meine Grenzen überschritten habe, Lady Shokoti. Ich biete dem Rat meine Entschuldigung an, und gelobe, dass es nicht wieder geschehen wird.“

Shokoti rauschte aus dem Raum, und die anderen verließen ihn durch eigene Ausgänge. Nur Eldor, Light Hope und He-Ro blieben zurück. „Ich kann nicht glauben, dass sie so mit dir gesprochen hat“, flüsterte Light Hope. „Ich habe noch nie erlebt, dass sie dermaßen die Beherrschung verloren hat.“

„Abgesehen von ihrem unentschuldbaren Ton ist an ihrem Standpunkt etwas dran“, meinte He-Ro. „Habt Ihr nicht selbst vor nicht allzu langer Zeit ein ähnliches Argument angeführt?“

Light Hope nickte zustimmend und bot an: „Ich werde mit ihr sprechen, Vater.“

„Nein, mein Sohn. Ich bin sicher, mit dem Sonnenaufgang wird es vergessen sein.“ Insgeheim brannte Eldor jedoch darauf, Shokotis Verhalten mit dem König zu besprechen. Er hatte von ihrem ungebührlichen Ton gehört, als Grayskull zum Schloss Eternia mit seiner Bitte um Hilfe gekommen war, und nun das. Vielleicht war es an der Zeit, die Bande zwischen Grayskulls Königreich und dem Rat der Weisen einer Überprüfung zu unterziehen.

 

 

Kapitel 3 - Teil 3 

 

Fackeln tauchten den feuchten Thronsaal von König Hsss in dumpfes Orange. Unter seiner magischen „Haut“, die er nach außen trug, wand sich der wahre Hsss, ein Mischwesen von fünf sprechenden, gefährlich intelligenten Schlangen, ungeduldig hin und her.

Er sprach zu dem Eindringling, der ungerührt am Fuße seines Thrones stand. „Du bist gefangen worden, als du um mein Haus geschlichen bist, Spikeaner. Wasss-s hattest du hier zu suchen?“

Der spikeanische Kundschafter wusste, dass der Schlangenkönig ihn verschlingen würde, egal welche Antwort er geben würde. „Gegen meinen Willen befahl mir Prälat Horüd herauszufinden, was die Schlangenmenschen so beschäftigt und von ihren üblichen Ränken abhält.“

König Hsss betrachtete den Warmblüter mit hungrigen gelben Augen. „Wir haben unsere Gründe.“ Er dachte an den Besuch zurück, den er vor einiger Zeit erhalten hatte...

 

*** ***

 

König Hsss war allein in seinen privaten Gemächern und hatte sich seiner magischen Haut entledigt. Das wahre Monster darunter räkelte sich gerade in einem tiefen Becken mit einer grünlichen Brühe, als es ein ungewohntes Geräusch wahrnahm und einen der Köpfe aus dem Wasser streckte.

Mitten in seinem innersten Sanktuarium stand Shokoti, wie gewöhnlich verhüllt und unkenntlich verkleidet. „Seid gegrüßt, Hsss. Mein letzter Besuch ist bereits viel zu lange her.“ Enttäuscht blickte sie auf den Rand des schleimigen Beckens, wo der König seine Haut abgelegt hatte. „Ihr tragt gar nicht das Geschenk, das ich Euch vor all den Jahren gefertigt habe. Ihr seid dessen doch nicht etwa schon überdrüssig?“

Hsss' übrige vier Köpfe tauchten auf, einer von ihnen mit einem Egel zwischen den Zähnen. „Ihr sss-seid gekommen, um Euren Lohn einzufordern, nehme ich an?“

„Sehr scharfsinnig, Geschuppter König. Über Jahre hinweg habe ich von meinem Sitz im Rat aus dafür gesorgt, dass Euer Volk niemals wirklich von den Menschenkriegern bedroht wird – und sogar einen Friedensvertrag für Euch ausgehandelt. Und ich habe die magische Haut für Euch geschaffen, die Ihr so achtlos auf den Boden geworfen habt. Sie sollte Euch erlauben, Euch einfacher unter den Menschen zu bewegen. Jetzt“, fügte sie düster hinzu, „ist es an der Zeit für meine Bezahlung.“

„Ich höre.“ Einer seiner Köpfe schnappte nach einer Sumpfratte, die sich davonzustehlen versuchte.

„Seht bis auf weiteres von weiteren Angriffen ab. Verstärkt Eure Truppen und bereitet Euch auf eine gewaltige Schlacht vor – die größte, die dieser Planet seit langer Zeit erlebt hat!“

„Und wann wird essss zu dieser Schlacht kommen?“

Shokoti griff nach ihrer Magie und stürzte den König in schmerzhafte Krämpfe. „Ihr werdet es erfahren, wenn ich es entscheide...“

Zehn Monate später stattete sie ihm erneut einen Besuch ab, wieder auf die gleiche Weise, doch dieses Mal hielt sie eine weitere Forderung für ihn bereit. „Es ist beinahe soweit“, versprach sie, „doch erst müssen unsere Feinde geschwächt werden. Entsendet eine kleine Einheit Eurer Krieger in die Stadt Zalesia. Im Schloss des zalesischen Fürsten werden sie ein Neugeborenes finden. Bringt sie hierher und wartet auf die unausweichliche Reaktion ihres Vaters.“

Hsss fragte Shokoti vorsichtig, um nicht eine magische Bestrafung zu provozieren: „Wie wird seine Sorge um seine Tochter die anderen schwächen können?“

Shokoti lächelte. „Es ist nicht seine Sorge, die ihnen schaden wird. Sondern Serpos...“

 

* * *

 

Als König Hsss' Gedanken in die Gegenwart und in den Thronsaal zurückkehrten, wo der erbärmliche spikeanische Spion immer noch um sein Leben flehte, wurde er eines weiteren Besuchers gewahr: Der Fürst von Zalesia wurde von zwei Schlangenmenschen in den Raum eskortiert.

„Wenn Ihr nur –“ stammelte der Spikeaner, wurde jedoch unterbrochen.

„Genug. Wir werden diese Unterhaltung später fortsss-setzen. Ich muss mich... anderen Dingen widmen.“

Horüds Agent registrierte den Neuankömmling dankbar, trat für den zalesischen Fürsten beiseite und hoffte, sich in einem günstigen Moment davonstehlen zu können.

„Und was verschafft mir das Vergnügen, einen Repräsentanten des ehrwürdigen Rates der Weisen bei mir begrüßen zu dürfen?“, fragte Hsss, obwohl er die Antwort bereits kannte.

„Ich spreche nicht mehr länger für den Rat. Ich bin wegen meiner Tochter gekommen, Hsss.“

„Und was könnt Ihr mir im Gegenzug anbieten, Fürst?“, fragte er und rieb sich die Hände seiner Menschenhülle.

„Woher weiß ich, dass sie noch am Leben ist?“

Hsss erhob sich von seinem Thron und beschwor sein Zepter herbei. In einer Wolke grünlichen Nebels erschien das Bild der kleinen Lyn, sie schwebte hoch über ihnen. Das jämmerliche Weinen des Kindes erfüllte die Halle.

„Ihr habt sie gesehen. Und Ihr wisst, was ich von Euch haben will.“

Der Herrscher von Zalesia ließ den Kopf sinken, er wusste, was König Hsss und seine Angriffe antrieb: „Ja. Die Macht, Serpos aus seinem langen Schlaf zu erwecken.“

„Exsssssakt“, bestätigte der Schlangenkönig, und seine Augen glommen feurig rot auf.

Mit hängendem Kopf fuhr der Mensch fort: „Ich kann ein Amulett erschaffen, das über die alten Gottbestien von Eternia gebietet. Im Austausch werdet Ihr mir meine Tochter aushändigen. Lebendig und unverletzt.“

Hsss bewegte sich auf sein Gegenüber zu und schritt die Stufen seines Throns hinab. „Natürlich. Das scheint mir mehr als... angemessen.“

Unvermittelt sprang Hsss an dem zalesischen Fürsten vorbei, warf ihn dabei beinahe von den Füßen und packte sich den schreienden Spikeaner, der gerade zu fliehen versuchte. Ruckartig verschwand Hsss' künstliche Menschenhaut, und seine fünf Reptilienköpfe begannen die geflügelte Kreatur genüsslich auseinander zu reißen.

 

 

Kapitel 3 - Teil 4 

 

Stunden vergingen, in denen der Herrscher von Zalesia seine Zauberkräfte beschwor, um das Pfand zu schmieden, das ihm seine Tochter zurückgeben sollte. Als es getan war, geleiteten ihn König Hsss und seine persönlichen Leibwächter General Rattlor und Tung Lashor zu den nahen Gipfeln des Berges Barathrum.

Von diesem Punkt aus konnten sie die Lichter von Reptilion sehen, der großen Kapitale der Geschuppten, die von der Macht des düsteren Schlangenfelsens beschützt wurde. Im Stein eingeschlossen, auf ewig verbannt in ein unüberwindbares Gefängnis, waren die Überreste von Serpos darum gewunden. Eine gigantische dreiköpfige Schlange, die sich vom Fuße des Bergs bis zu seinem Gipfel hinauf wickelte, wo sie aus den drei gähnenden Mäulern tödliche Lava spie.

Das gestürzte Ratsmitglied wunderte sich kurz über die Tatsache, dass die Schlangenmenschen die unwirtliche, verödete Seite des Schlangenfelsens gewählt hatten, um dort ihre Hauptstadt zu errichten, während die östlichen Hänge von üppigen, dichten Wäldern bewachsen waren. Solche Gedanken vergingen ihm jedoch schnell, als er die verhüllte Gestalt abseits der anderen in den Schatten stehen sah.

Kann das die Kreatur sein, von der Eldor gesprochen hat? Derjenige, der das Buch gestohlen hat?

„Habt Ihr es?“, verlangte Hsss ungeduldig.

Der Herrscher von Zalesia wandte seine Aufmerksamkeit von dem verhüllten Fremden ab und hielt unter den Schlangenmenschen nach seiner Tochter Lyn Ausschau. „Ja, ich habe es. Wo ist meiner Tochter?“

Der Schlangenkönig zischte gefährlich. „Erst gebt Ihr mir das Amulett. Nur dann werde ich Euch Euer Balg aushändigen.“

„Nun gut“, murmelte der Zalesier und holte einen goldenen Gegenstand hervor, der wie der Kopf einer Kobra geformt war. „Also, wo ist sie?“

„Noch nicht.“

„Ihr habt mir Euer Wort gegeben!“, brüllte Lyns Vater und legte Hsss drohend eine Hand auf die Schulter.

„Und ich werde es halten“, antwortete er und glitt von ihm fort. „Aber erst wenn ich sicher bin, dass dieses Artefakt mehr ist als ein nutzloses Schmuckstück.“ Hsss spürte die Macht in dem Amulett aufsteigen, als er es gegen den dunklen Himmel hob, und zischte triumphierend.

„Großer Gott Serpos!“ schrie er. „Die Zeit ist gekommen, dass Du zu Deinem Volk zurückkehrst! Ich befehle Dir – erhebe Dich!“

Mit einer gewaltigen Erschütterung erwachte die dreiköpfige Schlange, die seit ewigen Zeiten den Berg in ihrer Umklammerung gehalten hatte, zu neuem Leben. Sie schüttelte ihre Fesseln aus Stein ab und streckte ihren massigen grünen Leib. Serpos begann sich aus seinem Gefängnis herauszuwinden.

Wütend und mit erhobener Faust schrie der Fürst von Zalesia zu Hsss hinüber: „Das Amulett wirkt, wie ich es versprochen habe. Jetzt gebt mir mein Kind zurück!“

Die gelben Augen des Königs verengten sich zu kleinen Schlitzen. „Ich denke nicht, mein Fürst. Eure Fähigkeiten haben sich als nützlich erwiesen, aber Eure überhebliche Einstellung gefällt mir nicht. Ich glaube, ich werde Eure Tochter noch eine kleine Weile behalten. Zumindest, bis Ihr etwas dazu gelernt –“

Plötzlich war die Luft erfüllt von den Schreien von Schlangenmenschen, Männern, Frauen und Kindern. König Hsss fuhr herum, und sein kaltes Herz setzte einen Augenblick aus, als er mit ansah, wie Serpos Ströme aus Feuer auf die Stadt Reptilion nieder gehen ließ. Alles Flehen half den Einwohnern nichts, als sie von ihrem „Gott“, den sie so lange angebetet hatten, verschlungen wurden.

„Nein!“, schrie König Hsss entsetzt, und hinter ihm erklang ein eisiges Lachen. „Ihr habt das getan!“, zischte Hsss, beschwor sein Zepter herbei und wandte sich dem Mann zu, der dafür verantwortlich war.

„Euer Gott ist erwacht, Schlangenmensch, doch er scheint nicht besonders gut auf Euch zu sprechen zu sein.“

König Hsss griff den Fürsten mit einem machtvollen Zauber an, doch das grüne Feuer wurde mühelos abgelenkt. „Das wird Euch nicht helfen,“ sagte dieser. „Das Amulett hat Serpos aus seinem Schlaf erweckt, wie ich es versprochen habe. Aber es beherrscht ihn nicht. Und ohne meine Hilfe... wird es das auch niemals tun.“

Shokoti verfolgte die Auseinandersetzung der beiden mit wachsendem Interesse. Offenbar ist dieser alte Narr gerissener als ich ihm zugetraut hätte!

„... Nur dann werde ich Euch die Macht verleihen, Serpos zu kontrollieren“, rief der Fürst. Schäumend vor Wut beschwor Hsss das verängstigte Kind herbei. „Alles wird gut, mein Kleines“, versprach Lyns Vater und nahm sie an sich.

„Und jetzt gebt mir die Herrschaft über Serpos, oder sie stirbt in Euren Armen!“

Bevor er in einer dunklen Rauchwolke entschwand, löste der Fürst von Zalesia seinen Teil der Abmachung ein und benutzte seinen Widderstab, um die Kraft des Amuletts vollständig zu entfesseln.

„Ausgezeichnet“, entfuhr es Shokoti mit ihrer verstellten Stimme.

„Es wirkt!“, triumphierte Hsss, als sich die riesige Gestalt des Schlangenwesens dem Felsplateau näherte, auf dem sie standen. Er wandte sich Shokoti zu, die den Hass in seinen Augen leuchten sah. „Erlaubt mir, Zzzzalesia zuerst anzugreifen! Er wird bezahlen für die Zerstörung meiner Stadt!“

„Wenn die Zeit reif ist, Hsss, wird Zalesia fallen. Doch bis dahin müssen noch andere Königreiche vernichtet werden – still!“, befahl sie plötzlich. „Wir sind nicht länger allein!“

Während sich Hsss wieder auf seine neue Waffe konzentrierte, wirbelte Shokoti herum und griff den Fürsten an, der zurückgekehrt war. Aus den Wolken fuhren Blitze herab, schlugen in das gezackte Schwert in seinen Händen und warfen ihn zu Boden.

„Ihr seid noch nicht soweit für das nächste Kapitel Eurer Bestimmung.“ Diese Worte in Shokotis veränderter Stimme waren das letzte, was der Herrscher von Zalesia vernahm, bevor alles um ihn in Dunkelheit stürzte, und er fand sich zusammengekrümmt auf dem Boden des Zimmers seiner Tochter.

 

 

Kapitel 3 - Teil 5 

 

Der Kundschafter hatte gerade seinen letzten Bericht beendet, und seine Nachrichten waren düster. „Soll ich den Generalalarm auslösen, Gebieter?“

Der Fürst von Zalesia sah sich in seinem Kriegsraum um und blickte in blasse, besorgte Gesichter. Die Berichte waren allesamt gespickt mit grausamen Einzelheiten über die Verwüstungen, die Serpos bereits über die Siedlungen zwischen Zalesia und dem Schlangenfelsen gebracht hatte. „Wenn das, was du sagst, der Wahrheit entspricht und Serpos tatsächlich in einigen Stunden hier sein wird – dann löse den Alarm aus.“
 

Der Kundschafter eilte hinaus und bald dröhnten die Warnsirenen durch die Stadt.

„Wann wird Hilfe eintreffen, Gebieter?“, fragte einer der Minister.

„Ich bezweifle, dass es irgendeine Art von Hilfe geben wird, Kommandant“, antwortete er ernst. Er hatte seine früheren Freunde bereits um Beistand angefleht. Als sie von seinem Anteil an der Entwicklung erfuhren, kam ihre Ablehnung einstimmig und unmittelbar.

„Sie sind zu beschäftigt, um uns zu helfen. König Grayskull und die Ältesten sind in Streitigkeiten mit den Spikeanern verwickelt, die einen unerwarteten Großangriff gegen die Speleaner und Caligarier in Subternia entfesselt haben. Königin Veena leitet gegenwärtig die Rettungs- und Bergungsarbeiten – mehr Bergung als alles andere – in den Ansiedlungen bei Koridor. He-Ro und Eldor vertreiben die letzten Schlangenmenschen aus der Stadt des Feuervolks – oder dem, was davon übrig ist.“

„Und der Rat der Weisen?“

Mit schwacher, gequälter Stimme bestätigte er seinen Ministern, was sie befürchtet hatten. „Sie werden auf keinen Fall dem Mann zu Hilfe eilen, der ihren größten Albtraum ein weiteres Mal freigelassen hat.“ Er stürmte aus dem Raum, um nicht die enttäuschten und verzweifelten Worte hören zu müssen, die bei seinen Untertanen aufkamen. Er konnte es nicht ertragen, dass ihre Ablehnung das letzte sein würde, was er von ihnen zu Gehör bekommen würde.

 

* * *

 

Von dem Fenster in Lyns Zimmer aus sah der Lord von Zalesia auf den Scheiterhaufen, der einmal das Künstlerviertel seiner wunderschönen Stadt gewesen war. Zu dem Kind, das in seinen Armen schlummerte, flüsterte er: „Die Flammen kommen näher. Jetzt dauert es nicht mehr lange.“

„Und sie werden noch schneller hier sein, als Ihr denkt.“

Er fuhr herum, wodurch seine Tochter aus ihrem friedlichen Schlaf geweckt wurde, und sah den finsteren Magier, der ihn ein paar Tage zuvor mit seinen Blitzen zu Boden geschickt hatte.

„Bald werdet Ihr Euch Serpos im Kampf stellen müssen“, bemerkte Shokoti, wieder mit ihrer veränderten Stimme.

„Was? Wer seid Ihr? Und wie –“

Unter ihrer Kapuze lächelte Shokoti heimlich. „Jemand, der Euch helfen kann“, antwortete sie und streckte ihre Arme aus.

Der Fürst presste Lyn fester an sich und stieß hervor, „Ihr arbeitet für Hsss! Ihr habt mir nichts anzubieten!“

„Seid Euch da nicht zu sicher, mein Fürst.“ Shokoti deutete auf die Wiege des Kindes. „Dieses Land wird fallen, und Ihr vielleicht mit ihm. Doch Euer Kind... könnte noch gerettet werden.“

„Was meint Ihr damit?“ Jeglicher Hass war aus seiner Stimme verschwunden. Lyn, seine kostbare kleine Tochter, war jetzt seine einzige Sorge.

Shokoti nahm eine Decke aus der Wiege und hielt sie ihm entgegen. „Ich werde sie zu einem Ort bringen, an dem auch Hsss sie nicht finden kann. Sie wird sicher sein... und Ihr könnt Serpos mit klarem Verstand und freiem Herzen entgegen treten.“

„Warum sollte ich Euch Glauben schenken?“, fragte er und sah auf Lyn herab, die wieder ruhiger atmete und einschlief.

„Welche Wahl bleibt Euch? Wenn Ihr ablehnt, wird sie sterben, das wisst Ihr.“  Shokoti kam näher, wie ein Schatten, der mit dem Sonnenuntergang herangekrochen kommt. „Ich werde sie großziehen wie mein eigenes Kind – beschützen, lehren und führen, bis sie ihre Kräfte beherrscht. Es wird ihr an nichts fehlen, und ich werde niemals zulassen, dass ihr jemand Schaden zufügt.“

„Warum sollte ein Diener der Schlangenmenschen mir helfen wollen?“ Er hegte bereits den Verdacht, dass er es hier mit dem Helfer von Prälat Horüd zu tun hatte, und vielleicht konnte dieser Fremde etwas Licht auf die wahren Ursprünge der kommenden Finsternis werfen. Wenn er dieses Mysterium auflösen konnte, würde er möglicherweise vor den Rat treten können und um Vergebung bitten. Vielleicht würden sie ihm beistehen, um Zalesia zu retten!

Shokoti spürte seine Gedankengänge und lachte innerlich. Narr, ich BIN diejenige hinter all dem! Sie antwortete ihm: „Hsss ist für mich nicht von Belang. Ich bin höheren Mächten verpflichtet.“

Jenseits des Gemachs erreichten die Flammen die Tore des Schlosses. „Viel Zeit bleibt nicht mehr“, drängte Shokoti.

Der Fürst von Zalesia drückte Lyn fest an seine Wange und atmete tief den süßen, pudrigen Duft ein, der das Kind umgab. „Nehmt sie“, sagte er kaum hörbar. Es brach ihm das Herz, als er das Mädchen in die Arme des Fremden legte. Sie wachte erneut auf und griff mit kleinen Fingern nach der Hand ihres Vaters.

„Da ist noch etwas... Ich brauche außerdem Euren Stab.“

„Was?“ Diese weitere Forderung überraschte ihn. Warum sollte jemand etwas haben wollen, was gemeinhin nur als Symbol der Authorität über die Stadt bekannt war? Vor allem wenn diese Stadt gerade dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Es sei denn...

„Ich brauche einen der Schlüssel... Euren Schlüssel.“

Wenn das überhaupt möglich war, wurde ihm sein Herz noch schwerer. „Woher wisst ihr von –“

„Den Stab... sofort! Oder vergesst unseren Handel.“

Zögerlich überreichte er den uralten Stab und gab die gewaltigen Energien darin frei für den neuen Fürsorger seiner Tochter.

Draußen brach ein Strom flüssigen Feuers aus einem von Serpos' Köpfen hervor und schmolz den Turm neben dem Kinderzimmer zusammen. „Ihr beeilt Euch besser“, riet ihm Shokoti und verschwand mit dem Mädchen und dem Artefakt.

 

 

Kapitel 3 - Teil 6 

 

Shokoti legte Lyn und den Stab auf den steinernen Tisch, wo sie zuvor das Buch Der Ahnen studiert hatte. Mit einer raschen Handbewegung verschwand der Widderstab in die gleiche Dimensionslücke, wo sie das Buch verborgen hatte.

Lyn begann zu weinen, die Steinplatte war unbequem, und sie spürte die Dunkelheit und Gefahr um sich herum. „Keine Angst, meine Kleine“, säuselte Shokoti und kehrte dabei zu ihrer wahren Stimme zurück. „Wenn du das nächste Mal erwachst, wird es an der Zeit sein, dass du deine Ausbildung beginnst. Dein Vater schien alles dafür aufs Spiel zu setzen, um dich zu beschützen, er muss – wie ich – die große Macht gespürt haben, die in dir schlummert. Du wirst für meinen Sohn eine geeignete Königin abgeben.“

Und mit einer mir ergebenen Königin wird es so viel einfacher sein, meinen künftigen Erben unter Kontrolle zu bringen, sollte er seine Macht nicht so einsetzen wollen, wie ich es für richtig halte.

Shokoti bewegte ihre Hände über dem Kind vor und zurück, die Augen geschlossen. Sie sprach einen alten Zauber, und als sie die Augen öffnete, lächelte sie zufrieden. Lyn schlief friedlich mit dem Daumen zwischen den Lippen, eingeschlossen in einen großen blauen Diamanten.

Shokoti kehrte zu ihrem Thron zurück und blickte in die finsteren Schatten, die ihre Statue hoch über ihr warf. Sie deutete in die Dunkelheit, als ob sie etwas aus ihren Tiefen herausholen wollte – und ihre schwarze Magie ermöglichte ihr genau das.

Eine düstere Gestalt wuchs empor in Gestalt eines Mannes, mit einem langen, zerlumpten Mantel von der Farbe stumpfer Kohlen und einer schrecklichen silbernen Maske. Der von Shokoti erschaffene Schattenmann wurde mehr und mehr körperlich, bis er aussah, als sei er nie etwas anderes gewesen. „Dein Name wird Masque sein“, legte sie fest, und er sah sie bei der Nennung seines Namens an.

Sie deutete auf das eingeschlossene Kind. „Du wirst das Mädchen verbergen, und du wirst sie nicht eher freigeben, bis ich es dir befehle.“

„Wie Ihr es wünscht, Herrin“, bestätigte Masque, seine Stimme wie ein Flüstern an ihrem Ohr.

„Ich habe dir große Kräfte übertragen, Masque, und du sollst sie nutzen, um das Kind in den Dunklen Künsten zu unterweisen, wenn es älter wird. Sage ihr, dass ihr wirklicher Vater sie verlassen hat, weil er ein Feigling war.“

„Wie Ihr befehlt, Herrin.“

„Und wenn die Zeit gekommen ist, wirst du ihr erlauben, dass sich ihre Pfade mit denen eines Kriegers mit dem Namen Keldor kreuzen. Von da an werde ich die Sache in meine Hände nehmen. Hast du verstanden?“

„Ja, Herrin.“

Shokoti erschuf ein leuchtend grünes Dimensionstor. „Es wird euch zu einem sicheren Ort bringen. Niemand wird euch dort finden können. Jetzt geht!“ Masque nahm gehorsam den Kristall an sich, bevor er durch das Portal trat.

Lady Shokoti, erklang ein telepathischer Ruf in ihrem Kopf. Die Botschaft musste bedeuten, dass eine Ratszusammenkunft angeordnet wurde.

Ja, Mutter Tetsudo?

Der Rat der Weisen ist in Zalesia, im Kampf gegen Serpos. Wir brauchen Eure Hilfe!

Ich dachte, der Rat war sich einig in seiner Entscheidung, Zalesia nicht beizustehen, gab Shokoti gelassen zurück.

Die Angelegenheit wurde auf Bitten von König Grayskull neu überdacht, antwortete die schildkrötengestaltige Frau mit einer gewissen Schärfe.

Dann werde ich so schnell ich kann dort sein. Shokoti trennte die Verbindung zwischen ihnen, erstaunt, dass die Narren sich dazu entschieden, dem Mann zu helfen, der Hsss die Macht zur Entfesselung von Serpos verliehen hatte. Noch größer war ihre Überraschung über ihren derartigen Kniefall vor der Regierung.

Sie schob diese Gedanken beiseite und teleportierte zurück nach Zalesia, weil sie wusste, dass sie den Schein wahren musste, um ihre Pläne nicht zu gefährden. Für diese Reise musste sie sich wenigstens nicht verkleiden.

 

 

Kapitel 3 - Teil 7 

 

Erstaunlicherweise gewannen die Verteidiger tatsächlich die Oberhand! Zalesia lag in Trümmern, praktisch jeder einzelne Bewohner war tot. Selbst der Fürst, der von den einstürzenden Überresten seines Palasts begraben wurde, war dem Tode nah. Dem Rat der Weisen war es dennoch gelungen, Serpos' Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Ah, dachte Shokoti, bevor sie sich der Schlacht anschloss, wie es aussieht, sind He-Ro und Eldor ebenso eingetroffen, um Unterstützung zu leisten. Wie unglaublich edelmütig.

Dann sah sie ein Buch in Eldors knorrigen Händen, und zum ersten Mal seit Jahrhunderten überkam sie Panik. Wie hatte er das Buch der Ahnen finden können? War ihre Einberufung eine Art Falle, um sie von der Sicherheit ihrer Pyramide fortzulocken?

Und dann benutzte Eldor das Buch, um eine riesige Kreatur zu beschwören, dem Schlangengott an Größe ebenbürtig, um ihn damit anzugreifen. Shokoti atmete erleichtert durch, als sie begriff, dass es nicht das Buch der Ahnen war, sondern lediglich einer seiner anderen magischen Wälzer.

Sie schloss sich den anderen an, und gemeinsam entfesselten sie ihre gewaltigen Kräfte gegen Serpos, der Eldors beschworenes Geschöpf schnell bezwungen hatte.

„Ich habe eine Abschrift des Zaubers gefunden, mit dem die Ältesten ihn damals aufgehalten haben!“ schrie Eldor, und öffnete erneut sein Buch. „Es wird Zeit, die Gottbestie zurück in ihr Gefängnis zu verbannen!“

Serpos peitschte um sich, als die Helden ihren Gegenangriff begannen. Eldor sprach seinen Zauber, und das monströse Reptil wurde von einer gleißenden Kugel blauer Energien eingeschlossen, die es zurück zum Schlangenfelsen trugen. Dort schlang er sich einmal mehr um den Berg, seine Schuppen erstarrten und jede Bewegung gefror. Schließlich ergossen sich wieder flüssiges Gestein und Asche aus seinen drei schrecklichen Mündern.

„Wir haben es geschafft!“, triumphierte He-Ro. „Serpos ist gefallen!“

Light-Hope schlug seinem Freund auf die Schulter. „Und ich wette, dass König Hsss in seiner Wut glatt aus der Haut fahren wird!“ Die beiden jungen Männer lachten erleichtert, während die anderen verächtlich auf den gestürzten Fürsten von Zalesia starrten. Shokoti hielt ihn mit ihrer Magie wie eine Puppe in der Luft.

„Es sollte ihm nicht gestattet sein, vor seiner Verantwortung für die Verwüstung davonzukommen, die er dieser Tage über Eternia gebracht hat. Tausende Opfer hat Serpos unmittelbar gefordert, und hunderte werden folgen, jetzt wo ihre Behausungen und Dörfer zerstört wurden und sie den Elementen schutzlos ausgeliefert sind. Ihr Blut klebt an seinen Händen!“

Die übrigen Ratsmitglieder nickten zustimmend, Eldor ebenso, und sie wandten sich den Überresten des Verräters zu.

„Erhebt Euch, Fürst von Zalesia!“, befahl Shokoti. „Erhebt Euch, und seht, was von Eurem Reich übrig geblieben ist. Mit Eurem arroganten Stolz und Eurer Eitelkeit habt ihr Verderben über die Lande gebracht, die Ihr zu schützen geschworen habt! Für das, was Ihr Zalesia angetan habt, ist der Tod als Bestrafung angemessen.“ Sie hielt kurz inne, und ihre Augen verengten sich gefährlich, bevor sie mit ätzender Stimme fortfuhr: „Doch dafür, was Ihr den ungezählten anderen Ländern Eternias beschert habt... ist der Tod nicht Strafe genug!“

Der Rat der Weisen, verstärkt durch den zornigen Eldor, bildete einen Kreis um den schwebenden Körper. „Wir verdammen Euch, Fürst von Zalesia“, rief Shokoti aus, „zu einem ewigen Leben bar aller Menschlichkeit, die zu Eurem Fluch geworden ist.“

He-Ro bedeckte seine Augen, als sich der machtvollste Strom magischer Energien, den er je gesehen hatte, von den Mitgliedern des Kreises in den leblosen Körper ergoss. Dieser zuckte und verkrampfte sich, als der Herrscher von Zalesia verwandelt wurde. Von neuem Leben erfüllt, entlließ er einen markerschütternden Schrei und fiel zu Boden.

„Was habt Ihr mit mir gemacht?“, brüllte er und umfasste seinen Leib. Seine zusammengekrümmte Gestalt glomm in einem seltsamen silbrigen Schein.

Shokoti antwortete ihm: „Du wirst für immer an diese Ruinen gebunden sein. Als körperloser, ohnmächtiger Schatten... ein Schatten des Mannes, der Ihr einst wart.“

He-Ro konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, als das einst markante Gesicht des Fürsten entsetzt aufsah. Das Antlitz war fort, vollständig verschwunden – nur eine silberne Leere war geblieben, mit vagen Schatten, wo vorher Gesichtszüge waren.

Langsam stand der Verwandelte auf, doch wo einst seine Beine waren, gab es nur noch einen geisterhaften Dunst. „Bitte...“

„Dein Flehen wird hier kein Gehör finden, Gesichtsloser“, sagte Phyroah. „Du sollst jeden Tag damit verbringen, die Gesichter all jener vorbeiziehen zu sehen, die durch dein selbstsüchtiges Verhalten umgekommen sind - bis Eternia irgendwann aufhört sich zu drehen.“

Ohne ein weiteres Wort verschwand der Rat der Weisen. Nur Eldor und He-Ro blieben zurück und starrten den Geist vor ihnen an. Nach langen Augenblicken verließen auch sie ihn.

 

 

Ende - Kapitel 3 

 

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